Grenada (eine Verballhornung von „Granada“, einer Stadt und historischen Region in Südspanien) ist eine Insel der Kleinen Antillen, an der Grenze zwischen Karibischer See und Atlantik gelegen, und gehört zu den sog. „Inseln über dem Winde“. Die Hauptinsel bildet mit einem halben Dutzend kleinerer Eilande (den „südlichen Grenadinen“) den Staat Grenada. Bedingt durch das Nebenher verschiedener Klimazonen eignet sich diese Inselgruppe hervorragend zum Anbau auswärtiger Pflanzen.

Die Muskat-Nuss: Kriegsbeute von den Molukken

Ursprünglich war die Muskat-Nuss mit das seltenste und teuerste Gewürz der Weltgeschichte. Sie fand u.a. in der Medizin Verwendung und war ausschließlich auf den Molukken („Gewürzinseln“) zuhause, weshalb sie den Niederländischen Kaufleuten großen Reichtum bescherte.

Jahrzehntelang tobten im 17. und 18. Jahrhundert blutige Kriege zwischen den Niederlanden und anderen Großmächten um den Besitz der Molukken. Im Jahre 1810 eroberte ein englisches Geschwader die Insel Bandalontar und zog sieben Jahre später wieder ab - mit Hunderten junger Muskat-Bäumen und einigen Tonnen der Muttererde im Gepäck. Mit dem weltweiten Monopol der Niederlande auf Muskat war es endgültig vorbei.

Zunächst wurde Muskat auf Ceylon und in Singapur angepflanzt, doch dann wurde die Karibik als ideale Muskat-Kolonie entdeckt. Anno 1843 wurden auf Grenada erstmals Muskat-Bäume gepflanzt, und schon 1865 beherrschte Grenada-Muskat den Weltmarkt. Zu dieser Zeit gehörte Grenada bereits fest zum britischen Weltreich, nachdem auch diese Insel Jahrhundertelang zwischen Spaniern, Franzosen und Engländern umkämpft gewesen war.

Noch heute stammt jede fünfte geerntete Muskat-Nuss (20%) aus Grenada, damit ist das karibische Eiland der zweitgrößte Muskat-Exporteur nach (dem weitaus größeren Staat) Indonesien. Nebenher werden auf Grenada Zimt, Gewürznelken und Ingwer angepflanzt.

Inzwischen ist der Gewürzanbau nicht länger das wirtschaftliche Haupt-Standbein das Insel – und das nicht nur, seit die Hurrikane der letzten Jahre manche Plantage verwüstet haben. Grenada ist längst zum Zielpunkt von Touristen und Kreuzfahrtschiffen aus aller Welt geworden. Manches Hotel ist bereits auf verkauften ehemaligen Gewürzfeldern entstanden.

Die Staatsflagge Grenadas: Sterne und eine Muskat-Nuss

Bis 1974 war Grenada eine Kronkolonie und, als Mitglied des Weltpostvereins, als Herkunftsland gefragter Briefmarken ein fester Begriff. Vor seiner Unabhängigkeit führte die Kolonie einen „Blue Ensign“ (die britische Dienstflagge) mit dem Kolonialsiegel im fliegenden Ende. - Zwischen 1967 und 1974 war häufig eine Blau-Gelb-Grüne "Trikolore" zu sehen, noch vor der Unabhängigkeit aber setzte sich die neue Staatsflagge durch:

Der Rote Rand verkörpert die Harmonie aller Bevölkerungsteile (Kariben, Schwarze, Inder, Europäer), da er die gesamte Flagge umfängt. Die insgesamt Sieben Sterne symbolisieren die sieben Gemeinden des Staates: St. George (Hauptstadt), St. John, St. Mark, St. Patrick, St. Andrew, St. David und die Grenadinen. Gelb steht für die Sonne und den friedlichen Charakter der Einwohner, Grün steht für die Fruchtbarkeit und die Landschaft. Im linken, grünen Feld, am Flaggenstock, prangt schließlich die Muskat-Nuss.

Literatur: Georg SCHULZ: „Zimtzicke, Canehlpuper & andere MerwürZigkeiten“, Hamburg 2003

Karl-Heinz HESMER: „Flaggen und Wappen der Welt“, Gütersloh 1992

Foto: © Nationalflaggen.de