Großschönau im Zittauer Gebirge

Umgebinde-Häuser in Großschönau - François Maher Presley
Umgebinde-Häuser in Großschönau - François Maher Presley
Die Umgebindehäuser von Großschönau sind die am besten erhaltenen ihrer Art. Schön in die Landschaft eingebettet, ist der Ort ein vielseitiges Ausflugsziel

Die ganz großen Zeiten der Gemeinden Großschönau und Waltersdorf, die seit 2003 eine Gemeinde bilden (etwa 24 qm² Fläche und 6.100 Einwohner), sind schon seit vielen Jahrzehnten vorbei. Dennoch lohnt sich der Besuch im Zittauer Gebirge. Hier findet man noch ein mehr oder minder vollständig mit Umgebindehäusern erhaltenes Städtchen, deren Sanierung und Restaurierung diese einmalige Architektur in seiner gesamten Vielfalt und zudem einmalig weltweit, darstellt. Großschönau erscheint einem Puppen-Dorf gleich, liebevoll, in schöner Landschaft eingebettet, die man mit wenig Aufwand und täglichen Ausflügen erkunden kann.

Die Geschichte von Großschönau

Großschönau wurde zwar erst Mitte des 14. Jahrhunderts urkundlich erwähnt, allerdings schon im 12. Jahrhundert von fränkischen Siedlern als Waldhufendorf gegründet. Bei dieser Siedlungsform handelt es sich um ein Reihendorf, indem zumeist doppelzeilig der Landbesitz jeweils als breiter Streifen an die Hoflage anschließt. Oft bildet die Mittelachse einer solchen Siedlung ein Wasserlauf, hier die Mandau und Lausur. An dessen Ufern befand sich zumeist gemeindeeigenes Weideland. So auch hier. Die Begründung des Ortsteils Waltersdorf liegt noch viel weiter zurück. Um 1200 vor Christi lebten am Nordhand des Buhberges Bronzegießer. Dennoch wurde das Dorf erst um 1300 nach Christi als solches von Bauern und Köhler aus Thüringen und Franken gegründet. Urkundlich erwähnt wurde das heutige Waltersdorf auch erst Mitte des 14. Jahrhunderts, dann 1419 von der Stadt Zittau gekauft. Der Reichtum der Stadt Zittau (Beiname „Die Reiche“) trug die Lage zwischen Böhmen und der damals gerade brandenburgischen Oberlausitz bei. Tuchherstellung, Tuchhandel und eine Brauerei bildeten die wirtschaftliche Basis des Wohlstandes Zittaus.

Der Aufschwung kommt

Großschönau unterstand Zittau erst seit 1587. Der dortige Stadtrat entsandte zwei Leineweber des Ortes nach Holland, um sich dort in der Damastweberei aus- und fortbilden zu lassen. Die Brüder Friedrich und Christoph Lange und ihr Können begründeten damit die einige Jahrzehnte später über die Landesgrenzen hinaus bekannte Leinendamast, was die europäischen Herrschafts- und Adelshäuser als Kunden nach Großschönau zog. 1834 jedoch löste die Jaquardtechnik die aufwendige Damastweberei ab. Carl Heinrich Schiffner stellte 1856 den ersten Frottierwebstuhl Deutschlands in Großschönau auf und wieder folgte ein Aufstieg des Ortes zu einem führenden in der Textilindustrie Deutschlands. Daneben gehörten jedoch die Zigarren-Herstellung und die Goldschlägerei zu den typischen und wichtigen Einnahmequellen von Großschönau.

Es liegt nahe, dass auch in Waltersdorf die Leineweberei eine Hauptrolle als Erwerbszweig innehatte. Immerhin arbeiteten Mitte des 18. Jahrhunderts 500 Handweber und es standen 300 Webstühle im Ort. Seit 1500 und bis 1913 wurde parallel dazu Sandstein abgebaut. Mit dem Material wurden hauswirtschaftliche Gegenstände, Türstöcke, Gartenbänke oder Grabsteine gefertigt.

Der Tourismus ist in Großschönau nicht neu. Bereits 1881 kamen die ersten Gäste, denen folgten die ersten Gästezimmer und weitere Restaurationsbetriebe. Waltersdorf wurde Erholungsort und sogar noch Wintersportgebiet. 1930 wurde die erste Sprungschanze gebaut, Mitte und Ende der 1960er Jahre entstand an der Lausche ein Slalomhang, dann ein Skilift.

Großschönau heute

Heute lebt Großschönau faktisch durch den Tourismus. Die Ortschaft ist sehr ruhig, bietet eher wenig Kurzweil, wenn man sich nicht für Architektur, Landschaft oder die Textil-Geschichte Mitteleuropas interessiert. Neben dem Deutschen Damast- und Frottiermuseum, bietet Großschönau auch ein Motorrad-Veteranen- und Technik-Museum sowie ein Volkskunde- und Mühenmuseum in Waltersdorf.

Dennoch lohnt sich ein Aufenthalt, beeindruckt nicht nur die Anlage des Ortes, sondern eben auch die so zahlreich vorhandenen 200 bis 300 Jahre alten Umgebindehäuser, von denen insgesamt noch circa 19.000 überall in der Oberlausitz und Nordböhmens existieren, von denen jedoch nur Eindrittel saniert und bewohnt sind. Viele davon stehen eben in Großschönau. Bei dieser Bauform handelt es sich um eine Kombination aus Block- und Fachwerkhaus. Im Erdgeschoß wird der Wohn- vom Wirtschaftsbereich durch ein quer durch das Haus verlaufenden Flur getrennt. Das Obergeschoss in Fachwerkbauweise ausgeführt und ruht über der Handweberstube auf Holzsäulen, womit sie unabhängig von den tragenden Elementen des restlichen Gebäudes steht. Den Namen „Umgebinde“ erhielt diese architektonische Kombination aus dem Ende des 18. Jahrhunderts erstmalig entwickeltem Umgebindebogens, um zum einen die Statik zu verbessern und um den Längenverlust von Holz mit dem Faserverlauf auszugleichen.

Die Hochwasser-Katastrophe

Im Jahre 2010 machte Großschönau im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien noch einmal von sich reden. Das Hochwasser der Mandau und seines Zuflusses Lausur (früher auch Lausebach) überschwemmte in kürzester Zeit die wunderschöne Altstadt, aus kleinen Flüsschen oder Bächen wurden reißende Flüsse und mehr oder minder kein Haus wurde von den Fluten Großschönaus verschont. Es war sehr beeindruckend, mit welchem Fleiß und mit welcher Geschwindigkeit die Einwohner alle Schäden und die Schlammmassen beseitigten und Großschönau wieder zu dem musealen Ort machten, den es sich zu besuchen lohnt.

Quellen:

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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