Ein Schüler rebelliert gegen die herrschende Politik der DDR. Es ist Peter Grimm. Man schreibt das Jahr 1982 in Ost-Berlin. Etwa alle gefühlte zehn Meter steht ein Auto mit grauen Gestalten – Stasi. Überwachung. Berichterstattung zu banalsten Begebenheiten. Doch Grimm lässt sich nicht einschüchtern auf seinem Weg zur Meinungsfreiheit. Bei einer Beerdigung lernt er die Familie Havemann kennen. Es sind Oppositionelle mit erstaunlich vielen Freunden. Gleichgesinnte. Grimm schließt sich ihnen an. Prompt wird er vom Abitur ausgeschlossen und von der Schule geworfen. Die Stasi versucht ihn außerdem anzuwerben. Als Vorbereitung auf die unumgänglichen Rekrutierungsgespräche stößt Peter Grimm auf die "Vernehmungsprotokolle" des DDR-Dissidenten Jürgen Fuchs. Ein Freund von Grimm: "Musste unbedingt lesen. Das reinste Lehrbuch." Es funktioniert.

"Über wichtige Dinge sprach man nicht in den eigenen vier Wänden"

Die oppositionellen Freunde, darunter viele Künstler mit Berufsverbot, treffen sich zunächst in privaten Wohnungen, wo sie ein Publikum finden. Doch: "Über wichtige Dinge sprach man nicht in den eigenen vier Wänden." Die regelmäßigen Treffen finden von nun an in geschütztem Areal statt – in der Berliner Zionskirche, nahe Prenzlauer Berg.

Eine Kirche, eine Druckmaschine, ein illegaler Bestseller und ein Super-Coup

Dort in der Zionskirche gibt es nicht nur verbotene Bücher und Zeitschriften zum Lesen und sogar Ausleihen, die Bundestagsabgeordnete der Grünen aus dem Westen in den Osten geschmuggelt hatten (im so genannten "Giftschrank" lagert "hochbrisante" Literatur). Sondern es gibt eine Druckmaschine. Hier entsteht unter Grimm und seinen Mitstreitern die illegale Zeitung "Grenzfall". Darin wird offen und umfangreich über gesellschaftliche Probleme berichtet. Schnell entwickelt sich das Blatt zu einem landesweiten Bestseller in der DDR-Gegenbewegung. Die Stasi versucht jedoch mit allen Mitteln zu intervenieren und plant einen Super-Coup zur finalen Vernichtung der Rebellen. Ihre Macht reicht so weit, dass selbst im Sanctum Sanctorum des Widerstands ein Spitzel sitzt. Es gibt einen Showdown. Mit weit reichenden Folgen.

"Grenzfall" – deutsche Geschichte im Cartoon-Format

Die Graphic Novel zur jüngsten deutschen Zeitgeschichte erzählt die wahre Geschichte des Peter Grimm und ist ein bedeutungsvolles Beispiel für Jugendopposition in der DDR. "Grenzfall" spielt in den Jahren 1982-1987. Alles wurde exakt recherchiert von Susanne Buddenberg, die für den Text verantwortlich ist und Thomas Henseler, der sich sowohl um den Text und die Schwarz-Weiß-Zeichnungen kümmerte. Ausgestattet ist der DDR-History-Cartoon zudem mit einem interessanten und umfassenden Literaturverzeichnis sowie einem lehrreichen Glossar am Ende. Das dokumentarische Auftragswerk wurde von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert. "Grenzfall" ist Geschichte zum Anfassen, insbesondere für die, die nicht unmittelbar dabei waren.

Susanne Buddenberg und Thomas Henseler: Grenzfall. Avant-Verlag 2011. Softcover, 100 Seiten. Euro 14,95.