
- Gasometer in Berlin - ?AFIK ? BERLIN
"Aktuell, relevant und bewegend" widmet sich Günther Jauch jeden Sonntag Abend wieder in seiner Live-Sendung aus dem Gasometer in Berlin-Schöneberg dem so genannten "Thema der Woche". Am 16. Oktober 2011 lautete dieses etwas umständlich "Trinker-Republik – Unterschätzen wir die Volksdroge?"
Alkoholismus als Dauerbrenner
Zugegeben, man hatte vielleicht doch eher mit einer Diskussion über Linksterrorismus, Euro- Krise oder die aktuell weltweiten Demonstrationen gegen Bank-Konzerne gerechnet. Dennoch ist der Alkohol und seine gesellschaftlichen Gefahren als Dauerbrenner ein Thema, das als Nachlese zum Oktoberfest durchaus vertretbar scheint, nimmt doch gerade die Problematik der Koma-Trinker unter Jugendlichen an Brisanz scheinbar täglich zu.
Schockenhoff - Bekenntnisse eines Politikers
Als erster Gast bekannte sich dann auch erstaunlich offen der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag Andreas Schockenhoff zu seinem Alkoholproblem. Erst im Juli diesen Jahres hatte dieser nach einem Volksfest mit zwei Promille im Blut einen Verkehrsunfall verursacht und Fahrerflucht begangen. In der Folge entschied er sich für ein öffentliches Bekenntnis zu seiner Alkohol-Abhängigkeit und für eine Therapie. Eine Konsequenz, die einem in einem Umfled, in der der Genuss von Alkohol in Gesellschaft schon fast zum guten Ton gehört, großen Respekt abverlangt.
Richter - parlamentarisches System ohne Alkohol undenkbar
Die Rolle des Provokateurs übernahm sodann auch gleich der Journalist und Buch-Autor Peter Richter, der die These, das parlamentarische System sei ohne Alkohol undenkbar in die Runde warf. Der "Schmierstoff" sei immer auch symbolische Politik und werde weiterhin gebraucht, äußerte er sich und bezog sich dabei unter anderem auf sein Buch "Über das Trinken", in dem er die lustvollen Seiten des Konsums von Alkohol beschreibt. Diese hätte er schließlich auch gerade erst bei einem Empfang auf der Frankfurter Buchmesse erleben dürfen. Hier seien einschließlich ihm die "intelligentesten Leute" zusammengekommen und hätten in "gehobener Laune" über Gott und die Welt diskutiert. Eine Situation, die er mit Platons "Gastmahl" verglich, den er als "alter Lateiner" interessanterweise in diesem Zusammenhang zum Römer erklärte.
Jugendschutzgesetze müssen verschärft werden
Die Gäste Rüdiger-Rolf Salloch-Vogel, Arzt, Suchtexperte und ebenfalls trockener Alkoholiker, der Leiter des Jugendhilfswerks "Die Arche e.V." und Autor des Buches "Generation Wodka" Bernd Siggelkow und CSU-Politikerin Christine Haderthauer machten die Talkrunde komplett.
Während Siggelkow verständlicher Weise hauptsächlich schärfere Jugendschutzgesetze forderte, verlor sich Salloch-Vogel zunehmend in seiner eigenen Lebensgeschichte, lieferte damit jedoch immer noch mehr Substanz als Frau Haderthauer, die zwar nicht müde wurde zu betonen, dass in Bayern alles besser sei, dafür jedoch keine nachvollziehbaren Gründe anführen konnte.
Alkohol und Gesellschaft - Fragen bleiben offen
Allgemein blieb der Abend eher Erklärungen schuldig, statt solche zu liefern. Auch Jauch selbst wirkte während der gesamten Sendung eher blass, sprach- bis hilflos.
Doch vielleicht ist es gerade diese Sprach- und Hilflosigkeit, die Jauch an den Tag legte, die die allgemeine Haltung der Gesellschaft zum Thema Alkohol am Deutlichsten widerspiegelt.
Quelle: "Günther Jauch", Live-Talkshow in der ARD vom 16. Oktober 2011
