Grippe-Symptome: Fieber, Kopfschmerz, Reizhusten

Influenza-typische Symptomatik für die saisonale Grippe nach RKI

TEM: Neu gezüchtete Spanische Grippe-Virionen (1918) in MDCK-Zellkultur - CDC: Dr. Terrence Tumpey, Cynthia Goldsmith (2005)
TEM: Neu gezüchtete Spanische Grippe-Virionen (1918) in MDCK-Zellkultur - CDC: Dr. Terrence Tumpey, Cynthia Goldsmith (2005)
Für die saisonale Grippe ist nach RKI-Falldefinition Fieber über 38,5 Grad Celsius das Leitsymptom. Begleitsymptome sind Husten, Muskelschmerzen, Schnupfen und Übelkeit.

Sie fiebern fieberhaft im Fiebertraum, schwitzen, wälzen sich unruhig in ihrem Daunenfederbett hin und her? Sie machen Ihre Augen auf und blicken auf Ihr gesträubtes Gefieder? Entweder sind sie jetzt ein lesendes Huhn oder ein lesender Gockel, oder Sie lesen gerade als Influenza-Wirt Mensch die relativ unspezifischen Grippesymptome der Vogelgrippe des Huhnes vom Typ Influenza A(H5N1): Nach dem RKI-Ratgeber für Ärzte des Robert Koch-Instituts (RKI) unterscheiden unsere Ärzte mittlerweile zwischen der aviären Influenza (Vogelgrippe), dem pandemischen Influenzavirus A(H1N1) 2009 (Schweinegrippe) und der saisonalen Grippe – hier zirkulieren saisonal Influenzaviren des Subtyps A(H1N1), A(H3N2) und des Subtyps B (hier finden Sie die Grippefälle-Updates der AGI für Deutschland vom 12. Juli 2011, sowie von EuroFlu für Europa vom 15. Juli 2011).

Fieber über 38,5 Grad Celsius ist ein Grippe-Leitsymptom

Ein plötzlicher Erkrankungsbeginn mit Fieber von mindestens 38,5 Grad Celsius ist das wichtigste Symptom der influenza-typischen Symptomatik (ILI) der saisonalen Grippe (ILI: influenza-like illness). Wie bei der Schweinegrippe beträgt die so genannte Inkubationszeit der saisonalen Influenza zwischen 1 und 2 Tagen – bei der Vogelgrippe ist die Inkubationszeit vermutlich länger. Das plötzliche Fieber ist gegenüber der normalen Erkältung eines der wichtigsten Leitsymptome: Nach einer Studie von Arnold S. Monto aus dem Jahr 2000 tritt bei Grippe-Erkrankungen Fieber über 37,8 Grad Celsius bei knapp 70 Prozent aller Grippe Patienten auf. Dagegen tritt Fieber über 37,8 Grad Celsius bei einer normalen Erkältung nur bei etwa 40 Prozent aller Patienten auf. Ein fiebriges Gefühl wie Schüttelfrost tritt bei Grippe und Erkältung dagegen bei etwa 90 Prozent aller Patienten gleich häufig auf. Beim klinischen Bild der Schweinegrippe zeigte eine Studie von 642 bestätigten Schweinegrippe-Fällen aus den USA, dass sogar 94 Prozent aller Patienten Fieber hatten.

Weitere Grippe-Symptome sind Husten oder trockener Reizhusten

Husten oder trockener Reizhusten dient im klinischen Bild der Grippeerkrankung als zusätzliches Diagnosekriterium zur Diagnosestellung. Anhand des Hustens, der Heiserkeit oder eines trockenen Halses kann aber nicht sicher zwischen einer Grippe oder einer Erkältung unterschieden werden. Husten tritt nach Monto et al. bei 93 Prozent aller Grippe-Patienten und als Erkältungssymptom bei etwa 80 Prozent aller Patienten auf. Bei Kindern kann es zu Krupp-Husten kommen – auch Atemnot oder Kurzatmigkeit sind keine sicheren Kriterien für eine Grippe.

Auch Kopfschmerzen und Muskelschmerzen gehören zur Grippe-Symptomatik

Manchmal plagen zusätzlich auch Kopfschmerzen und Muskelschmerzen erkrankte Menschen. Die so genannten Myalgien treten als Muskelschmerz oft am Rücken auf, aber auch an Beinen oder Armen. Wiederum sind diese Symptome unspezifisch für die Grippe: Nach Monto et al. treten beide Symptome etwa gleich häufig bei Grippe-Patienten und Erkältungs-Patienten auf. Etwa 90 Prozent der Kranken leiden an Kopfschmerzen, sogar 94 Prozent an Muskelschmerzen.

Weitere Grippe-Symptome: allgemeine Schwäche, Schnupfen & Schweißausbrüche

Grippekranke Hühner zeigen einen vorübergehenden Legeleistungsabfall, grippekranke Menschen zeigen als Leistungsabfall weitere unspezifische Grippesymptome wie allgemeine Schwäche oder Mattheit, Halsschmerzen, Schnupfen (Rhinorrhoe), Schweißausbrüche und Übelkeit mit Erbrechen und Durchfall. Erkranken ältere Menschen, kommt es manchmal zu Komplikationen, da ältere Menschen oft schon an so genannten chronischen Grundkrankheiten erkrankt sind. Sie leiden zum Beispiel an chronischen Herzkrankheiten oder Lungen-Erkrankungen. Manche haben auch Diabetes oder ein schwaches Immunsystem. Hier müssen die Ärzte besonders auf eine Lungenentzündung achten, da diese oft durch eine bakterielle Superinfektion mit Pneumokokken oder Staphylokokken entstehen können.

Eine Grippe dauert ohne Komplikationen etwa eine Woche

Verläuft die Grippe unkompliziert, wird unser gesundes Immunsystem mit den saisonalen Grippenviren innerhalb von etwa 5 bis 7 Tagen fertig. In dieser Zeit kann man mit geeigneten Medikamenten die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen und nervende Begleitsymptome wie Schnupfen lindern. Dabei kann der Krankheitsverlauf recht unterschiedlich sein. Als Faustregel gilt nach dem RKI, dass etwa ein Drittel der Grippeerkrankungen fieberhaft verlaufen, ein Drittel der Patienten leidet nur an leichten Symptomen – wie glückliche Hühner zeigen dagegen etwa ein Drittel aller Menschen einen so genannten asymptomatischen Krankheitsverlauf ohne Grippesymptome.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat zum Beispiel durch einen Arzt nicht ersetzen kann!

  • Weitere Informationen:
  • Die Falldefinitionen der saisonalen Grippe, Schweinegrippe und Vogelgrippe finden Sie als "RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte" in der aktualisierten Fassung vom 31. Januar 2011 im Epidemiologischen Bulletin (Epid. Bull.) des Robert Koch-Instituts (RKI).
  • Die Orginalarbeit von Arnold S. Monto et al. "Clinical Signs and Symptoms Predicting Influenza Infection" können Sie sich in englischer Sprache auf der Internet-Präsenz des "Archives of Internal Medicine" als pdf-Datei kostenlos herunter laden.
  • Bild-Informationen: TEM: Abkürzung für Transmissions-Elektronen-Mikroskopie. Schema eines humanen Influenza-A-Virus nach ViralZone (UniProtKB/Swiss-Prot viral protein entries): Hämagglutinin (HA, rosa); Neuraminidase (NA, türkis); Nucleo-Protein (NP, orange); Nucleares Export Protein (NEP, grau); Matrix-Protein (hellgrün); M2-Ionen-Kanal (M2-IK, rot). Die photorealistische Szene erstellte der Autor mit POV-Ray (Persistence of Vision). POV-Ray ist ein kostenloser Ray- Tracer – ein 3D-Computergrafik-Programm.
Dr. Gerald Albach, Dr. Gerald Albach

Dr. Gerald Albach - Schreiben macht Spaß: mit Licht und mit Worten! Damit ich weiß, worüber ich schreibe, habe ich als Diplom-Biologe in der ...

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