Gottschalks Debüt im Ersten: "Gottschalk Live"

Der Entertainer talkt nach seinem Abschied von „Wetten, dass...?" ab heute im Vorabendprogramm der ARD und tauscht die große Showbühne gegen ein Sofa.

Der 61- jährige gebürtige Bamberger wagt den Neuanfang. Ganz ohne Publikum kann er dann doch nicht, wie er in seiner „Wetten, dass…“ Abschiedsshow im Dezember zugab. Nachdem er in den 90er Jahren bei RTL und SAT1 den Late Night Talker gab und Gastgeber bei „Gottschalks Haus Party“ war, versucht er in Zukunft beim öffentlich- rechtlichen Sender die Herzen der GEZ- Zahler erneut zu gewinnen.

Das Sendungskonzept?!

Ab heute nun talkt Gottschalk viermal wöchentlich zu den Themen „Lifestyle, Entertainment und Kultur“. 30 Minuten räumt ihm die ARD dafür ein, von Montag bis Donnerstag ab 19:20 Uhr. Gesendet wird live aus einem ARD- Studio nahe dem Gendarmenmarkt in Berlin.

Das Konzept? Gibt es ein Konzept?

In seiner ersten Show stellt der Entertainer erst sein retrodesigntes Wohnzimmer mit Riesenschreibtisch und dann den Redaktionsraum mit vielen jungen motivierten Menschen vor. Einer von ihnen gleicht mit seiner Frisur Karl- Theodor zu Guttenberg. Zack, erster Gag. Und weil das Team in der Hinterstube so jung und dynamisch ist, verrät Gottschalk dem Zuschauer sogleich, dass der sich interaktiv an der Sendung via Facebook oder Twitter beteiligen kann. Die Belohnung für heute: eine Krawatte von Günther Jauch, die der am Vorabend in seiner Talkshow getragen hat.

Dann erzählt Gottschalk, dass er Sonntagabend Nicolas Cage getroffen und ihn für heute in die Sendung eingeladen habe. Aber weil die Leute nörgeln würden, dass der Gottschalk wieder Promis aus Amerika einlade, die doch nur über ihr neuestes Projekt reden wollen und dann ganz schnell wieder abzischen, habe er ihn gleich wieder ausgeladen. Von Ein- und Ausladung gibt es für den Zuschauer zwei mehr oder minder interessante Fotos, Gag Nummer zwei.

Dann, so sieht das Konzept wohl vor, soll Thomas Gottschalk ein wenig über aktuelle Themen sinnieren. Die Bekanntgabe der Trennung von Heidi Klum und Seal am heutigen Tag hätte da passender nicht sein können, ist Heidi doch vom Altmeister des Showgeschäfts 1992 in einer Modelshow entdeckt worden und hat seitdem in regelmäßigen Abständen auf seiner „Wetten, dass…?“- Couch Platz genommen. Auch privat kenne man sich bestens, plaudert Gottschalk, bald Ex- Ehemann Seal würde ihn immer noch brav „Herr Gottschalk“ nennen, obwohl er ihm doch das „Du“ angeboten hätte. Auch von dieser Geschichte gibt es lustige private Fotos, die unter anderem Gottschalk mit Heidi auf einer Kostümparty zeigen.

Der zweite Teil der Sendung ist nach dem unglücklich geratenen Intro für ein Interview vorgesehen: heute mit Michael Bully Herbig als Gast, der für Gottschalk Hotelpuschen als kleines Mitbringsel dabei hat, die beide gleich anziehen. Bully wird vom Gastgeber zu seinem neuesten Film „Zettl“ von Regisseur Helmut Dietl befragt, der passenderweise nächste Woche, am 2.2., startet. – Und Herbig würde gerne auch Antworten geben, für die er sich länger als zehn Sekunden Zeit nehmen darf, wäre da nicht die Unterbrechung durch den ersten Werbeblock… und den zweiten… und das Wetter.

So ist das „Interview“ (zusätzlich interaktiv abgerundet durch die Frage eines Facebook- Users) nicht mehr als gehetzter Small Talk, der den Gast mehr als in Zeitnot bringt. Hätte Bully wenigstens ein Mikro gehabt, das nach Ablauf der Zeit automatisch wieder einfährt, wie es bei Preisverleihungen der Fall ist, er wäre vorgewarnt gewesen. Stattdessen plärrt Hintergrundmusik in seine Sätze und Gottschalk achtet aus dem Augenwinkel auf das Handzeichen des Regieassistenten- die Zeit wird knapp, gleich kommt ja wieder Werbung.

Am Ende des bemühten Gefasels kommt Gottschalk auf den Anfang zurück und verkündet, dass es rund 1600 Interessenten für die Krawatte von Günther Jauch gebe. Wer sie dann aber bekommt, entscheidet sich erst morgen. – Soll der Zuschauer etwa so zum Wiedereinschalten animiert werden? Wenn, dann ist leider auch dieser Versuch mehr als trivial.

Einmal ist keinmal

Das Fazit: ein Konzept muss bei „Gottschalk Live“ nach der ersten Sendung noch gesucht werden.

Es besteht die Vermutung, dass es einzig auf den Worten des Titels basiert: der Zuschauer kann Gottschalk im Fernsehen bestaunen. Live. Eine bombastische Idee. Und so neu.

Das Redaktionsteam fungiert als Zuschauerersatz, das den Gast bei seiner Begrüßung im Studio überschwänglich beklatscht und als Ansprechpartner in Sachen Facebook, Twitter& Co für die Generation Web 2.0 fungiert. Dumm nur, dass die Zielgruppe der ARD eine andere ist.

Gottschalk hetzt seinen Gast durchs vermeintliche Interview- nur, dass diesmal keine Wette wartet, sondern die Werbung.

Es kann nur besser werden. Einmal ist keinmal. Es bleibt zu wünschen, dass Gottschalk das nach der Analyse ähnlich sieht. Dann müsste er nämlich nicht mehr auf die Knie gehen, um für die Quote zu betteln.