Griechenlands Hauptstadt Athen

Antike und Sakralbauten

Byzantinische Apostelkirche Agii Apostoli - François Maher Presley
Byzantinische Apostelkirche Agii Apostoli - François Maher Presley
Athen vermittelt Lebensart, daneben aber auch eine 2.000 jährige Architektur, die unkompliziert im Zentrum der Millionen-Stadt besichtigt werden kann.

Athens Lage ist attraktiv, im Süden mit überwiegend warmem Klima, am Meer, umgeben von Bergen. In kürzester Zeit ist man am Strand, am Meer oder auf einem Schiff, das einen auf die zahllosen Inseln fährt. Eigentlich ist diese Stadt eine Art ganzjähriges Urlaubsland, in dem die meisten Einwohner scheinbar auch alle Urlaub machen. Sind die USA auch das mächtigste Land der Welt, leben in China auch die meisten Menschen, ist Deutschland reich und England königlich, Griechenland bietet dem Einzelnen sehr viel mehr: Lebensgefühl, jetzt, geruhsam, erholend, genießend, ein diesseitiges Paradies, kein Versprechen auf später, vielleicht der Grund, warum Zeus hier gelebt hat.

Die meisten Sehenswürdigkeiten des antiken Athens sowie die Sakralbauten vergangener Jahrhunderte sind im Zentrum der Stadt und damit leicht zu erreichen.

Der Syrische Leuchtturm in Athen

Eines der wenigen noch gut erhaltenen Gebäude ist der 12 m hohe, achteckige Turm der Winde, der 40 v. Chr. von dem syrischen Astronom Andronikos von Kyrrhos gestiftet wurde. Innen stattete er den Turm mit einer Wasseruhr aus, neu in der Zeit, außen mit einer “technisch” verbesserten Sonnenuhr zur Sicherheit und zum Vergleich. Der Relieffries stellt die acht Himmelsrichtungen dar und zeigt auch die entsprechenden Windgötter. Auf dem Turm war eine Wetterfahne angebracht, die die Richtung des Windes anzeigte. Im Laufe der Jahrtausende diente der Turm schon als katholische Kirche. Heute ist er Mittelpunkt der römischen Agora, einem Markt umringt von Säulenbauten, der heute so nicht mehr existiert. Das gilt auch für die griechische Agora, dem Geburtsort der Demokratie, der fast 1.000 Jahre Mittelpunkt des Athener Lebens war. Heute eher edles Trümmerfeld.

Die Olympischen Spiele

Im heutigen Zentrum der Stadt soll einmal das alte Stadion gestanden haben, in dem in der Antike die Olympischen Spiele ihren Ursprung fanden. Allemal steht hier seit 1896 das nach alten Plänen rekonstruierte Stadion mit Sitzstufen aus weißem Marmor. Baron Pierre de Coubertin rief die ersten Spiele der Neuzeit wieder ins Leben, und das damalige Olympische Komitee vergab die Austragung nach Athen.

Der Grieche Spiridon Louis gewann im Marathonlauf die Goldmedaille. Auch die Silbermedaille ging an einen Griechen. Es wird sich aber erzählt, dass beide mit Pferd und Wagen geschummelt haben sollen, aber die Götter, in diesem Fall die Schiedsrichter, drückten beide Augen zu.

Das Stadion wird heute nur noch privat genutzt. Während der Olympischen Spiele 2004 wurde das Stadion jedoch in die Feierlichkeiten einbezogen.

Die Akropolis

Die Römer ergänzten den Akropolis Hügel mit neuen Bauten, die Byzantiner wandelten verschiedentliche Bauten in christliche Kirchen um, in der Propyläen hatte der Bischof seinen Amtssitz, im 15. Jahrhundert bauten Venezianer Propyläen und Erechtheion zu Palästen um, seit 1458 demontierten die Türken diese und erbauten eine Moschee, nutzten die Anlage als Pulvermagazin und viele andere “Besucher” nahmen sich zahllose Andenken mit, bevor dann griechische und deutsche Archäologen alles entfernten, was zwar Geschichte war, aber nicht zur Antike zählte und hinterließen der Welt das bekannte künstliche Ruinenensemble aus völlig isoliert dastehenden unvollständigen Bauten.

Odeion des Herodes Atticus

Am Südhang der Akropolis ist das Odeion des Herodes Atticus zu sehen, das bereits im 6. Jh. v. Chr. das Zentrum des geistigen Athen gewesen ist. Und auch heute noch wird das Theater genutzt, so z.B. für die sommerlichen Athener Festspiele.

Das Dionysostheater

Die älteste Bühne der Welt und die Geburtsstätte der europäischen Schauspielerei liegt nicht weit entfernt. Das Dionysostheater, die älteste Bühne der Welt, hatte einmal eine sehr gute Akustik und fasste 17.000 Zuschauer, die sich auf 25 Reihen in drei Rängen verteilten. Leider sind nur noch wenige Sitzreihen erhalten, darunter die aus dem 4. Jh. v. Chr. stammenden Ehrensessel aus Marmor in der ersten Reihe.

Griechen und Deutsche

Studenten, die nachweisen können, dass sie in Deutschland studieren, erhalten auf viele Sehenswürdigkeiten in Athen freien Eintritt. Sonstige Studenten bezahlen die Hälfte. Bei dieser Praxis handelt es sich um ein kleines Dankeschön an die sehr großzügigen deutschen Hilfen für die Hellenen und ihre Geschichte.

Griechen und Deutsche haben ein Stück gemeinsamer Geschichte. Von den Türken befreit, bestimmten die Großmächte Prinz Otto von Wittelsbach, Sohn des Bayernkönigs Ludwig I., 1933 zum König von Griechenland. Dieser brachte Architekten und Beamte mit. Die Architekten machten Athen von einem Provinznest zur Residenzstadt (viele klassizistische Bauten), die Beamten brachten das Recht, das Schul- und Hochschulsystem und schon 1837, auf Ottos Wunsch, die erste Universität Athens - natürlich der Neuzeit - mit deutschen Gelehrten. Er musste auf Druck der Schutzmächte jedoch 30 Jahre später abdanken.

Die Stoa des Attalos

Auch die Stoa des Attalos, ein Säulenbau, der den Ostrand der Agora begrenzte, wurde rekonstruiert, von Amerikanern den Griechen gestiftet. Der ehedem 116 Meter lange und 20 Meter breite Bau wurde sogar als ursprüngliche Anlage gestiftet, nämlich 150 v. Chr. von Attalos II., König von Pergamon. Das war sein Dankeschön an die Stadt Athen, in der er studiert hatte. Die Stoa war genau genommen und nach heutigem Sprachverständnis auch ein Tempel, in diesem Fall ein Einkaufstempel, ein antikes Kaufhaus. Hier gingen die Athener Bürger einkaufen, unten flanierte man, oben betrachtete man die ausgestellten Waren. Insoweit ist die Wiedererrichtung durch die Amerikaner fast ein inhaltliches Muss. Heute werden in dem Gebäude jene Stücke ausgestellt, die in der Umgebung gefunden wurden. Aber wie vieles in Athen ist auch hier der größte Teil der Ausstellung geschlossen.

Der größte Tempel

Und auch hier war einmal ein Gott zu Hause - namentlich Zeus. Nach dem Heraion auf Samos ist dieses im 6. Jahrhundert v. Chr. begonnene Olympieion der größte griechische Tempel. Allerdings wurde das Gebäude erst im Jahre 131 n. Christi fertiggestellt, später im Mittelalter als Steinbruch genutzt. So blieben für unsere Tage nur 15 der 104 ca. 17,25 m hohen und fast zwei Meter dicken Säulen stehen. Mit Fantasie kann man sich zwar die ursprünglichen Dimensionen vorstellen.

Byzantinische Apostelkirche

Die byzantinische Apostelkirche Agii Apostoli wurde um das Jahr 1000 auf den Resten eines antiken Nymphaions gebaut. Unter der Kirche fand man die Reste einer Münze (5. Jahrhundert v. Christi) mit dem Bildnis der Athene und auf der Rückseite eine Eule sowie die ersten drei Buchstaben des Namens Athen. Daher stammt das Sprichwort “Eulen nach Athen” tragen.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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