
- So klappte es bei Stern TV nicht - davidsti/pixelio.de
Wirklich? Es darf ausgiebig darüber spekuliert werden, wie überrascht der Perfektionist Jauch von den „Überraschungen“ seines Redaktionsteams war. Kaum vorstellbar, dass er sich in seiner letzten Sendung das Heft aus der Hand nehmen lässt. Allerdings kann Jauch sehr überrascht schauen und auch sehr misstrauisch, was denn da auf ihn zukommen soll. Das übt er ja bei „Wer wird Millionär?“ zweimal die Woche ausgiebig. Da es die Sendung sicherlich bald auf DVD geben wird und die Highlights sowieso bald auf YouTube, kann sich jeder selbst eine Meinung darüber bilden, wer denn nun für diese Abschiedssendung die Strippen gezogen hat.
So jedenfalls kam überraschenderweise zuerst Atze Schröder als Jauch verkleidet durch den Stern und kurz darauf nahm "Stern TV"-Reporter Thorsten Schorn Jauch seine Moderationskarten ab und beförderte den Moderator zum Gast in seiner eigenen Show. Später stießen noch Dauergast Oliver Pocher und eine nörgelige Zuschauerin namens Barbara S. (Schöneberger) zu den Überraschungsgästen. Jauch war ehrlich überrascht!
Günther Jauch und die Mode
Ausführlich gewürdigt wurden die schrillen Jauch Outfits, insbesondere aus den 90er Jahren. Viel gelb, knalliges Rot, Lila, Grün – Jauch hatte keinerlei Berührungsängste mit schrillen Farben und Farbkombinationen. Auch die Muster seiner Krawatten waren und sind durchaus nicht jedermanns und vor allem nicht jeder Frau Geschmack. In diversen Satellitenschaltungen zu Beginn der "Stern TV"-Zeit versuchte Thomas Gottschalk seinen positiven Einfluss geltend zu machen und den Kollegen Jauch vor den schlimmsten Sünden zu bewahren. Doch auch der Einfluss der Stilikone Gottschalk war begrenzt – vielleicht ja auch zum Glück...
Äußerst erstaunlich ja, welch hohe Sympathiewerte sich Jauch gerade bei weiblichen Fans mit, oder sollte man sagen trotz, dieser Garderobe erarbeitet hat. Die erste Vorstellung des Nachfolgers Steffen Hallaschka lässt erwarten, dass "Stern TV" modisch in zeitgemäßere und ruhigere Gewässer findet.
Pleiten Pech und Pannen bei "Stern TV"
Über dieses Thema war einiges zu berichten, eben was in 253 Livesendungen so alles passieren kann. Ob Oliver Pochers schmales Badehöschen bei seiner Wasserballetteinlage dazu zählte oder eher dem letzten Kapitel zuzuordnen ist, bleibt ebenfalls dem geneigten Zuschauer zu entscheiden überlassen.
Richtig peinlich war Jauch die Sache mit dem Feuerwehrmann, der in schwerer Schutzmontur versuchte, die Gefahren von Flüssigbrennstoffen beim Grillen deutlich zu machen. Der Mann schaffte es tatsächlich auch bei mehrfachen Versuchen, die glühende Grillkohle mittels Spiritus zu löschen. Die erwünschte Stichflamme durfte Pocher bei seinem Auftritt in der Abschiedsshow, mit tatkräftiger Unterstützung der Technik, nachholen.
Lustig auch Jauchs Versuche einem fahrenden Koffer Herr zu werden, diverse Sprünge, Stürze, (unfreiwillige) Bäder und Erfahrungen im Beseitigen von Tierexkrementen.
Günther Jauchs Moderationskarten bei "Stern TV"
Einen Blick hinter die Kulissen erlaubte der Einblick in Jauchs Methode der Erstellung seiner Moderationskarten. Erste Gedanken zu einem Thema hackt er auf einer altertümlichen Olympus Schreibmaschine auf Papier. Nach eigener Aussage im "10-Finger-blind-System". Anschließend fasst er seine Gedanken, über das so zu Papier gebrachte, mittels eines ebenfalls nicht besonders modernen Diktiergerätes zusammen, lässt das Ganze von einer Sekretärin abtippen und auf den bekannten Moderationskarten ausdrucken. Somit überträgt er die Verantwortung für eventuelle Rechtschreib- oder Tippfehler einer Mitarbeiterin, damit er sich darüber anschließend auch ausgiebig aufregen kann, was in einigen Backstagefilmaufnahmen dokumentiert wurde.
Jauch ist zumindest in den ersten Stunden des Tages ein immer übermüdeter Workaholic, was ebenfalls eindrücklich filmisch festgehalten wurde. Wie er das Kunststück zustande bringt, jeden Mittwoch, eingeklemmt zwischen den beiden Millionärsterminen "Stern TV" vorzubereiten und zu moderieren bleibt sein Geheimnis, das durch die Erläuterungen zu seiner Arbeitsweise eher noch vergrößert als aufgelöst wurde.
Die harten Fakten der "Stern TV"-Moderation durch Günther Jauch
Ungefähr 70 000 Sendeminuten "Stern TV" gibt es für die 253 Sendungen seit April 1990. Dafür wurden 24 000 Moderationskarten erstellt und 8 000 Gäste eingeladen. Wie viele unterschiedliche Anzüge, Sakkos, Hemden und Krawatten Jauch in dieser Zeit trug, wurde nicht überliefert. Allerdings, dass er beim Warm-up mit dem Publikum regelmäßig nach weißen Socken bei Herren in der ersten Reihe fahndet, die ihm der Inbegriff der Modesünde sind.
Jauch und Gäste, beziehungsweise die Überraschungsmoderatoren und Gast Jauch, gestalteten zwei kurzweilige Abschiedsstunden mit einigen interessanten und skurrilen Einblicken in die Arbeitsweise Jauchs und des Redaktionsstabes. Selbstironie war Trumpf bei dieser kleinen Abschiedsgala und man darf Jauch wünschen, dass er für den Polittalk am Sonntagabend, bei der ARD ab Herbst 2011, sein lockeres Händchen auch mit den Größen aus Politik und Gesellschaft behält.
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