Gundermann: Zauberkraut, Heilpflanze oder Unkraut?

Gundermann bildet dichte Teppiche   - Ingrid Oertel
Gundermann bildet dichte Teppiche - Ingrid Oertel
Der Gundermann oder die Gundelrebe, auch genannt Erdefeu, Guck-durch-den-Zaun, Soldatenpetersilie sowie Donnerrebe, war dem Gott Donnar geheiligt.

Zu dem Namen "Donnerrebe" kam der Gundermann Glechoma hederacea aufgrund seiner kleinen blauen Blütchen. Sie erinnerten schon die alten Germanen an die Farbe von Blitzen.

Als Schutz- und Erkennungskraut von Hexen wurde der Gundermann bzw. die Gundelrebe bereits seit dem 12. Jahrhundert verwendet. So glaubte man, wer an Walpurgis einen Kranz von Gundermannkraut trage und damit in die Kirche gehe, erkenne alle anwesenden Hexen.

Als Schutzkraut gegen Unheil hängten die Bauern am Vorabend vor Walpurgis einen Kranz aus Gundermann über die Haustür und über das Stalltor. In der Volksheilkunde hatte das ausdauernde Kraut seinen festen Platz: Wenn die Bauern das Gefühl hatten, die Milch ihrer Kühe sei nicht ganz in Ordnung, wusch man das Milchgeschirr mit einem Tee aus Gundermann. Im Erzgebirge wurde der Gundermann "Gutheinrichswurzel" genannt und die Bauern sprachen folgenden Reim:

"Guter Heinrich, du bist mein Knecht, mit meiner Kuh ist`s nicht recht. Geh das Dorf auf und nieder, bring mir meinen Nutzen wieder."

Gundermanntee gegen Husten, Magen- und Darmbeschwerden, bei eiternden Wunden

Heute weiß man mehr über die Heilwirkungen des attraktiven niedrig wachsenden Lippenblütlers. Die Gundelrebe wirkt allgemein stoffwechselanregend. Sie hilft bei Schwächen von Leber und Galle und entlastet die Nieren durch ihre harntreibende Eigenschaft. Die antibiotische Wirkung des Gundermanns zeigt gute Erfolge bei eiternden Geschwüren und schlecht heilenden Wunden. Hier wird das Heilkraut äusserlich in Form von Bädern, Spülungen und Wickeln angewandt. Ein Tee des getrockneten Krautes hilft bei Husten und Verschleimung der Atemwege sowie bei Magen- und Darmerkrankungen. Rasche und zuverlässige Linderung verspricht Gundermann bei Hals- und Zahnschmerzen.

Gundermann liebt schattige humusreiche Standorte und unterdrückt das Unkraut

Die ausdauernde Pflanze wird oft als hartnäckiges Unkraut beschimpft. Sie liebt den Schatten oder Halbschatten sowie humushaltige Böden. Wild wachsend an Gebüschen und Hecken an Wegrändern und auf Ödland trifft man den Gundermann an. Im Gartencenter weiß man seine positiven Eigenschaften zu schätzen. Er wird deshalb gerne als Bodenbedecker unter Gehölzen und unter Stauden im schattigen Bereich des Gartens eingesetzt. Seine langen Ausläufer haben bald weite Teile des Gartens erobert. Mit seinen kurzen büschelartigen Wurzeln läßt sich der Bodenbedecker jedoch gut dort entfernen, wo er stört. Die kleinen herzförmigen Blätter bilden ein dichtes Blattwerk, das zuverlässig andere Wildkräuter unterdrückt. Der Gundermann wird etwa 20 Zentimeter hoch. Seine kleinen bläulichen bis violetten schimmernden Blütchen erscheinen von April bis Juni. Während dieser Zeit besitzt das Heilkraut seine stärkste Heilkraft. Gesammelt wird das blühende Kraut. An einem schattigen luftigen Ort trocknet es rasch und kann dann in Schraubverschlußgläsern aufbewahrt werden.

Die Heilpflanzenkunde ersetzt nicht den Besuch bei einem Arzt. Weder die Autorin noch Suite101 übernehmen die Verantwortung für Risiken einer Eigenbehandlung aufgrund dieses Artikels.

Ingrid Oertel, Matthias Oertel

Ingrid Oertel - Texterin und Journalistin Ich schreibe am liebsten über Natur- und Gartenthemen Mit der Kamera halte ich gerne spannende ...

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