Dass der alte Grimm, das 32 dicke Wälzer umfassende Wörterbuch, ein gefragtes Nachschlagewerk darstellt, beweist ausgerechnet die „Generation Internet“. Mehrere tausend Anfragen gehen nach offiziellen Angaben täglich bei der Online-Version des Wörterbuchs ein. Das sind vermutlich mehr aktive Nutzer des sprachgeschichtlichen Grundlagenwerks als dieses in seiner über 150-jährigen Geschichte jemals hatte. Seit einigen Jahren steht das Grimm'sche Wörterbuch nun schon in elektronischer Form zur Verfügung und ist auch als CD-Rom erhältlich.
Die Neubearbeitung des Grimm ist schon lange in Arbeit
Einen ähnlichen Weg könnte nun die Neubearbeitung des Werkes nehmen, an der schon etliche Zeit gearbeitet wird. Schon beim Abschluss der ersten Ausgabe des Wörterbuchs in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts begannen die Planungen für eine solche Überarbeitung. Gerade die ersten Bände mit den Buchstaben A bis F galten in vielen Punkten als überholungswürdig. So wurde alsbald das Projekt der Neuauflage in Angriff genommen, nach der deutschen Teilung aufgeteilt in der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin und in der Akademie der Wissenschaften in Göttingen. Nach mehreren Jahrzehnten der kontinuierlichen Bearbeitung steht nun der Abschluss bis 2012 in Aussicht.
Die Neubearbeitung des Grimm'schen Wörterbuchs im Internet
Wie die zuständige Kommission jetzt bekannt gab, ist eine Weiterbearbeitung des Gesamtwerkes über 2012 hinaus nicht vorgesehen. Allerdings soll wie vom alten Grimm auch vom neuen Grimm eine Digitale Version entstehen. Damit würden dann den Wortartikeln aus dem 19. Jahrhundert die aktualisierten Artikel der Neuauflage auch online zur Seite gestellt. Wie das aussehen könnte, lässt sich bereits probieren. Vorläufige Testversionen sind schon zugänglich, und zwar, wie es dem gründlichen Gemeingeist der Germanistik entspricht, in zwei Fassungen: Einem Entwurf der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen sowie einer Fassung der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Die Göttinger Online-Version der Neubearbeitung
Im Göttinger Entwurf für eine Digitale Version der Neuen Bearbeitung des Grimm'schen Wörterbuchs sind die Lexikonteile von F bis Fastnacht enthalten. Über eine Stichwort- und Artikelsuche können die Worteinträge einzeln abgefragt werden, wobei sich mit den Artikeln etwa zu „Fahrstuhl“ oder „Farbfernsehen“ einige sehr naheliegende Gründe für die Neubearbeitung auftun und unmittelbar erschließen.*
Die Berliner Online-Version der Neubearbeitung
In dem Berliner Auszug, der die Einträge der Teillieferung von „Auffassen“ bis „Aufpfeifen“ enthält, sind die einzelnen Artikel gleichermaßen über verschiedene Suchmasken aufrufbar. Übersichtlich sind die einzelnen Belegstellen quer durch die Jahrhunderte aufgeführt, die nun auch Nachweise bis in die letzten Abschnitte des 20. Jahrhunderts enthalten. So erfährt man zum Beispiel, dass auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ 1996 das Wort „Aufmotzen“ verwendet. Auch so erweist sich das Unternehmen des Grimm'schen Wörterbuchs als ein interessantes und gelehrtes Werk, das auf beredte Weise Kunde über die Sprachentwicklung gibt.
* Fahrstühle gibt es übrigens auch schon im alten Grimm, wobei vermerkt wird, dass es sich dabei um einen „fahrsessel“ handelt, und: „auch der schwebende sitz des dachdeckers am thurm heiszt so.“
