Die Bundesregierung steht intern vor einer Zerreißprobe. Bundeskanzlerin Angela Merkel versucht, die die Regierung tragenden Bundestagsfraktionen auf eine weitere Stützung und Unterstützung Griechenlands einzuschwören, um dort einen Staatsbankrott zu verhindern. Bundeswirtschaftsminister und Vorsitzender der FDP, Philipp Rösler, geht dagegen offen auf Konfrontationskurs. In der Zeitung „Die Welt“ ließ sich der Vizekanzler über eine „geordnete Insolvenz“ Griechenlands aus und untergrub damit die Linie der Kanzlerin.

Der Rettungsschirm EFSF

Eines steht fest: Griechenland droht die Pleite. Am 29. September soll der Deutsche Bundestag über den Eurorettungsschirm EFSF entscheiden. Stimmt er zu, übernimmt Deutschland künftig Garantien in Höhe von 211 Milliarden Euro statt 123 Milliarden Euro – 88 Milliarden Euro mehr als bisher. Viele Parlamentarier halten das allerdings für den falschen Weg aus der Eurokrise. Selbst in den Reihen der Fraktionen von CDU/CSU und FDP gibt es namhafte Gegner der weiteren Ausweitung des Rettungsschirms.

Günther Jauch mit populistischem Titel

Umso unverständlicher ist da der viel zu allgemein geratene, populistische Titel der Sendung „Die schwarz-gelbe Pleite: Kann diese Regierung noch den Euro retten?“. Wieder patzt die Redaktion von „Günther Jauch“ bereits beim Titel! Auch wenn Journalisten zur Zuspitzung neigen, inhaltlich korrekt muss der Titel einer politischen Talkshow trotzdem sein. Ist mit der „schwarz-gelben Pleite“ wirklich die Regierung oder sind die „schwarz-gelben“ Parteien gemeint? Auch wenn die Bundeskanzlerin und ihre Minister Mitglieder von Parteien sind: Durch ihren Eid sind sie in ihrem Amt dem Staat verpflichtet – und nicht ihrer Partei. Ganz in der Tradition eines weit verbreiteten Parteien-Fetisches unter Journalisten – zu Lasten der gründlicheren Beschäftigung mit Inhalten – scheint es auch bei „Günther Jauch“ wieder einmal vor allem um Parteien zu gehen.

Schon der Titel von Jauchs Debüt-Sendung am vergangenen Sonntag war wenig überzeugend. Letzte Woche hieß es: „Zehn Jahre 11. September“. Gemeint war aber nicht der elfte Tag des Septembers, denn den gibt es schon deutlich länger als zehn Jahre, sondern das Attentat, das an diesem Tag im Jahr 2001 die Welt bestürzte.

Die Gäste bei Günther Jauch

Gesprächsstoff gibt es zumindest genug. Die Regierungskoalition kämpft mit schlechten Umfragewerten und fährt keine einheitliche Linie. Kann uns die Bundesregierung aus der Eurokrise führen? Wie sollen wir mit Griechenland verfahren –Pleite oder nicht? Diesen Fragen stellen sich die Gäste.

Philipp Rösler ist Vizekanzler, Bundeswirtschaftsminister und FDP-Vorsitzender. Seine Partei befindet sich seit Monaten im Umfragetief. Soll seine Meinung über eine „Geordnete Insolvenz“ seiner Partei aus der Krise helfen?

Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat als stellvertretender CDU-Vorsitzender ein Strategiepapier für einen europapolitischen Kurs entwickelt. Er unterstützt die Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den Eurorettungsschirm EFSF auszuweiten und Griechenland finanziell zu stützen.

Klaus Wowereit, stellvertretender Vorsitzender der SPD, ist Regierender Bürgermeister von Berlin und vermutlich – nach derzeitigem Stand der Umfragen – am Tage der Talkshow in seine dritte Amtszeit gewählt worden. Er sieht die Bundesregierung „nicht mehr als stabile Regierung“.

Beatrice Weder di Mauro ist eine der fünf „Wirtschaftsweisen“, des Sachverständigenrats der Bundesregierung in Wirtschaftsfragen. Ihre Meinung zur aktuellen wirtschaftlichen Lage Europas lautet: „Die Lage ist sehr ernst. Die Krise ist eine Bedrohung für den Euro.“

Dirk Müller ist Börsenhändler an der Frankfurter Börse und bekannt aus Presse und Fernsehen. Er glaubt nicht daran, dass sich der Euro als Gemeinschaftswährung halten wird.

Quelle: Das Erste-Pressemeldung

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