
- Cover Gravity von J & R Wasserfuhr - ACT-Music & Vision
Brandneu ist das neue Album der Brüder Wasserfuhr, „Gravity“. Auf 13 abwechslungsreichen Songs bekommt der geneigte Jazz-Afficionado erstklassige moderne Jazzmusik in Quartett-Stärke geboten, der man sich bereits nach dem ersten Hören kaum mehr zu entziehen vermag. Die musikalische Stimmung ist weitgehend atmosphärisch, ruhig – modern möchte man vielleicht sogar von „gechillt“ sprechen. Die beiden jungen Jazzer werden dabei von zwei hochkarätigen Könnern der internationalen Jazzszene unterstützt.
Wahre Koryphäen als unterstützende und doch gleichwertige Mitmusiker
Von wahrem Weltklasse-Niveau sind die beiden Mitmusiker auf „Gravity“: Lars Danielsson, der schwedische Bassist, sowie Deutschlands wohl berühmtester Jazzschlagzeuger und -produzent Wolfgang Haffner vervollständigen die brüderliche Grundbesetzung von Julian Wasserfuhr an Trompete und Flügelhorn und Roman Wasserfuhr an Piano und Synthesizer. Man kann sich durchaus vorstellen, wie professionell die beiden Hückeswagener an ihren Instrumenten sein müssen, wenn sie gestandene Größen für eine CD-Produktion gewinnen können!
Wenn Coverversionen das Original ausstechen: „Englishman In New York“ von Sting
Coverversionen sind so eine Sache. Spielt man nur 1:1 nach wird die berechtigte Frage nach dem Sinn der Neuaufnahme gestellt. Auch zu große Ehrfurcht vor dem Original mag als Grund dann nur bedingt überzeugen. Rupft man indes das komplette Stück derart auseinander, dass quasi ein neues Stück entsteht – nun, dann mag man durchaus von mangelndem Respekt sprechen. Die Kunst einer Coverversion besteht in der respektvollen Interpretation der Vorlage. Und das ist Roman und Julian Wasserfuhr mit der Neueinspielung des Sting-Klassikers „Englishman In New York“ so gut gelungen, dass man an manchen Stellen beinahe geneigt ist, das Cover besser als das Original zu finden – wie die beiden eindrucksvoll im Live-Konzert zur CD-Präsentation unter Beweis stellten.
13 großartige Songs: „Gravity“ von Julian & Roman Wasserfuhr
Doch auch wenn der New Yorker Engländer durchaus als Höhepunkt auf „Gravity“ bezeichnet werden kann, ist diese leise, sehr sensible Jazz-Platte doch noch mit zwölf anderen Höhepunkten gesegnet und überzeugt in jeder der 54 Minuten. „Twinkle Eyes“ lässt die Ohrläppchen zwinkern, „L.O.V.E.“ von Bert Kaempfert macht aus einem durchaus lustigen Anmach-Liebeslied die romantische Fortführung im Schlafzimmer, „Branca“ geht mit ein bisschen fordernderem Schlagzeugspiel ein wenig mehr aus sich heraus und die Haffner-Komposition „Some Other Time“ überzeugt mit dem rauchigen Charme einer Blue Hour in Jazzbar, wenn die letzte Zigarette und der letzte Rotwein kurz vor der Vollendung stehen und man auf den Trompetenklängen den Kopf ablegen möchte, während einen der Pianoteppich durch die Luft davonträgt.
Großartige Musiker entführen den Hörer auf „Gravity“ mit sphärischen Klängen
Sicher, solche Musik kann man nicht bei strahlendem Sonnenschein bei der Gartenparty anhören, das wäre sicherlich ein Kategoriefehler – würde allerdings der Musik auch gar nicht gerecht. „Gravity“ ist Musik zum Zuhören, ja, auch zum Träumen und Entführenlassen, in musikalische Welten, die man am besten abends bei einem feinen Glas Wein und Kerzenschein genießt. Dann wird auch die Klasse von Haffner, Danielsson und den beiden Wasserfuhr-Brüdern so richtig deutlich und man kann für eine knappe Stunde in eine andere Welt entfliehen – und man stellt erstaunt fest: Jazz kann also auch Eskapismus!
Produktionsdaten und Tracklist „Gravity“ von Julian und Roman Wasserfuhr
Produktionsdaten:
- Veröffentlichungsjahr: 2011
- Line-Up: Julian Wasserfuhr (trumpet, flugelhorn), Roman Wasserfuhr (piano, celesta, synth), Lars Danielsson (bass, cello, guitar), Wolfgang Haffner (drums)
- Songzahl: 13, Dauer: 54:14 Minuten
- Aufgenommen von Arne Schumann in den Hansa Tonstudios, Berlin.
- Coverdesign: Ai Weiwei, „Teahouse“, 2009
- Label: ACT Musik + Vision GmbH + Co. KG
Tracklist:
- Twinkle Eyes (4:52)
- Englishman In New York (5:35)
- Interlude (1:28)
- L.O.V.E. (5:17)
- Ramos Us (3:59)
- Fool’s Paradise (6:13)
- Branca (4:18)
- Gravity (2:49)
- Midnight Walk (3:30)
- If The Rain Comes (4:10)
- Blue Desert (4:49)
- Some Other Time (3:54)
- Theo (2:48)
Lesen Sie hier einen Live-Bericht des Konzerts im Alten Pfandhaus, Köln, vom 14.10.2011.
Interview mit Julian und Roman Wasserfuhr.
