
- Gudrun von Brockhusen - François Maher Presley
Ihre malerischen Arbeiten hatten trotz ihres hohen Alters immer eine gewisse Modernität und Jugendlichkeit. Losgelöst vom Gegenständlichen verwirklichte Gudrun von Brockhusen in ihren Werken ihre Gedanken, Träume und Eindrücke eines sehr vollen, intensiven und erlebnisreichen Lebens. Gudrun von Brockhusen war der Ansicht, dass mit dem Alter eben genau auch jene Gelassenheit kommt, um der erlernten Fähigkeit zum Zeichnen, zur Genauigkeit der Darstellung des Gegenübers soviel Freiheit zu geben, dass das Dargestellte nicht festliegt, sondern jedem Betrachter seine Möglichkeit gibt, sich der Arbeit, dem Werk auf seine Art zu nähern, seinen Weg zum Bild zu finden, um auch sich selbst in die Arbeit einzubringen. Das war immer ein sehr pädagogischer Ansatz, der der Vita der Künstlerin entsprach.
Heirat in die Familie der von Hindenburgs
1917 in Kiel geboren, wurde Gudrun von Brockhusen im Anschluss an die schulische Laufbahn in Berlin zur Modedesignerin ausgebildet. Von 1942 bis 1954 war sie mit Hans Hartmut Hindenburg von Brockhusen verheiratet, einem Enkel des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg. Aus dieser Ehe stammt die einzige Tochter. 1945 floh Gudrun von Brockhusen mit Mutter, Großmutter und Nichte, die zum Weihnachtsfest angereist waren, im Zug von Schwarzin/Hinterpommern, wo sich die Güter der Familie befanden, nach Schwäbisch Hall/ Ludwigsburg. Der Ehemann befand sich noch in Russland.
Lehrerin, Professorin und Begleiterin von Prof. Michael Goldstein
Nach der Scheidung und von 1955 bis 1960 studierte die sehr selbstständige und starke Gudrun von Brockhusen Pädagogik und Sozialwissenschaften in Hamburg und nahm 1960 bis 1979 ihre Lehrtätigkeit in einer Berufsschule und später in der Universität im Bereich Gestaltung in Hamburg auf. In den 70er Jahren begegnete sie Prof. Michael Goldstein, dem berühmten russischen Geiger, der seine Heimat verlassen musste, nachdem er während des zweiten Weltkrieges bei Stalin in Ungnade gefallen war. Michael Goldstein rief während der Kämpfe zum Waffenstillstand auf, um anlässlich des Weihnachtsfestes Bach für die gegnerischen Soldaten zu spielen. Beide verband bis zu seinem Tod eine sehr innige Beziehung. Seit 1988 intensivierte die Malerin ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Malerei und Plastik und einem Studium an der Europäischen Akademie für bildende Künste in Trier.
Alle Freiheiten in vorgegebenen Rahmen
Gudrun von Brockhusen ist immer eine sehr gradlinige Ehefrau, Mutter, Großmutter oder Freundin gewesen. Auf der einen Seite war es ihr durch ihr pädagogisches Talent möglich, alles zuzulassen, zu betreuen, zu begleiten, sanften Druck auszuüben, auf der anderen Seite jedoch wünschte sie, dass die von ihr gesetzten Ziele im von ihr gesetzten Rahmen auch erreicht und die Wege - sowie die währenddessen womöglich auftretenden Probleme - bewältigt würden, ergebnisorientiert, möglichst mit dem vorgegebenen Ziel, oft problematisch für die Umwelt.
Gudrun von Brockhusen bleibt als eine ungewöhnlich gebildete, großzügige und auch unmissverständlich sich ausdrückende Dame in Erinnerung, die das, was sie mit ihrer Festigkeit nahm, mit den Möglichkeiten ihres darstellenden Talentes zurückgab, eine Großmutter, eine treue Freundin und Künstlerin. Sie starb im 90. Lebensjahr im Januar 2007 in Hamburg.
