"Gut gegen Nordwind" auf dem Theaterkahn Dresden

Die Bühnenfassung des Dialogromans von Daniel Glattauer verspricht auch an der Elbe ein Erfolg zu werden. Es spielen Helene Grass und Andreas Dobberkau.

Die Theatermacher vom Terrassenufer um Intendant Detlef Rothe und Produktionsleiter Johannes Richter haben für die nächste Premiere auf dem Theaterkahn am 16. Juni 2010 um 20.00 Uhr ein interessantes Darsteller-Duo angeheuert. Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen sind als Emmi Rothner und Leo Leike an der Komödie am Kurfürstendamm nicht gerade Fehlbesetzungen. Das Hörbuch mit Andrea Sawatzki und Christian Berkel hat "Gut gegen Nordwind" beim Publikum noch ein großes Stück beliebter gemacht. Nun wendet sich der Theaterkahn Dresden, jene profilierte und engagierte Bühne für Cabaret, Musik und Literatur, dem Stoff zu. Helene Grass und Andreas Dobberkau sind hier die Darsteller in Daniel Glattauers so spannender wie romantischer Liebesgeschichte.

Beide sind keine unbeschriebenen Blätter und können sich im Dresdner Zusammenspiel vielleicht sogar überregional Meriten erwerben. Helene Grass ist Tochter des deutschen Nobelpreisträgers für Literatur und bisher auf Bühnen in München, Zürich, Hamburg und Berlin tätig gewesen. Manchem ist ihr Gesicht auch aus der Fernsehserie "Stubbe - Von Fall zu Fall" bekannt. Andreas Dobberkau arbeitet als freiberuflicher Schauspieler, u. a. an den Hamburger Kammerspielen und am Theater Vorpommern Greifswald. Im Altonaer Theater Hamburg stellte er den Karl in "Herr Lehmann" nach dem Buch von Sven Regener dar.

Die gut zweistündige Bühnenfassung von "Gut gegen Nordwind" erarbeitete Daniel Glattauer gemeinsam mit Ulrike Zemme. Sie wirkte als Dramaturgin an der Wiener Burg und seither auch am Theater in der Josefstadt. Aus dem Russischen übersetzte sie bisher etwa Tschechow, Gorki und Mamlejew, jüngst auch Anna Politkowskajas Buch "Tschetschenien - Die Wahrheit über den Krieg".

Lebendiges Theater für neugierige Liebeskandidaten

Die bisher bekannten Aufführungen des Glattauer-Textes u. a. in Wien, Salzburg, Graz, Lübeck und Rudolstadt lieferten sehr lebendiges Theater, das Einzelheiten aus dem Leben der beiden neugierigen Liebeskandidaten Emmi und Leo publikumswirksam umsetzte. Das ist auf eine gewisse Weise auch im Theaterkahn Dresden zu erwarten. Denn Regie führt hier Jan Böde, der für dieses kleine Theater in seiner Geburtsstadt Dresden eine sehr detaillierte und disziplinierte Version von Franz Xaver Kroetz' "Wunschkonzert" vorlegte.

Der Theaterkahn, als "Dresdner Brett'l" im Jahre 1988 gegründet, spielt seit 1994 im Bauch eines umgebauten Frachtschiffes auf der Elbe. Gemeinsam mit dem feinen italienischen Restaurant "Kahnaletto" ist er dort ein ausgesuchter Treffpunkt für Touristengruppen, die die barocke Silhouette Dresden sehen wollen. Im Spielplan tauchen neben bewährten Unterhaltungsprogrammen mit Tom Pauls und Peter Kube auch immer wieder anspruchsvoll inszenierte Literaturabende mit Texten von Kurt Tucholsky, Erich Kästner oder Georg Kreisler auf.

Kammerspiel auf hohem Niveau

Bis zur diesjährigen Sommerpause (11. Juli bis 23. August 2010) bieten zum Beispiel Friedrich-Wilhelm Junge und Hans Teuscher in "Halpern & Johnson", einer Komödie von Lionel Goldstein, Kammerspiel auf hohem Niveau. Junge ist Gründer und war viele Jahre lang Intendant des Theaters auf dem Kahn, bleibt bis heute als gern gesehener Schauspieler in der ihm eigenen Vitalität sehr präsent.

Bevor dann der "Nordwind" den Theaterkahn streift, nimmt hier ein "Urgestein" der Schauspielkunst Abschied von der Bühne. Rudolf Donath tritt am 18. und 19. Mai jeweils um 20.00 Uhr letztmalig öffentlich auf, in dem Gegenwartsstück "Der Panther" von Felix Mitterer.

Sven Bernitt, Stephanie Taubert

Sven Bernitt - Sven Bernitt ist seit 2002 unabhängiger Buchhändler in Dresden (www.leselust-dresden.de) und war einige Jahre Journalist in ...

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