
- Oberes Schloss - Peter von Bechen
Die thüringische Kleinstadt Greiz blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Besonders beeinflusst wurde das vogtländische Städtchen von dem Geschlecht der Reußen.
Das Fürstenhaus Reuß Jüngere Linie
Im Osten des heutigen Bundeslandes Thüringen lag das Fürstentum Reuß jüngere Linie. Es erstreckte sich von Lobenstein über Schleiz bis hin nach Gera. Es entstand im Gegenzug einer Wiedervereinigung im Jahre 1848. Als eine konstitutionelle Monarchie führte man ein Grundgesetz und ein Wahlgesetz, welches indirekte Wahlen zuließ, ein. Ein sehr konservativer Regierungsstil zeichnete dieses Fürstenhaus aus. Sehr außergewöhnlich war, dass das Fürstentum nie eine einheitliche Position begleitete, sondern stets versuchte für sich optimale Vorzüge zu erlangen. So zeigte es nie dauerhafte Zugehörigkeit zu Preußen, im Gegenteil es wechselte sehr häufig die Fronten.
Während des wirtschaftlichen Wachstum der Textilindustrie und des Maschinenbaus konnte das Fürstentum einen Zuwachs an Bevölkerung verbuchen. Durch die Novemberrevolution 1918, die die Monarchie stürzte, wurde durch den Thronverzicht des Fürsten Heinrich XXVII. Thüringen bereits zum ersten Mal Freistaat.
Fürst Heinrich XXII.
Am 28. März 1846 wurde in Greiz der spätere Fürst Heinrich XXII. geboren. Bereits mit 13 Jahren wurde er durch den Tod seines Vaters Regierungsoberhaupt des Fürstenhauses, da sein älterer Bruder bereits zwei Jahre vor seiner Geburt starb. Bis zu seinem 21. Lebensjahr übernahm jedoch seine Mutter Caroline die Regierungsgeschäfte. Wie ihr Mann und auch ihr Vater war auch sie sehr antipreußisch eingestellt. Diese Haltung übernahm ebenso ihr Sohn Heinrich in seiner Regierung. So war seine Herrschaft gekennzeichnet durch eine sehr konservative Herrschaft. Viele Neuerungen, die in Berlin auf den Weg gebracht wurden, ernteten im Reußenstaat nur Ablehnung. Das Fürstentum hatte seine eigene Verfassung und wurde sehr absolutistisch regiert. Dieses Querulantentum wird noch heute in einer sehr scherzhaften Art und Weise den hier ansässigen Bürgern nachgesagt.
Greiz im Vogtland
Die Stadt Greiz ist heute noch für historisch Interessierte ein Kleinod, das einen Besuch wert ist. Sowohl das Obere als auch das Untere Schloss sind für Besucher besondere Attraktionen. Das Untere Schloss birgt eine Ausstellung über die Geschichte der Stadt. Hoch über der Stadt thront das Obere Schloss, welches man schon von Weitem aus sehen kann, wenn man in die Stadt kommt. Vom Aussichtspunkt im Oberen Schloss aus kann man einen einzigartigen Ausblick auf die Stadt genießen. Für die ganz interessierten Besucher werden Führungen angeboten.
Im Greizer Park kann der Besucher die Sommerresidenz des Fürstenpaares besuchen. In ständigem Wechsel beherbergt das Sommerpalais sehenswerte Ausstellungen. Zum Verweilen lädt auch der Parksee ein, der die Form eines Eichenblattes besitzt. Für die dann Hungrigen bietet das neu renovierte Küchenhaus eine Stärkung bei Kaffee und Kuchen. Vom Greizer Park aus lässt sich das Naherholungsgebiet Waldhaus in einem gemütlichen Spaziergang erreichen.
Das Mausoleum in Waldhaus in Greiz
Ob allein, als Paar oder als Familie, das Naherholungsgebiet Waldhaus wird jedem Anspruch gerecht. Kinder können das Tiergehege besuchen und im Anschluss gemeinsam mit ihren Eltern das Mausoleum.
Die letzte Ruhestätte des Fürsten Heinrich XXII. wurde in den 90er Jahren renoviert. Die Baumaßnahmen waren sehr umfangreich und auch das imposante Portal wurde wieder hergestellt. Während der DDR-Herrschaft verfiel das gotische Bauwerk zusehends. Am Ende der DDR-Zeit konnten das Mausoleum nicht mehr betreten werden und war demzufolge auch baupolizeilich gesperrt.
Der Besucher kann sich über die geschichtsträchtige Fürstenlinie Reuß j. L., die die Stadt Greiz wesentlich beeinflusst hat, informieren und auch die Grabkammer besichtigen.
Heinrich XXII. liebte gerade die Stille, die dieses Waldgebiet ausmachte, und aus diesem Grund wurde der Baumeister Eduard Oberländer mit dem Bau dieses Meisterwerkes beauftragt. Das Mausoleum beeindruckt den Besucher durch eine bemerkenswerte Schlichtheit und Eleganz. Die sterblichen Überreste der Fürstenfamilie befinden sich allerdings nicht mehr im Mausoleum. Bereits Ende der 60er Jahre wurden die sterblichen Überreste verbrannt und im Neuen Friedhof der Stadt beigesetzt. Nach der Wende wurden die nummerierten Urnen in die Stadtkirche St. Marien umgebettet.
Die thüringische Kleinstadt hat für den Besucher eine Menge zu bieten und wer hier her kommt, sollte mehr als nur einen Tag einplanen.
