Große Wiesbadener Bürger und prominente Gäste

Eva Wodarz-Eichner und Karsten Eichner - Christa Kaddar
Eva Wodarz-Eichner und Karsten Eichner - Christa Kaddar
"Die großen Wiesbadener - Bürger, Badegäste und Berühmtheiten" lauten Titel und Untertitel des Buchs von Dr. Eva Wodarz-Eichner und Dr. Karsten Eichner.

In dem Buch sind 46 prominente, nicht mehr lebende Persönlichkeiten portraitiert, die in Wiesbaden wohnten oder als Gäste dort weilten. Als Badestadt von Weltruf, als Residenzstadt, als Altersruhesitz wohlhabender Personen, als Stadt der Gesundheit, der Künste und des Glücksspiels hatte Wiesbaden eine besondere Anziehungskraft auf ganz unterschiedliche Menschen. Das Buch ist zur Frankfurter Buchmesse 2010 erschienen. Das Autorenehepaar hat das Buch bereits in mehreren Lesungen in Wiesbaden und Eltville vorgestellt.

Goethe feierte seinen 65. Geburtstag in Wiesbaden

„Darf man Goethe zu den ‚großen Wiesbadenern’ zählen, nur weil er die Sommer 1814 und 1815 in Wiesbaden verbracht hat?“, fragte Karsten Eichner. Er hat die Frage positiv beantwortet und Goethe für das Buch ausgewählt, was er so begründet: „Die Aufenthalte Goethes in Wiesbaden und im angrenzenden Rheingau sind eine prägende Zeit gewesen, die Spuren in seinem Leben hinterlassen hat – vor allem in seinem west-östlichen Diwan.“

In Wiesbaden feierte Goethe am 28. August 1814 seinen 65. Geburtstag. Für ihn und die Gäste wurde ein üppiges Frühstück im Kursaal hergerichtet und mittags ein Essen mit der herzoglichen Familie. „Die Familie Brentano schickt zehn Flaschen Wein und eine Einladung nach Winkel, die Goethe bereits vier Tage später annimmt“, las Karsten Eichner. Auch im folgenden Jahr verbrachte Goethe vier Monate in Wiesbaden und machte Ausflüge in die Umgebung. An einen Ausflug erinnert der pyramidenförmige Goethestein in Wiesbaden-Frauenstein. Nach 1815 kam Goethe nicht mehr nach Wiesbaden und an den Rhein. „Was bleibt, ist die Erinnerung an zwei schöne, schöpferische und erlebnisreiche Sommeraufenthalte des Dichters, die uns in vielen Zeugnissen überliefert sind.“

Brahms schuf die „Wiesbadener Sinfonie“

„Ja, es ist ein schöner und zugleich ein äußerst produktiver Sommer, den Johannes Brahms 1883 auf Einladung des Ehepaares von Beckerath in Wiesbaden und dem Rheingau verbringt. Er verliebt sich in die Sängerin Hermine Spies, die mit 26 Jahren gerade einmal halb so alt ist wie er“, heißt es in der von Karsten Eichner vorgetragenen Geschichte. Wie die Zuhörer erfuhren, blieb es bei einer Romanze mit Hermine und Brahms zog es vor, bis zu seinem Lebensende ungebunden zu bleiben. „Aber das Resultat an das Brahms später immer wieder gern zurückdenkt, ist unter anderem eine neue Sinfonie, die er heimlich schreibt. Seine dritte, und vielleicht sogar seine schönste – sie wird schon bald den Beinamen ‚die Wiesbadener’ erhalten.“

Herzogin Pauline war eine warmherzige Landesmutter

Eva Wodarz-Eichner stellte eine Frau vor, die viele Spuren in Wiesbaden hinterlassen hat: Herzogin Pauline von Nassau, die sie gleich im Untertitel als „warmherzige Landesmutter“ bezeichnet. Der Prinzessin aus Stuttgart war ein hartes Schicksal an der Seite ihres 18 Jahren älteren Ehemannes, Herzog Wilhelm I. von Nassau beschert. Wahrscheinlich war es ein Glück für sie, dass er nach zehn Jahren Ehe, 1839, an einem Schlaganfall starb. Als nach wenigen Jahren die junge Ehefrau Herzog Adolphs, Wilhelms Nachfolger und Sohn aus seiner ersten Ehe, stirbt, übernimmt Pauline 1845 wieder die Aufgaben der Landesmutter, bis Herzog Adolph sich 1851 neu verheiratet. Das enge Verhältnis zwischen dem jungen Herzog und seiner nur sieben Jahre älteren Stiefmutter hat bösen Zungen immer wieder Anlass zu Klatsch und Tratsch geliefert. Die Untertanen liebten jedoch Herzogin Pauline. „Ihr war die Verbesserung der Situation der Armen, vor allem der bedürftigen Frauen und Kinder, zeit ihres Lebens eine Herzensangelegenheit gewesen.“ Herzog Adolph rief nach ihrem Tod aus ihrem Nachlass eine Stiftung ins Leben. „Paulines Name ist untrennbar mit dem Paulinenstift, der heutigen Asklepios Paulinenklinik, verbunden.“ Als Herzogin Pauline 1856 im Alter von 46 Jahren starb, trug ganz Wiesbaden Trauer.

Wiesbaden war die Schicksalsstadt für die tollkühne Luftheldin Käthchen Paulus

Auf ganz andere Weise lebte Käthchen Paulus, die tollkühne Luftheldin, ihren Mut und ihre Tapferkeit. Sie wohnte in Frankfurt, doch Wiesbaden war ihre „Schicksalsstadt“ wie Eva Wodarz-Eichner berichtete. Als die 20 Jahre alte gelernte Schneiderin im Sommer 1889 mit ihrer Mutter zur Kur in Wiesbaden weilte, lernte sie den Luftschiffer Hermann Lattemann kennen, der über dem Kurpark von seinem Ballon aus mit einem Fallschirm absprang. Es entwickelt sich eine Liebesbeziehung zwischen Käthchen Paulus und Lattemann; sie bringt einen nichtehelichen Sohn zur Welt, ohne Lattemann als Vater zu benennen.

Als zwei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes ihr erster Fallschirmsprung über Wiesbaden stattfinden soll, wird er von der Kurdirektion nicht genehmigt und sie vollzieht ihren Premierensprung über Nürnberg. Im Sommer 1894 erleben dann auch die Wiesbadener endlich den „Doppelabsturz“ von Fräulein Paulus. Noch im selben Jahr kommt Lattemann bei einem Absprung ums Leben und ein Jahr später stirbt ihr Sohn. „In den folgenden Monaten reist sie rastlos durch Europa und tritt unzählige Male mit ihren Ballons und Fallschirmen auf, feilt an ihren Shows und bietet ständig neue Attraktionen. Immer wieder zieht es sie nach Wiesbaden, wo das Publikum sie begeistert feiert.“

Das Buch „Die großen Wiesbadener“ bietet eine gelungene Mischung interessanter Persönlichkeiten

Den beiden Autoren ist ein Werk von hohem Unterhaltungs- und Informationswert gelungen. Die Mischung von Unternehmern wie Otto Henkell, Wilhelm Gustav Dyckerhoff, Wilhelm und Fritz Kalle oder Wilhelm von Opel, Wissenschaftlern wie Remigius Fresenius und Konrad Duden mit Theologen, Musikern, Schriftstellern Künstlern, Sportlern und Aristokraten bereitet Vergnügen beim Lesen und lässt Wiesbadener Schicksale und Zeitgeschichte lebendig werden.

Eva Wodarz-Eichner ist Kulturhistorikerin, promovierte Germanistin, Journalistin und Autorin. Karsten Eichner ist promovierter Historiker, Journalist und Autor.

Eva Wodarz-Eichner und Karsten Eichner - Die großen Wiesbadener. Societäts-Verlag 2010. Hardcover, 196 Seiten. Euro 19,90.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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