Großfeuer im Zoo von Karlsruhe tötet 26 Streichel-Tiere

Die Flusspferde von Karlsruhe tauchten erst mal ab - Rolf van Melis / pixelio.de
Die Flusspferde von Karlsruhe tauchten erst mal ab - Rolf van Melis / pixelio.de
Das aus ungeklärter Ursache ausgebrochene Feuer verwüstet Streichelzoo und Elefantenhaus. Die Dickhäuter konnten gerettet werden, die Streichel-Tiere nicht.

Um vier Uhr morgens am Samstag, den 13. November 2010, brach im Zoologischen Garten von Karlsruhe ein Feuer aus, das binnen kurzen den gesamten Streichelzoo vernichtete. Das benachbarte Haus der Elefanten und Flusspferde wurde ebenfalls schwer beschädigt. Während die seltenen Dickhäuter in einer dramatischen Rettungsaktion gerade noch evakuiert werden konnten, kam für 26 Streicheltiere jede Hilfe zu spät.

Da die Ursache des verheerenden Feuers bislang noch nicht geklärt werden konnte, ermittelt die Polizei in alle Richtungen. Es kann nämlich auch Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden. Der Brand wurde jedenfalls angefacht durch die starken Böen des Orkantiefs „Carmen“, die bis nach Nordbaden zu spüren waren.

Karlsruher Streichelzoo: Tierarten von allen Kontinenten

Das Feuer hat im gesamten Karlsruher Umland Trauer und Entsetzen ausgelöst, da Streicheltiere wie auch Elefanten und Flusspferde traditionelle Publikums-Lieblinge sind – gerade bei Kindern und Familien, der Hauptkundschaft eines jeden Zoos. Die Todesopfer kamen von allen Kontinenten außer den Polargebieten: Walachei-Schafe aus Rumänien, Alpakas aus den Anden Südamerikas und afrikanische Zwergziegen kamen ebenso in den Flammen um wie Shetland-Ponys oder asiatische Zwergesel.

Dass beim Eintreffen der Feuerwehr bereits „Totenstille“ in den verschlossenen Holzstallungen herrschte, weil all diese Tiere aufgrund der Hitze und des dichten Rauchs schnell erstickt waren, ist nur ein geringer Trost. - Der Streichelzoo soll vorerst nicht wieder aufgebaut werden, verkündete die Leitung des Zoos.

Dramatische Rettung der Elefanten und Flusspferde

Während über hundert Feuerwehrleute den Brand bekämpften, hatten Tierpfleger alle Mühe, die zwei Flusspferde und vier Elefanten aus ihrem brennenden Domizil zu befreien. Die Flusspferde waren in der Hitze einfach auf Tauchstation gegangen – man musste erst das Wasser ablassen, um sie herauszulocken, sonst wären sie trotz aller Abkühlung sie im Rauch erstickt.

Noch schlimmer stand es um die Elefanten: Nach Angaben der Feuerwehr hatten die Rüsseltiere in ihrem brennenden Elefantenhaus „schon fast selbst in Flammen gestanden“ - sie trugen zumindest leichte Brandwunden und Abschürfungen davon. Trotz der Brandschäden ist das Elefantenhaus aber nicht in seiner Statik bedroht und dient bis auf weiteres als Notquartier.

Der Zoologische Garten Karlsruhe: eine Wechselhafte Geschichte

Der Karlsruher Zoo befindet sich im Stadtgarten der früheren Residenzstadt, südlich der Innenstadt und vis-a-vis zum Hauptbahnhof. 1865 angelegt, gehört er zu den ältesten heute noch betriebenen Zoos in Deutschland. Auf Initiative eines privaten „Tiergartenvereins“ unter gnädiger Förderung des Fürsten Friedrich I von Baden (der übrigens 1871 Geschichte schrieb, als er in Versailles den König von Preußen zum „Kaiser Wilhelm“ ausrief) gegründet, hat er wie fast alle zoologischen Gärten schon mehrere Krisen durchgestanden.

So wäre schon die Verwirklichung der Tiergarten-Idee um ein Haar schon kurz nach Baubeginn gescheitert, weil einfach nicht genug Anteilsscheine zur Finanzierung verkauft worden waren. Auch die revolutionäre Idee von Hagenbeck, Tiere nicht länger in Käfigen auszustellen, stürzte Karlsruhe in eine Krise – für Panorama-Gehege, wie sie jetzt überall Mode wurden, war um 1910 bereits kein Platz mehr, da der Zoo just in dieser Zeit von der Bahnhofsvorstadt eingeholt wurde (der Bahnhof wurde 1914 fertiggestellt). Bis heute ist Karlsruhe einer der flächenmäßig kleinsten Großstadt-Zoos in Deutschland.

Im Rahmen der Bundesgartenschau von 1967 wurde ein Teil des alten Zoos in den neuen Tierpark Oberwald, auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs, umquartiert, um Platz für Gartenanlagen im Stadtgarten zu schaffen. An alter Stelle verblieben die Flamingo-Anlage, das Eisbärengehege, das Affenhaus, das Pinguin- und Robbenbecken, die Afrikanische Savanne, das Elefantenhaus und der Streichelzoo.

Vom Pech verfolgt: Tier-Verluste des Karlsruher Zoos

Bis zum Großfeuer von 2010 hatte auch der der Karlsruher Zoo immer wieder traurige und auch tragische Verluste an Tierleben zu beklagen. Die meisten dieser Tiere starben aber gar nicht in ihren heimatlichen Gehegen, sondern hunderte Kilometer entfernt.

Den Löwenanteil dieser Verluste bescherte der zweite Weltkrieg: Die Anlagen wurden im alliierten Bombenhagel schwer beschädigt und, was von den Tieren noch lebte, in andere Zoos abgegeben - wo viele von ihnen dann doch umkamen, denn der Krieg war bekanntlich total und überall.

Während das Eisbärengehege im Jahr 2000 großzügig ausgebaut wurde, war die Stammbesatzung im Zoo von Nürnberg untergekommen. Dort wurden sie eines Nachts im Rahmen einer regelrechten Sabotage-Aktion freigelassen und mussten erschossen werden. Aus anderen, weit entfernten Zoos mussten neue Eisbären übergesiedelt werden, damit das neue Heim nicht leer stand.

Auch einen Fall von Brandstiftung hat es bereits gegeben: 1984 wurde das Zoorestaurant verwüstet, es entstand ein Sachschaden von einer Million D-Mark (500.000 Euro). - Die wahre Ursache des Streichelzoo-Feuers liegt allerdings noch im Dunkeln.

Internet: Südwestfunk

Foto: © Rolf van Melis / pixelio.de

Dirk Buschmann, Dirk Buschmann

Dirk Buschmann - Dirk Buschmann (geb. 1977) aus LÜNEN bei Dortmund, ist studierter Historiker (NF: Geographie und Politikwissenschaft) und sozusagen ...

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