
- Ausgestellte Notizbuch-Kunstwerke - Michaela von Aichberger
Was am 12. Juli 2009 erfolgreich begann, war ursprünglich nur als Scherz gedacht. Michaela von Aichberger hatte spontan verkündet: "Ich male meine Follower!" An diesem Tag hatte die diplomierte Grafik-Designerin begonnen, „jeden Tag ein kleines Kunstwerk über oder für einen meiner Follower zu malen, das ihm auf irgendeine Art und Weise gerecht wird“. Seitdem versucht sie, sich die jeweilige twitternde Person vorzustellen und abzubilden. Oder sie erstellt ein abstraktes Kunstwerk, das den Follower repräsentiert und seinen Geschmack trifft.
Aus Spaß wurde ein erfolgreiches Kunst-Projekt
Die Resonanz war von Beginn an groß. Relativ schnell bemerkte die 42-Jährige, dass es ihrem Twitter-Publikum Freude machte, sie zu verfolgen und dass sie die Motive immer mehr ernst nahmen. „Den Leuten wurde wichtig, dass sie sich in meinen Portraits wiederfinden“, erklärt sie freudig. Seitdem bekommt sie tagtäglich direkte Nachrichten, sogenannte Direct Messages, E-Mails oder Replys, in denen ihr Menschen - mal ernst, mal witzig - über sich erzählen und versuchen, ihr kreativen Input für ein potentielles Kunstwerk zu geben. „Ich erfahre dabei, wer in wen unglücklich verliebt ist und andere bewegende Geschichten. Gleichzeitig kann ich charmante, kreative und witzige Persönlichkeiten auf liebevolle Art und Weise ins Rampenlicht rücken. Und nicht zu vergessen: ich zeige, dass ich selbst kreativ bin und mein Grafik-Designer-Handwerk verstehe“, erklärt die Inhaberin einer Multi-Media-Agentur.
Viele gezeichnete Follower und Ausstellungen
Mittlerweile hat Michaela von Aichberger 335 zwitschernde Follower gezeichnet und es werden stetig mehr. Zudem waren ihre in Motiven und Stilen variantenreichen sowie unterhaltsamen Notizbuch-Kunstwerke, die sie mit Copics und Fineliner erstellt, bereits auf mehreren Ausstellungen zu sehen. Nach Nürnberg, Köln, München, Hamburg und Berlin und trotz einiger Hindernisse, auf die die Kunst oft trifft, sollen weitere Ausstellungen bald folgen. „Solche Präsentationen stellen natürlich immer einen großen Kosten- und Zeit-Faktor dar. Das muss reiflich überlegt sein. Sponsorengespräche sind aber im Gange“, erklärt die ambitionierte Kreative.
Twitter: Networking und Hobby zugleich
Obwohl viele begeisterte Verfolger sich beteiligen, läuft das Projekt nur parallel und ist eher ein liebgewonnenes und ausbaufähiges Hobby. Schließlich ist Michaela von Aichberger in erster Linie Grafikerin in ihrer eigenen Agentur, die sie mit 21 Jahren gründete. „Für mich ist Twitter eine wunderbare Inspiration. Ich war davor selten neben meinen Design-Jobs noch einfach so für mich kreativ. Es sind hunderte von Charakterstudien entstanden. Ohne expliziten Auftrag wäre so etwas in der Fülle und in dem Abwechslungsreichtum normalerweise nicht entstanden“. Twitter ist durch seine vielfältigen Benutzer demnach für die in Münster geborene eine unerschöpfliche Quelle von zahlreichen Ideen. „Tolle Zeitgenossen“ bieten ihr Impulse, Textfragmente und Persönlichkeitsstrukturen, die sie ganz einfach in „tolle Grafiken“ einfließen lassen kann.
Aber Twitter dient vor allem auch als Aushängeschild für ihr Können. Denn mit viel Kreativität, Freude, Energie und Liebe gestaltet sie von Print über Illustration bis hin zu Messetrailern sowie Online- und Offline-Spielen alles, was grafisch interessant ist. Denn die in Erlangen und Köln Tätige liebt den Variantenreichtum. Demnach strömen mittlerweile viel mehr Grafik-Design- und Illustrationsaufträge ins Haus - meist von Verfolgern, denen ihr Stil gefällt. Und umgekehrt läuft das Ganze auch. „Einige meiner Kunden haben nun auch Notizbuch-Kunstwerke bei mir in Auftrag gegeben. Diese sehen sie schließlich stapelweise in meinem Büro herumstehen. Das ist neben Twitter anscheinend die beste Werbung“, erklärt die seit über 20 Jahren tätige Grafikerin. So kaufen also immer mehr Interessenten ihre eigenen oder fremde Notizbuch-Portraits.
Nicht nur Portraits, sondern auch Städte in Notizbüchern
Kürzlich hat Michaela von Aichberger auch das Projekt „Ich male die Welt“ ins Leben gerufen. Wem Personen-Portraits also nicht reichen, der kann auch seine Lieblingsstadt als Notizbuch-Portrait in Auftrag geben. „Einfach eine E-Mail schreiben oder mich anzwitschern", sagt der Workaholic, der auch mal gern den Schlaf etwas zurückstellt, um Agentur- und Notizbuch-Aufträge unter einen Hut zu bekommen.
