
- veganer Salat - Katharina Ruppert
In den letzten Jahrzehnten etablierte sich der Vegetarismus von einer Randgruppenerscheinung zu einem Trend für Spirituelle, Ökologen, Ethiker, und Gesundheitsbewusste. Mittlerweile erhält man in jedem Restaurant vegetarische Speisen und Menüs, und wird nicht mehr schief angesehen oder belächelt wenn man sich beim Familientreffen als Vegetarier "outet".
Der Veganismus - also die Ernährung ohne jegliche tierische Produkte - hinkt diesbezüglich noch stark hinterher. Von der öffentlichen Meinung man könne sich nur durch pflanzliche Produkte nicht ausgewogen ernähren über die Stigmatisierung als Randgruppe bis hin zur Diskriminierung auf Speisekarten von Restaurants haben Veganer mit vielen Problemen zu kämpfen. Hier muss noch einiges an Pionierarbeit geleistet werden.
Der Hauptgrund für Veganismus: Tierliebe und Respekt vor Tieren
Die meisten Veganer betrachten Tiere nicht als Ware, nicht als Produkt, sondern als gleichgestellte Geschöpfe mit Recht auf Leben, Liebe und Gewaltlosigkeit. Die Nomenklatur geht so weit, dass nicht zwischen "Tieren" und "Menschen" unterschieden wird, sondern zwischen "menschlichen und nichtmenschlichen Tieren". Dies mutet im ersten Moment etwas seltsam an, hat aber durchaus seine Berechtigung. Wer sich zu diesem Thema ein wenig Gedanken macht und Nachforschungen anstellt, wird bald Artikel über die Intelligenz von Tieren und über die genetische Ähnlichkeit zwischen Menschen und Mäusen finden. Auch Videos über Orang Utans, die Bretter sägen und in Booten über Flüsse rudern, versetzen in Erstaunen.
Aufgrund der üblicherweise sehr schlechten Haltungsbedingungen von Milchkühen und Legehennen sehen Veganer im Ovo-lacto-Vegetarismus (Verzehr von Eiern und Milch, aber nicht von Fleisch) keine tierfreundliche Ernährungsform. Die Tiere werden meist auf viel zu engem Raum gehalten, können keinen adäquaten Kontakt zu Artgenossen pflegen, sehen täglich Leuchtstoffröhren und Metall statt Sonne und Gras, haben keine Möglichkeit Lebensfreude zu empfinden, und werden nach diesem trostlosen Leben geschlachtet sobald sie nicht mehr effektiv sind.
Die männlichen Küken der Legehennen-Rassen werden direkt nach dem Schlüpfen aussortiert (man nennt diesen Vorgang "Sexen") und qualvoll vergast. Sie können aufgrund ihres Geschlechts keine Eier legen, und sind aufgrund ihrer Rasse nicht zur Mast geeignet. Daher werden sie wie Abfall behandelt. Auf die überlebenden Weibchen wartet ein kurzes unangenehmes Leben als Produktionsmaschine für Eier.
Da ein Großteil der erwachsenen Weltbevölkerung aufgrund von Lactoseintoleranz keine Milch verdauen kann, da es Veganern unsinnig erscheint die Muttermilch einer anderen Tierart zu trinken, und da Milchkühe und ihre Kälber überwiegend ein trostloses und brutales Leben führen müssen, steht Kuhmilch nicht auf dem veganen Speiseplan.
Andere Gründe für Veganismus: Gesundheit, Ökologie, Preis, und Geschmack
Ein weiterer wesentlicher Grund ist der gesundheitliche Aspekt. Während man früher davon ausging, dass durch pflanzliche Ernährung der Bedarf an einigen Vitaminen und Mineralstoffen, sowie an hochwertigem Eiweiß nicht gedeckt werden könne, weiß man mittlerweile, dass bei sorgsamer Nahrungsmittelauswahl die vegane Ernährung bedeutend gesünder ist als die omnivore. Vor allem Leguminosen spielen hierbei eine sehr große Rolle. Niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, Übergewicht, und Probleme mit dem Verdauungstrakt sind als wesentliche Vorteile gegenüber der omnivoren oder vegetarischen Ernährung zu nennen.
Der dritte wichtige Grund ist die Ökologie. Um tierische Nahrungsmittel herzustellen, werden sehr viele pflanzliche benötigt. Somit beträgt die Ackerfläche für die Ernährung eines Omivoren etwa das Zehnfache von der eines Veganers. Der ökologische Fußabdruck eines Menschen kann durch pflanzliche Ernährung deutlich verringert werden.
Der finanzielle Aspekt spielt für Veganer meist eine untergeordnete Rolle. Zwar sind pflanzliche Lebensmittel grundsätzlich billiger als tierische, jedoch gibt es mittlerweile auch sehr viele teure Spezialprodukte für vegane Ernährung. Vor allem vegane Fleischersatzprodukte sind bei regelmäßigem Konsum im Haushaltsbudget spürbar.
Nur sehr wenige Veganer wählen diese Ernährungsform aus geschmacklichen Gründen. Jedoch wird häufig beobachtet, dass nach längerem Zeitraum veganer Ernährung Ekel beim Geruch und Verzehr von tierischen Produkten auftritt. Übrigens ist vegane Ernährung keineswegs mit Askese gleichzusetzen: etliche Kalorienbomben und kulinarische Hochgenüsse (Kartoffelchips, Zucker, Öl, Kokosmilch, Spaghetti aglio olio, Zartbitterschokolade, et cetera) sind rein vegan!
Die Zukunft des Veganismus
Da sich immer mehr Spitzensportler sowie Schauspieler und Musiker zu veganer Ernährung bekennen und ihnen viele Fans folgen, kann man von einem Trend sprechen. Das Internet als Medium zur Verbreitung von Ideen, Konzepten, und Idealismus trägt seinen Teil dazu bei. Auch die rasante Verbreitung von erschütterndem Bildmaterial aus Schlachthöfen, Legefarmen, und Großbauernhöfen über neue Medien bewegt immer mehr Menschen dazu, sich über den Verzehr von tierischen Produkten Gedanken zu machen. Ganz abgesehen davon wird bei gleichbleibender Entwicklung der Weltbevölkerung omnivore Ernährung dauerhaft nicht machbar sein.
Lebensmittelproduzenten haben diesen Trend bereits erkannt, und bieten immer mehr vegane Produkte an. Von Sojajoghurt über vegane Aufstriche, Sojakäse bis hin zu Fleischersatz gibt es mittlerweile alles, was das Veganer-Herz begehrt. Lediglich die Speisekarten von Restaurants haben noch Aufholbedarf. Und beim Grillfest mit der Familie darf man nicht erwarten, auf großes Verständnis für die selbst mitgebrachten Sojawürstchen zu stoßen.
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