Das Große Mausohr wird auch oft mit dem Namen Riesenfledermaus bezeichnet. Denn mit einer Gesamtlänge von 6,7 bis 7,9 Zentimetern und einer Flügelspannweite von 35 bis 43 Zentimetern ist sie die größte Fledermaus in Deutschland und auch in Österreich.

Merkmale vom Großen Mausohr

Ein ausgewachsenes Mausohr kann ein Gewicht von bis zu 40 Gramm erreichen. Es hat lange und breite Ohren sowie eine sehr kurze und breite Schnauze. Das Fell zeichnet sich von schwarzbraun an den Haarwurzeln bis zu hellbraun, graubraun oder auch rotbraun an der Oberseite aus. Die Unterseite des Tieres ist dagegen weiß bis weißgrau gefärbt. Die Schnauze, Ohren und Flügeln haben einen graubraunen Farbton. Das Fell ist kurz, aber dafür sehr dicht. Der Rücken von Jungtieren ist meist gräulich gefärbt.

Die Ohren erreichen eine Länge von knapp drei Zentimetern, die an den Enden abgerundet sind. Somit erscheinen sie sehr groß.

In welchen Regionen lebt das Große Mausohr?

Diese Fledermausart ist auf dem kompletten mittel-, süd-, südost- und westeuropäischem Kontinent beheimatet. Aber auch in Nordafrika fühlt sich das Große Mausohr zuhause. Genauso wurden sie auch schon auf den Azoren gesichtet.

Der Lebensraum vom Großen Mausohr

Am wohlsten fühlt sich das Große Mausohr in menschlichen Siedlungen, aber auch in offenen Geländen (beispielsweise Felder, Wiesen oder Waldränder). Zum Schlafen und auch zur Jungtieraufzucht benötigen sie ungestörte und große Dachböden oder Gemäuer, wo es zudem warm ist. Daher sind die Großen Mausohren meist in Burgen, Schlössern oder auch Kirchen zu finden. Wenn einmal ein solches Quartier gefunden ist, bleiben die Fledermäuse dort und die nachfolgenden Generationen leben ebenfalls dort. Wenn einmal ein Dachstuhl einer Kirche saniert wird, in dem Fledermäuse gehaust haben, kann es Jahre dauern, bis diese dorthin zurückkehren und auch dann ist es nur Glückssache. Oft kehren sie dann nie wieder an diesen Ort zurück.

In diesen Quartieren leben jedoch nur die Weibchen, die die Jungen aufziehen. Denn die Geschlechter leben getrennt und finden nur zur Paarung zusammen. Die Männchen suchen sich ein anderes Plätzchen, meist ist Baumhöhlen oder Nistkästen, aber auch ein anderer Dachboden kann für sie als Heimat dienen.

Aufzucht der Jungtiere in Wochenstuben

Die weiblichen Tiere kümmern sich um die Aufzucht der Jungtiere. Jedes Weibchen bekommt in der Regel nur ein Jungtier pro Jahr, das nach einer Tragzeit von etwa 60 Tagen völlig nackt und blind geboren wird. Von April bis Anfang Mai finden sich die Weibchen in den Wochenstuben ein, um im Juni ihre Jungen zu gebären.

Die Weibchen bilden zusammen mit den Jungtieren sogenannte Wochenstuben, die mit den menschlichen Kindergärten zu vergleichen sind. Denn gehen einige der Weibchen auf Futtersuche, wobei sie sich unter Umständen mehrere Kilometer von den restlichen Tieren entfernen können, bleiben die anderen Weibchen zurück, um sich um die Zöglinge zu kümmern.

Kleine Wochenstuben bestehen aus 30 bis 50 Tieren, sind jedoch eher selten. Am häufigsten sind 200 bis 500 Tiere zusammen in einer Wochenstube. Dann gibt es allerdings auch noch die großen Wochenstuben, die aus mindestens 1000 Tieren bestehen, welche aber auch sehr selten sind.

Weil es im Frühjahr oft noch recht kalt ist, kuscheln sich alle Tiere in den Wochenstuben ganz eng aneinander, sodass sie sich gegenseitig Körperwärme abgeben.

Bereits nach etwa 25 Tagen unternehmen die Jungtiere ihre ersten Flugversuche und sind mit 40 Tagen selbstständig. Die Wochenstuben werden daher von Anfang bis Mitte August aufgelöst.

Der Speiseplan des Großen Mausohr

Fledermäuse sind Insektenfresser, so auch das Große Mausohr. Am liebsten fressen Sie Laufkäfer, aber auch andere Käfer sowie Nachtfalter. Die Nahrungsaufnahme findet hauptsächlich in Eichen- und Buchenwäldern statt. Das Große Mausohr findet die Beute nicht mit den Augen, sondern mit Hilfe von Ultraschall. Es reißt dabei die Schnauze auf als würde es gähnen wollen und sendet dabei einen ganz hellen Ton aus, den man mit dem menschlichen Ohr nicht wahrnehmen kann. Dieser trifft auf die Beute und wird von ihr zurück zur Fledermaus gestrahlt, sodass diese "sehen" kann, wo sich die Beute derzeit befindet.

Das Große Mausohr hält Winterschlaf

Anders als in den Wochenstuben oder den Quartieren bevorzugt das Große Mausohr im Winter Plätze, an denen es zwischen sechs und acht Grad Celsius kalt ist. Meist hängen sie dann frei an Decke und Wänden. Erst wenn es zu kalt oder zugig wird, verkriechen sie sich in schützende Gesteins- und Mauerspalten. Winterquartiere sind oft in natürlichen Höhlen, im Keller von alten Gemäuern oder auch in ungenutzten Bergwerksstollen zu finden.