Grundschul-Kindern bei Mathe-Hausaufgaben helfen – ohne Frust

Einfach rechnen lernen mit Rosinen - Eva Ebenhöh
Einfach rechnen lernen mit Rosinen - Eva Ebenhöh
Rechen-Schwierigkeiten von Kindern liegen oft an kleinen Verständnislücken. Diese zu finden und zu schließen, ist einfach und wirkt besser als Druck.

"Wieso kann mein Kind die einfachsten Aufgaben nicht?", fragen sich verzweifelte Eltern. Die Antwort ist schlicht: Weil es keine einfachen Aufgaben gibt. Mathematik ist nicht intuitiv und selbst 1+1=2 kann zur Herausforderung werden, wenn die Bedeutung der Symbole unbekannt ist oder das Übertragen der Aufgabe auf eine reale, greifbare Situation nicht verständlich ist.

Jedes Zeichen ist eine Vokabel und will gelernt sein

Ein Kind kann vor dem schriftlichen 1+1=? kapitulieren. Aber wenn man es fragt, wie viel eine Rosine und noch eine Rosine zusammen sind, dann kann es in der Regel die Antwort sagen. Was fehlt dann? Wie gesagt, ist in der Mathematik nichts intuitiv, aber alles bedeutsam. Die "1" hat eine Bedeutung. Das "+" hat eine Bedeutung. Das "=" sowieso. Jedes Symbol ist eine Vokabel, deren Bedeutung das Kind wissen muss, bevor es die Aufgabe lösen kann. Und wie bei japanischen Kanji auch, vergessen wir manchmal Vokabeln und müssen uns ihre Bedeutung neu erschließen.

Rechnen spielerisch erfahrbar machen

Für den Umgang mit Grundschulkindern, die an ihren "einfachen" Mathe-Hausaufgaben knabbern, heißt das zum einen, die Rechnungen erfahrbar zu machen (mit Rosinen oder mathematischem Spielmaterial). Andererseits gilt es, genau die kleine Vokabel zu finden, deren Bedeutung gerade nicht präsent ist. Und das funktioniert mit der "Methode V".

1. Schritt: Aufgaben schrittweise vereinfachen – bis zum Erfolg

Nehmen wir an, die Aufgabe des Anstoßes ist 40 * 12 = ? Wenn das Kind diese Aufgabe nicht lösen kann, ist es wenig hilfreich, sie zu wiederholen, und nur selten hilfreich, sie umzuformulieren. Eine kindgerechte Herangehensweise ist es, die Aufgabe sukzessive zu vereinfachen, bis das Kind sie plötzlich versteht. Hurra. Es feiert den Erfolg. Eine schrittweise Vereinfachung kann so aussehen:

  • 4 * 12 = ? Kann das Kind etwas damit anfangen? Ja? Dann war das Problem die Größe der Zahlen. Nein? Dann geht es weiter:
  • 4 * 2 = ? Kann das Kind diese Aufgabe, dann war es eventuell der Zehnerübertrag. Ansonsten weiter:
  • 4 + 2 = ? Funkt es jetzt, dann war die unbekannte Größe das Mal-Zeichen. Ansonsten weiter:
  • Wieviel sind denn 4 Rosinen und 2 Rosinen zusammen? Fällt ihm das leicht, war es die Übertragung auf die schriftliche Form der Aufgabe. Aber auch das kann es noch nicht?
  • Dann schieben wir auf dem Tisch Rosinen hin und her.

Es wird einen Punkt geben, an dem das Kind versteht, was da gerechnet wird.

2. Schritt: Aufgaben schrittweise verkomplizieren – Vokabeln lernen

Und dann geht man die Schritte rückwärts und erklärt jeden einzelnen Schritt, bis das Kind die realweltliche Bedeutung der mathematischen Zeichen durchdringt. Was heißt es, wenn ein + zwischen zwei Zahlen geschrieben wird? Dann zählen wir die Rosinen zusammen. Und wenn das Zeichen dazwischen ein * ist, was ist dann an der Rosinenrechnung anders?

Tipp: Wenn die Verständnislücke groß ist, kann es sein, dass man die Hausaufgaben zeitlich nicht schafft. Aber eine gut verstandene Aufgabe ist mehr wert als viele nicht verstandene. Sprechen Sie mit dem Lehrer. Oft dauert es nicht lange, bis das Kind wieder den aktuellen Schulstoff mitmachen kann.

Auch unsichtbare Zeichen haben Bedeutungen

Eine weitere häufige Schwierigkeit ist der Unterschied zwischen 24 und 42. Auch hier gilt: Das ist nicht intuitiv, sondern lediglich eine bedeutungsvolle Konvention, die ein Kind erlernen muss. Die 4 an der letzten Stelle sind 4 Rosinen. Die 4 an der vorletzten Stelle sind 40 Rosinen. Das ist kein Naturgesetz, sondern so haben wir uns die Zahlen gemacht.

Natürlich hilft es, wenn Mama oder Papa ein Mathestudium absolviert hat oder das Hexadezimalsystem aus dem Webdesign kennt oder das Vigesimalsystem der Maya, um zu erkennen, dass Kindern mit dem, was uns als selbstverständlich erscheint, ein Problem haben können. Aber auch ohne dieses Fachwissen kann man sich von dem leiten lassen, was das Kind versteht und an genau dem Punkt nachhaken, wo sich beim schrittweisen Aufbauen der Aufgaben die Verständnislücke offenbart.

Lernen macht Spaß denn ohne Spaß findet kein Lernen statt

Wichtig sind die positiven Erlebnisse. Aufgaben zu rechnen, die man versteht, macht Spaß. Aber aus unverständlichem Kauderwelsch richtige Ergebnisse zu erraten, um genervte Eltern zu beruhigen, das macht keinen Spaß. Daher ist die Methode des Vereinfachens und dann wieder Verkomplizierens so wertvoll. Das Kind hat Erfolgserlebnisse.

Traurige Tatsache ist, dass die Kinder unsere eigenen Launen und Abneigungen übernehmen. Dann kann es hilfreich sein, externe Nachhilfe zu suchen. Wenn wir als Eltern selbst keine Lust zum Rechnen haben, woher soll das Kind die Lust dann nehmen? Das gilt im Übrigen nicht nur für Mathe-Hausaufgaben, sondern leider auch für das Zimmer-Aufräumen.

Eva Ebenhöh, Eva Ebenhöh

Eva Ebenhöh - Aufgewacht bin ich während meines Studiums der Angewandten Systemwissenschaft an der Universität Osnabrück. Seit 2008 lebe ...

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