
- Jacob und Wilhelm Grimm - (c) Frank Güllmeister, pixelio.de
In seinem neuesten Roman „Grimms Wörter: Eine Liebeserklärung“ hat sich Gevatter Grass den Urgesteinen der deutschen Sprache, den Begründern von Philologie und Germanistik gewidmet, den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm - er hat sie sich nahezu einverleibt.
Das "Deutsche Wörterbuch" - Ein Heiligtum der deutschen Sprache
Dabei greift Grass nicht etwa auf die allseits bekannten „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm zu, sondern er bedient sich an dem deutlich weniger bekannten „Deutschen Wörterbuch“, dem die Grimms Jahre ihres Lebens und ihres Könnens gegeben haben. Das "Deutsche Wörterbuch" ist ein ein weltweit Meilensteine setzendes Werk, Ziel der Brüder Grimm war es „die deutsche Sprache von ihrer Natur her“ zu ergründen, „ein Heiligtum der Sprache“ zu gründen - es ging den beiden um nicht weniger als eine umfassende, tiefschürfende Erfassung aller in deutschen Landen seit dem 16. Jahrhundert gebräuchlichen Wörter, sowie die Ergründung ihrer Herkunft, um damit ein „hehres Denkmal des Volkes“ zu setzen.
Startschuss für das "Deutsche Wörterbuch" - das Jahr 1838
Startschuss für das „DWB“ – so das wissenschaftliche Kürzel - war im Jahre 1838. Dem war ein langjähriges Werben der Verleger Karl Reimer und Salomon Hirzel vorausgegangen. Jakob und Wilhelm gaben dem Wunsch der Verleger jedoch erst nach, als sie wegen staatsgefährdender Gesinnung im Königreich Hannover arbeitslos wurden.
Teamwork - 80 Personen recherchieren für das "Deutsche Wörterbuch"
Schnell war den Grimms klar, dass die Arbeit nicht von zwei Wissenschaftlern allein zu leisten ist. In ganz Deutschland werden über 80 Personen angeworben, die in Büchern nach Informationen über Herkunft und Geschichte deutscher Wörter suchen. Alle zusammen bringen es auf 600.000 Belege für einzelne Worte und haben dabei über 1.270 Bücher durchforstet.
Etwas abgelenkter hingegen die zwei Brüder. Zwar leben sie seit 1841 zusammen in einer Wohnung in Berlin, aber Krankheiten, andere Projekte und Beteiligung an den Unruhen von 1848/49 halten sie noch von der Arbeit am Wörterbuch ab.
Von A wie Aal bis F wie Furcht
Erst im April 1849 nimmt Jacob den Buchstaben A in Angriff, arbeitsteilig fängt Wilhelm mit D an. Am 13. 1854 wird der erste Teil des Wörterbuches herausgegeben, er umfasst 1.824 Spalten, und geht von A bis zum Wort Biermolke. 1860 und 1862 erschienen die Bände zwei und drei. Leider kamen die Brüder nur bis zum Buchstaben F – der Reichtum der Sprache, Gründlichkeit und Forschergeist machten ihnen einen Strich durch die Rechnung - am 20.9.1863 stirbt Jacob Grimm genau bei dem seiner Arbeit an dem Wort Furcht. Sein Bruder Wilhelm war schon vier Jahre zuvor, am 16.12.1859 verstorben, nachdem er den Buchstaben D beendet hatte. Glücklicherweise war das nicht das Ende, das Werk wurde von Generationen von Wissenschaftlern fortgesetzt, sogar Kanzler Bismarck setzte sich seinerzeit dafür ein. Zu einer ersten Vollendung kam es erst im Jahre 1961, damals umfasste das „Wörterbuch der Deutschen Sprache“ 32 Bände und wog im Original fast 84 Kilogramm – 123 Jahre waren seit dem Startschuss vergangen. Und noch heute wird daran gearbeitet, zumindest bis in das Jahr 2012. Aber das ist eine andere Geschichte.
Das "Deutsche Wörterbuch setzt Maßstäbe bis nach Japan
Es bleibt die alte Weisheit zu vermelden: Was lange währt, wird gut. Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki kommentiert:" ... der interessanteste Roman und das allerwichtigste Buch in deutscher Sprache".
Wie überwältigend die Brüder Grimm die Sprachlehre und die Lexikologie geprägt haben, zeigen uns die Japaner. Schon die erste von Japan aus in die Welt geschickte Delegation, die Iwakura-Mission, hatte während ihrers Besuch in Deutschland beim Grimmschen Wörterbuchprojekt halt gemacht. Heute orientiert sich das noch zu entwickelnde Große Deutsch-Japanisch Wörterbuch an den Maßstäben, die das „Wörterbuch der deutschen Sprache“ setzt.
Das "DWB" im Internet und Günther Grass Ansichten zu elektronischen Medien
Den Durchbruch für das Wörterbuch brachte das Internet – das ideale Medium, um durch den Reichtum der Sprache zu surfen. Die Abfragezahlen der Onlineversion übertreffen die der Leser oder gar Besitzer des sperrigen Werkes deutlich. Anders verhält es sich mit den „Grimms“ des Günther Grass, der auf den Wert des bedruckten Papiers setzt, selbstverständlich hochwertig, so dass auch Bibliophile angesprochen werden, und eine Veröffentlichung seiner Werke auf elektronischen Medien strikt ablehnt.
Das "Deutsche Wörterbuch" im Internet
Informationen zur Geschichte des "Deutschen Wörterbuches"
Grimm-Wörterbuch – Neubearbeitung geht online
Bildnachweis: (c) Frank Güllmeister, pixelio.de
