Beim Spaziergang über den Friedhof Bredeney imponieren die Gräber der Familie Waldhausen in ihrer Aufmachung. Anhand der Grabstätten lassen sich kultureller Stand, religiöse Einstellung oder auch soziale Haltung der damaligen Gesellschaft ablesen.
Die Essener Familie Waldhausen
Die Gründerväter der Essener Waldhausenfamilie ließen sich im 17. Jahrhundert im Ruhrgebiet nieder. Die Familie erhielt im Jahr 1570 das Adelsdiplom. Es zeigt die bildliche Darstellung des Names und ziert auch die Gruft Ernst Waldhausens und seines Bruders Julius. Beide sind ab 1836 Teilhaber eines gutgehenden Wollhandels. Als Geschäftsführer bringt es vor allem Ernst Waldhausen zu bedeutendem Wohlstand, den er durch Investitionen in Bergbau uns Eisenindustrie mehrt. Er ist maßgeblich an dem Weg Essens von dem "kleinen Landstädtchen" zu einem großen Wirtschaftsstandort beteiligt.
Das Mausoleum
Das Mausoleum der Familie Waldhausen ist kein Mausoleum im ursprünglichen Sinne, da es sich nicht um ein geschlossenes Totenhaus handelt, sondern vielmehr um einen begehbaren Raum. Das Mausoleum als Antikenzitat zielt darauf, die Verstorbenen in ihrer Erhabenheit zu repräsentieren. Das Ständebewusstsein, das hier spürbar wird, ist für diese Gegend, der vor allem durch ihre wirtschaftliche Nutzung geprägt ist, auffällig. 9 Meter hoch, 6 Meter breit und 3,5 Meter tief wurde das Mausoleum 1875 errichtet. Das architektonisch aufwendige Grabmal wurde von dem Künstler J. Becker konzipiert.Die Antike war ein hohes Vorbild. Die Familiengrabstätte ist durch zwei Seiteneingänge begehbar. Zwei Schrifttafeln aus schwarzem Basalt bezeichnen die Lebensdaten der Familienangehörigen Ernst Waldhausens. Die Vorderansicht wird bestimmt durch das große Portal und den steinernen Sarkophag.
Symbolik des Mausoleums
Das Portal impliziert das "Hinübergehen", den Übergang ins Jenseits. Das Wappen gehört zum ältesten Grabschmuck. Als Standeszeichen wird es bei der Verewigung auf einem Grab als MIttel eingesetzt, um Traditionsbewusstein auszusagen. Im Giebel des Mausoleums ist eine Art Fenster eingelassen, in welchem die Figur eines Sternes eingebaut ist. Sterne als Grabschmuck sind ein Verweis auf das Himmlische, ein Verweis auf Gott. Durch diese göttliche Nähe bedeuten Sterne das höchste Zeichen der Lichtsymbolik.
Bestattungskultur in Essen im 19. Jahrhundert
Der Friedhof kann als gesellschaftliches Spiegelbild gesehen werden. Neben den pompösen Grabstätten der Krupps sind es vor allem die Gräber der Familie Waldhausen, die den Friedhof Bredeney zu einem Besonderen machen. Das Grabdenkmal war als Blickfang gedacht, der zum Besuch auf den Friedhof einlädt. Die Waldhausen-Gruft erinnert an Mausoleen wie das der Königen Luise von Preußen oder Katharina von Württemberg. Auch wenn das Essener Pendant nicht so extraordinär ist wie seine Vorbilder, ist es für die Essener Verhältnisse schon etwas Besonderes. Es verweist auf die Rechtfertigung des gesellschaftlichen Standes und zeugt so vom Ständebeusstein des 19. Jahrhunderts. Ernst Waldhausen wollte als Repräsentant des Großbürgertums in Erinnerung bleiben.
Weiterführende Literatur
Karl Mews: Draußen vor dem Tore. Begegnung mit dem Essener Bürgertum des 19. Jahrhunderts. In: Die Heimatstadt Essen. Jahrbuch 1955. S. 31-34, Essen 1955.
Heike Schmidt: Friedhöf und Grabdenkmal im Industriezeitalter am Beispiel Essener Friedhöfe: Geschichte-Gestaltung-Erhaltung. Bochum 1992.
