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Die Grube Fortuna

Das Besucherbergwerk in Mittelhessen

Spannend bei jedem Wetter: ein Ausflug ins Innere der Erde. Noch bis in die 1980er Jahre wurde Eisenerz abgebaut, heute kann jeder die geheinmisvollen Stollen besuchen

Schummriges Licht, niedrige Decken aus rohem Fels, kühle 13 Grad, feuchte Luft – es ist schon ein bisschen unheimlich tief unter der Erde. Und doch - oder gerade deshalb - ist ein Besuch in der Grube Fortuna nahe Wetzlar und Giessen in Mittelhessen ein ganz besonderes Erlebnis.

Sicherheit ist Pflicht

Die Gruppe trifft sich eine halbe Stunde vor Führungsbeginn. Draußen angenehme 20 Grad, die Sonne schafft es manchmal durch die Wolken, die 15 Frauen und Männer auf ihrem Firmenausflug sind gut gelaunt. Es wird viel gelacht. Dann die Durchsage: „Gruppe drei bitte zur Einfahrt!“ Alle machen sich auf den Weg, zunächst in einen Raum mit einem riesigen Wandregal, das voll ist mit gelben Bauarbeiterhelmen. Jeder muss einen aufsetzen, das ist Pflicht. Wer will, kann sich auch noch einen roten oder grünen Kittel nehmen gegen die Kälte. Einige wollen, die meisten haben aber Jacken dabei.

Bis 1983 in Betrieb

Bergführer Frank Sielaff begrüßt die Gruppe. Direkt vor dem Eingang ins Bergwerk – einem großen, halbrunden Tor direkt in den Berg geschlagen – erklärt er einige Worte zur Geschichte der Grube Fortuna: Nachweislich seit 1849 wurde hier gearbeitet, wurde Eisenerz gewonnen, das Grundlage für die Stahlherstellung war. Die letzte Fuhre Steine verließ das Bergwerk 1983 – es ist also noch gar nicht so lange her, dass hier tatsächlich noch gearbeitet wurde.

Dann geht es hinein in den Berg, hinein in eine kühle Welt ohne Sonnenschein. Auch heute ist es drinnen zwar nicht hell, aber immerhin ausreichend beleuchtet. „Früher hatten die Bergleute aber nur ihre eigenen Lampen dabei. Wenn die ausgingen, war es stockduster“, erklärt Sielaff seinen Gästen, die schon jetzt beeindruckt und deutlich ruhiger geworden sind. Alle gehen erst mal durch einen 160 Meter langen, gemauerten Tunnel – „fahren ins Bergwerk ein“, wie das früher hieß. Dann erreichen sie den Förderkorb: ein uralt wirkender Aufzug, zu allen Seiten durch dickes Drahtgeflecht geschlossen. Bei der Fahrt hinunter in den Stollen kann man dadurch sogar die einzelnen Solen sehen – sprich: die „Etagen“ des Bergbaus. Im Laufe der Zeit gingen die Bergleute immer tiefer – war auf einer „Etage“ das Eisenerz abgebaut, wurde eine „Etage“ tiefer gegraben. So sind im Laufe der Zeit etwa 30 Kilometer lange Gänge entstanden, verteilt auf die verschiedenen Ebenen.

Echt alt: die Grubenbahn

Nach 150 Metern Fahrt in die Tiefe hält der Förderkorb an. Die Besucher steigen aus – genauer gesagt: steigen um auf die Grubenbahn. Hier ist die Decke ziemlich niedrig – die Bergmänner früher waren eher klein, erklärt der Bergführer. Die Grubenbahn ist ein einfaches Gefährt auf Schienen: eine Art langer Balken mit Griffen, auf den sich jetzt alle hintereinander setzen. 500 Meter geht es durch enge Gänge, das Licht ist rar, oben, rechts und links Fels - eine spannende Atmosphäre. Angekommen dort, wo früher gearbeitet wurde, ist die Decke wieder höher, manche Besucher atmen innerlich auf. Und dann beginnt die eigentliche Führung in den ehemaligen Abbauräumen.

Grundkurs Bergbau

Frank Sielaff zeigt, was „Alte Männer“ sind (nämlich stillgelegte Stollen-Abschnitte), erklärt, wie der Berg hoch über der Besuchergruppe mit meterlangen Riesendübeln abgestützt und verschraubt wurde, damit der Stollen nicht zusammenbricht. Er erzählt, dass Bergleute früher tatsächlich ihre heißen Lampen auch zum Kochen benutzen konnten und spricht über „schlechte Wetter“, „gute Wetter“ und „böse Wetter“ im Schacht, was „Luft“ in ihren verschiedenen Qualitäts- und damit Gefahrenstufen bedeutet. Immer weiter bewegt sich die Gruppe hinein in den Schacht, lässt Abzweigungen rechts oder links liegen – und gelangt schließlich in einen Bereich, der für die Verhältnisse hier unten groß wie eine Halle wirkt.

Riesenbohrer und historische Maschinen

Und hier stehen sie, die Original-Maschinen aus verschiedenen Jahrhunderten und Jahrzehnten – und alle funktionieren noch, wie Bergführer Sielaff ein bisschen stolz vorführt. Da gibt es Bohrer, mit denen in Handarbeit Löcher in den Fels getrieben wurden – für Sprengladungen. „Das war für die Bergarbeiter ziemlich gefährlich, was man allerdings erst mit der Zeit herausfand“, erzählt Sielaff. „Durch die Bohrungen entstanden nämlich große Mengen Staub – und viele Arbeiter erkrankten an der so genannten Staublunge.“ Später wurde das besser: Während des Bohrens wurde Wasser eingesetzt, das den Staub band. Aber der ohrenbetäubende Lärm blieb – die Maschinen unter Tage waren nun einmal laut, hallten in den Gängen wider. Und das wird den Besuchern auch heute noch vorgeführt. Allerdings mit Vorwarnung: „Bitte die Ohren zuhalten“, empfiehlt Frank Sielaff und führt den Über-Kopf-Lader vor, mit dem früher die Bruchsteine verladen wurden.

Beeindruckendes Erlebnis

Nach etwa 45 Minuten ist die Führung zu Ende, es geht wieder Richtung Grubenbahn, dann hoch mit dem Förderkorb – und schließlich hat die Sonne die Besucher wieder. „Das war beeindruckend, auch ein bisschen unheimlich“, geben anschließend gestandene Männer zu. „Und eines ist sicher: Dort unten zu arbeiten, das war schon ein Knochenjob.“

Geöffnet ist die Grube Fortuna von Mitte März bis Mitte November. Täglich außer montags werden Führungen angeboten. Der Eintrittspreis: 9,00 Euro für Erwachsene, 5,00 Euro für Kinder. Das Mindestalter beträgt 6 Jahre. Für Familien gibt es Sonderpreise, größere Gruppen sollten sich vorher anmelden. Alle weiteren Infos sind zu finden auf der Internet-Seite der Grube Fortuna.

Miriam Elmers , Miriam Elmers

Miriam Elmers - ...geboren 1971 im ostwestfälischen Bad Driburg. Schon als Kind war mir eigentlich klar, was ich im Leben am liebsten will: ...

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