Großstadtrevier: 300 Polizei-Einsätze in Hamburg

Großstadrevier: Das aktuelle Team - © ARD
Großstadrevier: Das aktuelle Team - © ARD
Jan Fedder und die Polizisten aus dem "Großstadtrevier" sorgen für Recht und Ordnung in Hamburg - zumindest im Fernsehen.

Mit einer Sonderfolge feiert die ARD am 10. Januar 2011 die 300. Folge der Serie "Großstadtrevier". Grund für einen Rückblick auf die Anfänge.

Jürgen Roland war der Erfinder der Serie "Großstadtrevier"

Es begann mit einem Paukenschlag: "Mensch, der Bulle ist ’ne Frau" hieß die erste Folge des "Großstadtrevier", die im Dezember 1986 in der ARD ausgestrahlt wurde. Eine Frau auf Streifendienst war damals neu. Der Bulle hieß Mareike Carrière, die der Serie acht Jahre lang treu bleiben sollte.

Der Erfinder der Serie war der 2007 verstorbene Regisseur Jürgen Roland, der mit "Stahlnetz" und "Dem Täter auf der Spur" zuvor bereits deutsche Fernsehgeschichte geschrieben hatte. Nun schlug er mit dem "Großstadtrevier" ein neues TV-Kapitel auf.

Weiterentwicklung des TV-Klassikers "Stahlnetz"

Die Idee hatte er schon 1983. "Das war eine logische Weiterentwicklung des Stahlnetz", sagte er zu seiner Erfindung. "Mich haben immer Filme interessiert, die an der Realität angelehnt sind. Und ich wollte etwas über die Schutzpolizei machen, weil die völlig verkannt war in ihrer Aufgabenstellung."

Die Anlehnung an die Realität führte dazu, dass in der ersten Folge eine Polizistin im Mittelpunkt stand. Was heutzutage selbstverständlich ist, war damals eine Sensation. Roland: "Hamburg galt zu der Zeit als Vorreiter."

Trotz des spektakulären Einstands hielt sich der Erfolg zunächst in Grenzen. "Es war kein Straßenfeger, aber eine Basis, auf der man aufbauen konnte", sagte Roland über die Anfangszeit. Lediglich fünf Folgen waren zu Beginn geplant.

Großer Serien-Erfolg trotz Konkurrenz von "Notruf Hafenkante"

Dass daraus ein Dauerbrenner mit mehr als 300 Folgen werden würde, erwartete niemand. Am besten lief es Mitte der 90er Jahre als regelmäßig acht Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen saßen. So gut läuft es zwar heute nicht mehr, zu groß ist die Konkurrenz – so produziert Studio Hamburg fürs ZDF seit 2006 die ähnlich angelegte Serie "Notruf Hafenkante". Trotzdem ist das "Großstadtrevier" im schwierigen Vorabendsprogramm der ARD noch ein zuverlässiger Zuschauergarant. Zudem laufen zahlreiche Wiederholungen äußerst erfolgreich in den 3. Programmen.

Die grundsätzliche Philosophie der Serie ist bis heute gleich geblieben. Jürgen Roland formulierte sie so: "Wir zeigen Geschichten aus dem Leben. Dabei verzichten wir auf übertriebene Gewalt- und Sexdarstellungen. In vielen anderen Krimis hat man den Eindruck, das Leben besteht nur aus Schießereien und Liebe machen."

Die Polizei als Freund und Helfer – das kommt vor allem bei Polizisten gut an. Doch es ging Roland nie darum, Werbefilme für die Polizei zu drehen: "Helfer reicht, ein Freund muss die Polizei nicht sein." So überraschte er zum Start mit Arthur Brauss als Hauptmeister Richard Block. Brauss wurde bis dahin meist als Fiesling eingesetzt. Nach fünf Jahren verließ er die Serie im Streit. Die geplante Versetzung Blocks in den Innendienst empfand er als Degradierung. So wurde Block kurzerhand in die neuen Bundesländer abgeschoben.

Publikumsliebling Jan Fedder kam 1992 zum "Großstadtrevier"

Ein trauriger Tiefpunkt in der "Großstadtrevier"-Geschichte war der tragische Tod des Frauenlieblings Kay Sabban. Der 40-Jährige starb 1992 an einer Lungenembolie. Absoluter Publikumsliebling wurde danach Jan Fedder. Das Hamburger Original brachte 1992 als Dirk Matthies den Typ des kritischen Polizisten in die Serie ein, der das Herz am rechten Fleck hat und sich auch gern mal mit Vorgesetzten anlegt und sich über unsinnige Vorschriften hinwegsetzt.

Auch Fedder war wie zuvor Brauss gegen den Strich besetzt. Vorher tauchte er bereits dreimal als böser Bube in der Serie auf. Heute wird er mit seiner Polizistenrolle identifiziert, was er selbst höchst amüsant findet: "Damals habe die den Bock zum Gärtner gemacht", sagt Fedder mit Blick auf seine wilde Jugend auf St. Pauli. Damals hätte er nicht im Traum daran gedacht, dass er sich mal zum Vorzeigepolizisten wandelt.

Dass er vor einigen Jahren zu Norddeutschlands beliebtesten Schauspieler aller Zeiten gewählt wurde, verdankt er zu "90 Prozent der Serie", wie er selbst sagt. Aber ein "Großstadtrevier" ohne Jan Fedder ist inzwischen auch nicht mehr denkbar.

Übrigens: Die 300. Folge spielt übrigens im Wilden Westen und wurde in Bad Segeberg gedreht. Mit Folge 301 geht es dann aber am 17. Januar 2011 wieder normal in Hamburg weiter.