Graf Anton Günthers Einfluss auf Oldenburg

Die Spuren des Pferdegrafen in niedersächsischen Stadt

Graf Anton Günter auf Kranich - unbekannt
Graf Anton Günter auf Kranich - unbekannt
Graf Anton Günther begegnet man in der Stadt Oldenburg fast überall. Wer war aber der barocke Landesherr und was hat er für das Oldenburger Land getan?

Die Frage müsste fast sein, was dreht sich in Oldenburg nicht um Graf Anton Günther? Etliche Straßen und Plätze tragen seinen Namen, aber auch eine Schule, eine Rallye, etliche Vereine und private Betriebe werben mit dem Markenzeichen der Stadt. Wer war aber der als „Friedensfürst“ und „Pferdegraf“ bekannte Anton Günther und wie hat er sich um die Stadt Oldenburg so verdient gemacht, dass er auch mehr als vier Jahrhunderte später noch in aller Munde ist?

Hintergrund zu Graf Anton Günther

Graf Anton Günther von Oldenburg und Delmenhorst wurde am 10. November 1583 als Sohn von Graf Johann VII und Elisabeth von Schwarzburg-Blankenburg in Oldenburg geboren. Dass er seine Eltern bereits früh auf Bildungsreisen ins europäische Ausland und an andere Fürstenhöfe begleitete, schärfte seinen Blick für innen- und außenpolitische Zusammenhänge. Dies machte sich in seiner gesamten 60jährige Regierungszeit bezahlt; besonders aber nach dem Tod seines Vaters 1603, als er nur 20jährig dessen Regierung übernehmen musste.

Außenpolitische Errungenschaften Graf Anton Günthers

Außenpolitisch machte sich Graf Anton Günther die vielen Verbindungen zu nutze, die er schon früh geknüpft hatte. Vielleicht um keine dieser Beziehungen aufs Spiel zu setzen oder einfach als kluger Stratege bewahrte Graf Anton Günther seine Neutralitätspolitik während des gesamten 30jährigen Krieges von 1618 bis 1648.

Als fast einziger deutscher Staat vermied Oldenburg so die mit dem Kriegsgeschehen einhergehenden Verwüstungen und Hungersnöte – eine Tatsache, für die die Bevölkerung ihm sehr dankbar war. Der letzte Graf der Oldenburger Landesdynastie war deshalb auch der beim Volk beliebteste. Graf Anton Günther starb am 19. Juni 1667 ohne legitimen Erben in Rastede und Oldenburg wurde aufgeteilt – der größte Erbteil fiel an Dänemark, unter dessen Verwaltung es die nächsten 106 Jahre blieb.

Leistungen während Graf Anton Günthers Regierungszeit

Für den Kaufmann Graf Anton Günther spielten Militär und Militärpolitik eine relativ untergeordnete Rolle. Dies wirkte sich günstig auf andere Regierungsbereiche wie Wirtschaft und Landwirtschaft, Handwerk, Handel, Kunst, Literatur und Musik aus. Kritiker des Grafen führen an, dass er nur seine eigenen Interessen ausgebaut habe, es ist aber kaum abzustreiten, das sich diese durchaus positiv für Oldenburg auswirkten. Hier sind einige der wichtigsten Errungenschaften Graf Anton Günthers auf einen Blick:

  • Graf Anton Günther setzte den Deichbau am Jadebusen fort, den sein Vater begonnen hatte und wurde deshalbt auch Anton der Deichbauer genannt. Mit dem so gewonnenen Land konnte er Oldenburg deutlich vergrößern.
  • Durch den Erwerb der Herrlichkeit Kniphausen 1623 und der Grafschaft Delmenhorst 1647 erreichte der Staat Oldenburg seine größte Ausdehnung.
  • Wie sein Vater setzte er sich auch seit 1612 für die Einführung eines Weserzolls ein. Dieser wurde zwar erst 1653 anerkannt, füllte aber bald schon die Landeskasse.
  • Graf Anton Günther führte den berühmten Kramermarkt in Oldenburg ein, heute einer der größten Jahrmärkte in Norddeutschland.
  • Seine Kenntnis von Pferden und die Oldenburger Pferdezucht waren bald national bekannt.

Zeugnisse von Graf Anton Günthers Regierungszeit in Oldenburg heute

Außer an vielen Straßen-, Firmen- und Vereinsnamen ist der lange Nachruhm Graf Anton Günthers auch nicht zuletzt daran zu erkennen, dass Anton und Günther noch beliebte Vornamen in Oldenburg sind. Owohl es zu einen Denkmal nie gekommen ist, können Oldenburger und Besucher der Stadt etliche künstlerische und andere Gedenken an Graf Anton Günther finden:

  • ein Anton-Günther-Fresko aus dem Jahr 1894/95 an der Ostwand des Graf Anton Günther Hauses im Stadtzentrum, Lange Straße 76;
  • in Reiterstandbild aus Bronze vor Graf Anton Günthers ehemaligem Jagdschloss in Elsfleth;
  • Anton Günthers Sarkophag in der St. Lamberti-Kirche;
  • Ausstellungsstücke im Stadtmuseum, zum Beispiel ein Büschel Haare seines Lieblingspferdes „Kranich“;
  • eine Bildungsreise nach Prag, Wien, Graz und Italien inspirierte Graf Anton Günthers Modernisierung des Oldenburger Schlosses;
  • sowie den Umbau der Ringburg in Delmenhorst in eine barocke Schlossanlage.

Friedensfürst, Pferdegraf und Deichbauer – alle Spitznamen bezeichnen Errungenschaften Graf Anton Günthers, die dem Landesherren aus der Barockzeit seinen Nachruhm bis in die heutige Zeit beschert haben.

Wer mehr über Graf Anton Günther wissen möchte, sollte auf jeden Fall nach Sonderausstellungen in den Oldenburger Museen und Führungen auf den Spuren des Regenten in Oldenburg Ausschau halten.

Quellen:

1) Hinrichsen, Nils. Graf Anton Günther von Oldenburg. In: Kulturportal Weser-Ems.

2) Graf Anton Günther und Gräfin Sophia Katharina von Oldenburg. In: Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg.

Simone Preuss, Steffen Löffler

Simone Preuss - Simone Preuss ist freiberufliche Autorin und Übersetzerin (Englisch–Deutsch, Deutsch–Englisch). Nach dem Studium der ...

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