
- Hianzto raubt Ezzelins Kind - Arnim Brachtl
Er war einer der größten Schurken des Mittelalters, in Dantes „Göttlicher Komödie“ leidet er höllische Qualen: Ezzelino da Romano faszinierte den Tiroler Köhlerpoeten Josef Georg Schmalz (1804-1845). Als „Ezzelin der Grausame“ machte er ihn zum verrohten Helden eines seiner spannendsten Ritterschauspiele für die Comedihütte Kiefersfelden, als unverwüstlicher Dauerbrenner gelangt es im bereits achten Spieljahr zur Aufführung:
Reue durch Musik - ein romantisches Volksschauspiel
Ezzelin entsagt für seine Liebe zu Olimpia allen Ehren als Feldherr und Krieger. Doch ohne ihn bleibt den Kaisertreuen in den Schlachten gegen die italienischen Guelfen keine Hoffnung. Ezzelin übernimmt die Heeresleitung und vergisst im Siegesrausch alle menschlichen Werte. Das Flötenspiel eines unschuldigen Opfers peinigt ihn in Alpträumen mit Visionen eines leichtfertig zertrümmerten Glücks.
„Ezzelin der Grausame“ – entstanden 1835 und letztmals gespielt 1991 - zeigt die verderbliche Faszinationskraft weltlichen Ruhms und die leidvollen Auswirkungen menschlichen Gemetzels zwischen Schlachtenlärm und Liebesflüstern.
Erfolg bei Landkreis und Schule
Schon vor der Premiere am 30. Juli war die Stimmung gut im ältesten Dorftheater Deutschlands. Die Theatergesellschaft zeigt seit einigen Jahren, dass Traditionsbeharren und zeitgemäße Theaterpädagogik kein Widerspruch sind. So zu beobachten in einem „Preview“ für 500 aufmerksame und gebannte Schülerinnen und Schüler am Kulturtag der bayerischen Schulen.
Offizielle und private Förderer wie der Bezirk Oberbayern und die PSD Bank Nord belegen den Rang der Ritterschauspiele. Von besonderer regionaler Bedeutung für den Grenzort ist der Kulturpreis des Wirtschaftlichen Verbandes und des Landkreises Rosenheim. Die Begründung ist auch eine Referenz vor den Anstrengungen einer inzwischen zeitlosen Bühnenform, die sich heutigen Event-Strategien konsequent verweigert:
"Seit 1833 prägen die Ritterschauspiele Kiefersfelden in ihrer bis heute übermittelten Gestalt das Kulturleben der Region des Landkreises Rosenheim in weltweit einmaliger Aus- und Aufführung. Die erstmals 1618 als Dorftheater erwähnte Spielgemeinschaft widmet sich ausschließlich dem nach 1800 entstandenen ländlichen Ritterschauspiel. Dieses gewinnt in der Comedihütte auf der historischen Drehkulissenbühne aus dem frühen 19. Jahrhundert mitreißende Gestalt. Damit stellen die Ritterschauspiele in der beeindruckenden Dichte von religiösen und weltlichen Theaterformen zwischen Bad Endorf und Telfs einen einmaligen Akzent dar. Mehr noch: Das Archiv mit dem riesigen Bestand an Ritterschauspiel-Handschriften des 19. Jahrhunderts ist eine weitgehend unerschlossene Schatzkammer für Kultur- und Sozialwissenschaften. Die altertümlichen Proben- und Spielformen stehen im Dienst einer fast verlorenen Theaterkunst, deren Themen und Inhalte vom Humanismus des aufgeklärten Katholizismus geprägt sind." (Auszug aus der Begründung des Wirtschaftlichen Verbandes Rosenheim).
Die Fördersumme von € 2.500 wird der Verein für die Instandhaltung des Dorftheaters mit 500 Plätzen verwenden. Und schon beginnen die Überlegungen für das Stück 2012...
Kontakt & Karten
Samstag, 3.9. (19 Uhr), So 4.9. (13.30 Uhr)
Karten von € 3 bis € 15, info@kiefersfelden.de, Telefon: 08033-97 65 27 (Fremdenverkehrsamt, Mo-Fr 8 bis 12, 14 bis 17 Uhr)
