
- TEM: Schweinegrippe-Viren zirkulieren in der Schweinemast - C. Goldsmith und D. Rollin (2009)
Streichelt man Streicheltiere im Streichelzoo und wäscht sich anschließend nicht die Hände, dann infiziert man sich manchmal durch die Streicheleinheiten im Streichelzoo mit krankmachenden Bakterien wie EHEC oder Salmonellen, Parasiten oder Viren: Ärzte nennen diese Form der Übertragung oder Transmission von Krankheitserregern durch einen Tier-Mensch-Kontakt nicht Streichelzoonose, sondern einfach Zoonose. Auch Grippe-Viren können so zum Beispiel von Schweinen oder Vögeln auf Menschen übertragen werden. Das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet am 4. Oktober 2011 im Epidemiologischen Bulletin von Infektionen durch Schweine-Influenzaviren in Deutschland – aus Landkreisen in Niedersachsen.
Auch Schweine fühlen sich bei Grippeerkrankungen sauschlecht
Das deutsche Schwein ist nicht immer sauglücklich, das deutsche Schwein fühlt sich nicht immer sauwohl: Schweine und andere Tiere wie Hühner und Pferde zeigen bei einer Grippeerkrankung ähnliche Symptome wie Menschen. Auch Schweine bekommen Fieber zwischen 41 und 42 Grad Celsius und liegen wie eine tote Sau krank im Stall herum – nach etwa 3 bis 6 Tagen toben sie allerdings wieder gesund und quietschvergnügt durch den deutschen Saustall. Seit der Schweinegrippe-Pandemie des Jahres 2009 muss man in den deutschen Schweinebeständen ständig mit verschiedenen Subtypen der Influenzaviren rechnen.
Schweine-Influenzavirus A(H1N1)sw & Schweinegrippe-Virus A (H1N1) 2009
Zwischen den Jahren 1958 und 2005 gab es nach einer wissenschaflichen Studie weltweit nur 50 beschriebene Fälle einer zoonotischen Übertragung von Schweine-Influenzaviren durch einen Tier-Mensch-Kontakt: Dabei handelte es sich um Erkrankungen mit Subtypen von Influenzaviren, die nur endemisch in den Schweinebeständen zirkulieren – zum Beispiel um den Schweine-Influenzavirus A(H1N1)sw (sw für das englische swine). Der Subtyp A(H1N1)sw unterscheidet sich genetisch vom bei Menschen zirkulierenden pandemischen Schweinegrippe-Virus A (H1N1) 2009, oder von saisonalen A(H1N1)-Viren. Nach Studien des Friedrich Loeffler-Instituts (FLI) kursieren seit der Pandemie im Jahre 2009 folgende Influenzaviren in nordwestdeutschen Schweineställen: Das porcine Schweine-Influenzavirus A(H1N1)sw ist mit circa 80 Prozent aller Nachweise am häufigsten, danach kommen die Subtypen A(H1N2)sw und A(H3N2)sw mit etwa 15 Prozent – mit weniger als 5 Prozent folgt das pandemische Schweinegrippe-Virus A (H1N1) 2009.
In Niedersachsen erkrankten Kinder an Schweine-Influenzavirus A(H1N1)sw und A(H1N2)sw
Während der Pandemie im Jahre 2009 wurde mehrmals berichtet, das Menschen sich bei Schweinen mit dem Schweinegrippe-Virus A (H1N1) 2009 anstecken können. Seit 2007 wurden aber auch in Deutschland fünf Übertragungen von porcinen Schweine-Influenzaviren festgestellt. 2007 erkrankte in Niedersachsen jeweils ein Mensch an A(H1N1)sw und A(H3N2)sw. Seit September 2010 wurden weitere Fälle aus unterschiedlichen Landkreisen in Niedersachsen bekannt. Bei einem Jungen im Alter von 18 Monaten und bei einem 37-jährigen Mann identifizierte man den Schweine-Influenzavirus A(H1N1)sw, im Januar 2011 infizierte sich ein 10-jähriger Junge mit A(H1N2)sw.
Häufung durch hohe Schweinedichte in Niedersachsen?
Durch die Schweinemast findet man in einigen Landkreisen von Niedersachsen eine hohe Schweinedichte vor, allerdings spricht das RKI noch nicht von einer Häufung der Schweinegrippe-Zoonosen. Die Erkrankungen mit dem Schweine-Influenzavirus verlaufen oft ohne Komplikationen und enden nach einigen Tagen selbstlimitierend – der 37-jährige Mann erkrankte allerdings wegen einer Vorerkrankung schwerer. Schweine gelten aufgrund der Neuraminsäure-Virusrezeptoren in ihren Atemwegen als ideale "Viren-Mischgefäße" für humane Grippe-Viren, Schweine-Influenzaviren und aviäre Vogelgrippe-Viren. Hier kann das so genannte Reassortment stattfinden. Deshalb sollten auch Regionen mit einer hohen Schweinedichte von Ärzten und Tierärzten aufmerksam beobachtet werden.
Weitere Informationen
Dr. Silke Buda, PD Dr. Walter Haas, Dr. Armin Baillot, Dr. Konrad Beyrer, Dr. Masyar Monazahian, Dr. Matthias Pulz, Dr. Justus Benzler, Prof. Dr. Timm Harder und Dr. Brunhilde Schweiger (2011): Humane Fälle mit Infektion durch Schweineinfluenzaviren. Epidemiologisches Bulletin (Epid. Bull.) Nummer 39 vom 4. Oktober 2011. Sie finden das Epid. Bull. auf der Homepage des Robert Koch-Instituts (RKI) – dort befindet sich auch die Datenbank SurvStat.
Kendall P. Myers, Christopher W. Olsen und Gregory C. Gray (2007): Cases of Swine Influenza in Humans: A Review of the Literature. Clinical Infectious Diseases; Volume 44, Issue 8, Seite 1084 bis 1088.
Bild-Informationen: TEM: Abkürzung für Transmissions-Elektronen-Mikroskopie. Schema eines Influenza-A-Virus nach ViralZone: Hämagglutinin (HA, rosa); Neuraminidase (NA, türkis); Nucleo-Protein (NP, orange); Nucleares Export Protein (NEP, grau); Matrix-Protein (hellgrün); M2-Ionen-Kanal (M2-IK, rot). Die photorealistische Szene programmierte der Autor mit POV-Ray (Persistence of Vision). POV-Ray ist ein kostenloser Ray-Tracer – ein 3D-Computergrafik-Programm.
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