Guerilla-Gärtner begrünen Städte

Guerilla Gardening kam aus New York nach Europa

Guerilla-Gärtner in Calgary, Kanada - Wikimedia Commons
Guerilla-Gärtner in Calgary, Kanada - Wikimedia Commons
Tulpen auf lauten Verkehrsinseln, Sonnenblumen an hässlichen Mauern, Lavendel auf Brachflächen - jedes öde Fleckchen Erde hat das Potential für eine kleine grüne Oase.

1973 begann eine Gruppe New Yorker mit der eigenmächtigen Begrünung ihres verwahrlosten Stadtteils. 1990 adelte Hollywood soviel Bürgersinn und zeigte Andie McDowell als Guerilla-Gärtnerin im Film "Green Card". Und inzwischen ist der erste Nachbarschaftsgarten in New York ein offizieller Park.

Eine kleine grüne Revolution: Mit steigendem Umweltbewusstsein wird Guerilla Gardening weltweit immer populärer. Gleichzeitig gibt es vielen Stadtbewohnern ohne eigene Grünfläche eine Gelegenheit, dem Urbedürfnis des Buddelns und Pflanzenanbaus nachzugeben.

Was sind Guerilla-Gärtner?

Nicht jeder, der Blumen liebt, hat selbst ein Grundstück oder auch nur einen Balkon, um darin Stiefmütterchen zu pflanzen oder die eigenen Bohnen zu ziehen. Dabei gibt es so viele ungenutzte öffentliche Flächen: vernachlässigte Pflanzcontainer und Beete, Verkehrsinseln oder Schmuddelecken, für die sich niemand zu interessieren scheint.

Guerilla-Gärtner ergreifen hier die Initiative und räumen erstmal auf, dann pflanzen sie oder sähen sie neues Grün. Danach behalten sie ihr Gärtchen nach Möglichkeit im Auge, wässern es und halten es sauber.

Was bedeutet der Name Guerilla-Gärtner?

Die grünen Rebellen arbeiten im Verborgenen: Sie fragen nicht um Erlaubnis, und ohne viel Aufmerksamkeit zu erregen, pflanzen oder sähen sie schnell im Schutz der Dunkelheit. Und schon sind sie wieder verschwunden. Darum nennen sie sich Guerilla. Dabei geht es ihnen nicht darum, sich Land anzueignen. In erster Linie wollen sie städtische Flächen verschönern und für sich und alle anderen Stadtbewohner die Lebensqualität erhöhen. Ihre Aktionen haben dadurch auch eine gesellschaftspolitische Dimension, indem sie auf Verwahrlosung, Grundstücksspekulation und mangelhafte Stadtplanung hinweisen.

Wer waren die ersten Guerilla Gardeners?

Der Begriff “guerilla gardening” wurde 1973 von der New Yorker Künstlerin Liz Christy erfunden. Nachdem sie zufällig gesehen hatte, wie im Müll ihres damals ziemlich heruntergekommenen Stadtteils Bowery-Houston Tomatenpflanzen wuchsen, die aus weggeworfenen Tomaten gekeimt waren, begann sie zusammen mit Freunden Pflanzensamen auszusäen, wo auch immer ihnen ein geeigneter Platz dafür auffiel. Schwer erreichbare oder eingezäunte Stellen bombardierten sie mit Samenbomben.

Liz nannte sich und ihre Freunde “green guerillas” und schaffte es im Laufe der Jahre, den inzwischen entstandenen Nachbarschaftsgarten zu pachten. Heute heißt er Liz Christy Garden und konnte vor diversen Übernahmeversuchen durch Immobilienhaie beschützt werden.

Gibt es auch in Europa Menschen, die verwahrloste Flächen begrünen?

Auch in europäischen Städten gibt es die heimlichen Gärtner – in Berlin, Wien und London werden sie ebenso aktiv wie in Kopenhagen, Brüssel oder Paris. Der Londoner Autor Richard Reynolds (“On Guerilla Gardening”, 2008) hat in seinem Buch und auf seiner Guerilla-Gardening-Website bebilderte Beispiele aus aller Welt zusammengestellt.

Wie wird man Guerilla-Gärtner?

Man muss in keinen Club eintreten, um selbst Guerilla-Gärtner zu werden. Allein oder mit Gleichgesinnten kann jeder seine Umwelt ein bisschen bunter machen – öffentliche Flächen sind das ideale Ziel. Natürlich sollte man Privateigentum respektieren, nichts zerstören und durch kreative Begrünung zum Beispiel nicht den Verkehr behindern oder andere behindern. Die meisten Mitmenschen werden dankbar sein, wenn jemand aus eigener Initiative Müll und Dreck entfernt und durch Blumen ersetzt.

Rechtliche Ansprüche auf den Schutz und Erhalt eines solchen Gärtchens gibt es nicht – wer an exponierter Stelle zu Werke geht, geht das Risiko ein, dass Stadtreinigung oder Baumaschinen das junge Grün beseitigt – wie das Beispiel das Berliner Nachbarschaftsgartens Rosa Rose zeigt.

Welche Pflanzen sind besonders geeignet?

Je widerstandsfähiger, desto besser – denn eine Guerilla-Pflanze muss manchmal einiges aushalten können. Und wenn man sich schon die Mühe macht, sollten die Blumen auch gern auffallen, also möglichst große, leuchtend bunte Blüten haben. Hier einige Beispiele:

Brunnenkresse blüht leuchtend gelb, orange oder rot – ob als Bodendecker oder hängend. Im Herbst lassen sich die Samen leicht absammeln für das kommende Frühjahr.

Die Sonnenblume eignet sich hervorragend wegen ihrer Signalwirkung – deshalb haben die Guerilla-Gärtner sie auch zu ihrer Botschafterin Nummer eins erkoren. Besonders am 1. Mai, dem Feiertag der Bewegung, wird sie gern gesät oder verpflanzt.

Efeu gehört zu den besonders zähen Pflanzen, die auch den einen oder anderen Fußtritt von Passanten nicht übelnehmen. Lavendel eignet sich für stark besonnte Plätze mit magerem Boden.

Wer Essbares pflanzen möchte – zum Beispiel Obst, Bohnen oder Tomaten -, sollte vorher die Bodenqualität überprüfen. Denn wenn das Erdreich mit Öl, Schwermetallen oder anderen Giften belastet ist, wird die Ernte alles andere als „bio“ ausfallen.

Zur Inspiration für alle Gärtner, ob Guerilla, Schreber oder daheim:

Renate Oetjens, Renate Oetjens

Renate Oetjens - Online-Journalistin, Texterin und Übersetzerin

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