Gut für die kranke Seele: Katzen und Hunde als Tier-Therapeuten

Es ist ein gutes Gefühl, für jemanden zu sorgen - rbb / Susanne Heim
Es ist ein gutes Gefühl, für jemanden zu sorgen - rbb / Susanne Heim
Moderne therapeutische Ansätze gehen neue Wege, bei denen Haustiere wie Hunde und Katzen eine große Rolle spielen. Denn ehrliche Liebe macht oft gesund.

Dass Tiere gut für die Seele sind, ist kein Geheimnis. Von klein auf begleiten sie uns als Haustiere. Hunde, Katzen, Vögel: Sie erfahren Ansprache, Zärtlichkeiten, Fürsorge – bis zu ihrem Tod. Wenn sie sterben, gleicht ihr Abschied dem eines "richtigen" Familienmitglieds.

Der Hund als einziger noch verbleibender Freund

Viele einsame Menschen halten sich gern einen Zwei- oder Vierbeiner als Freund, häufig ist es ihr einziger. "Ich hab doch nur noch meinen Hund", heißt es in der erschütternden ARD-Reportage (rbb / 10.12.2011), in der geschildert wird, wie "Herrchen" oder "Frauchen" alles unternehmen, um ihre Mitbewohner nicht darben zu lassen. Ehrliche Dankbarkeit und Freundschaft ist ihnen dafür sicher. Gutherzige, menschenfreundliche Tiere werden von Therapeuten inzwischen hoch geschätzt und gern bei ihrer Intensivarbeit eingesetzt. Denn wenn Gespräche und Rollenspiele nicht die verletzte Seele zu öffnen vermögen, erreicht das nicht selten eine innige Beziehung zu einem Haustier. Und wenn ein heftig mit dem Schwanz wedelnder Hund oder eine wohlig schnurrende Katze gute Gefühle ausstrahlt, lässt das keine Seele kalt. Soviel Erkenntnis spiegelt sich auch im Film "Tiere als Therapeuten" (3sat / 16.11.2011) wieder.

Die Idee, Blindenhunde auszubilden und an die Seite von nicht oder schlecht sehenden Menschen zu stellen, stammt aus Deutschland, wird aber mittlerweile schon fast über fünf Jahrzehnte weltweit praktiziert. Diese enge Kooperation zwischen Mensch und Hund und das gegenseitige Vertrauen in Güte, Verständnis, Sorge und Wohlergehen stärkt nicht nur den sozialen Umgang und die Selbstständigkeit des Behinderten, sondern genauso in die gesamte Umwelt. Es tut gut, trotz aller Einschränkung zumindest teilweise noch am ganz normalen Leben teilnehmen zu dürfen.

Der Umgang mit Tieren lehrt das ganz normale Sozialverhalten

Dieses gute Gefühl erfahren auch jugendliche Straftäter. Zum Beispiel solche, die in Hanöfersand (Hamburg) einsitzen. Ihr Aufenthalt beschränkt sich zwar auf bis zu vier Wochen, doch in dieser Zeit bekommen die "Intensivstraftäter" die Möglichkeit, sich um die vielen Katzen zu kümmern, die auf dem Knastgelände leben. Der Lerneffekt ist groß ("Kiffen, klauen, zustechen" / ARD), sagt die Sozialpädagogin der Anstalt. Schon bei den Kleinsten beginnt die Tier-Therapie. Hyperaktive ADHS-Jungen und -Mädchen sowie solche mit autistischen Verhaltensweisen profitieren dadurch, indem ihr natürlich angeborenes Schutzverhalten aktiviert wird. Obwohl sie sonst bei jeder Kleinigkeit ausflippen, bleiben sie im Kontakt mit den Schutzbefohlenen ganz ruhig, verständnisvoll, geduldig.

Viele Seniorenheime haben einen kleinen Privatzoo

Solche Erkenntnisse sprechen sich herum und lassen sich auch in anderen sozialen Bereichen gut anwenden. Also gibt es kaum noch ein Pflege- und Seniorenzentrum, das nicht auf die ganz normalen seelischen Bedürfnisse nach Liebe, Zärtlichkeit und Fürsorge Rücksicht nimmt. In vielen Großstädten beheimaten solche Heime heute Katzen, Hunde, Fische und manchmal auch kleine Hasen oder Kaninchen, in den kleineren Ortschaften aber ähneln sie Urlaubshotels mit angeschlossenen "Privatzoos" und einem großen Außengelände mit Lamas, Ziegen, Schafen, Pferden. Von dieser Großzügigkeit profitieren alle. Die BewohnerInnen, weil sie das Gefühl von ländlicher Freiheit und vielen Tieren zum Anreden, Streicheln und Liebkosen finden, und das Personal, weil ihre Schützlinge weniger gestresst und auffällig sind als diejenigen, die ohne die geliebten Tiere ihre letzten Jahre verbringen müssen.

Quellen:

  • ARD
  • 3sat
Wiebke Hilgers-Weber, Wiebke Hilgers-Weber

Wiebke Hilgers-Weber - Ja, ich liebe meinen Beruf als Journalistin und Autorin sehr. Alles, was mit Menschen zu tun, interessiert mich: Wer sie sind, was sie ...

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