Gute Gruselgeschichten schreiben

Handlungsaufbau, Ambiente und Schauplätze sind wichtig

alte Kapelle: Schauplatz für Gruselgeschichten - Georg Meister
alte Kapelle: Schauplatz für Gruselgeschichten - Georg Meister
Bei Gruselgeschichten bieten sich viele Möglichkeiten für Schauplätze, Handlungsablauf und darin vorkommende Personen.

Kritiker des Genres behaupten, dass es im Prinzip nichts Neues mehr gibt, über das man schreiben könnte, wobei diese Kritik jedoch auch für andere Sparten wie etwa Liebesgeschichten gelten kann. Selbstverständlich kamen schon alle möglichen Horror-Gestalten in teilweise sehr berühmten Horror-Romanen vor wie etwa Zombies, Vampire (Bram Strokers „Dracula“), Gespenster, Seelen, die nach ihrem Tod keine Ruhe finden und so weiter. Dennoch können immer wieder neue Akzente gesetzt werden.

Eine mögliche Handlung ohne Gespenster und Werwölfe

Es besteht zum einen die Möglichkeit, Horror aus der Realität entstehen zu lassen, ohne dass hierfür zwingend klassische Protagonisten von Gruselgeschichten wie die oben genannten bemüht werden müssen. Es kann auch äußerst gruselig sein, wenn eine an sich alltägliche Situation beschrieben wird.

Beispielsweise könnte ein junges Mädchen an einem schwülen Sommerabend, an dem auch noch Vollmond herrscht, alleine zuhause sein und sich in Abwesenheit der Eltern einen Gruselfilm angucken, wobei ihr schließlich nicht nur der Film an sich unheimlich ist, sondern auch weitere Begleitumstände: der Vollmond, vor den sich nach und nach immer mehr Wolken schieben, eine Eule, die auf einem nahe gelegenen Friedhof heult, ein aufziehendes Gewitter mit irrem Wetterleuchten … alleine hierdurch kann eine düstere Atmosphäre erzeugt werden, ohne dass in der Geschichte wirklich irgendwelche Horror-Gestalten auftauchen müssen.

Wenn in Horror-Geschichten tatsächlich Geister, Zombies oder Vampire vorkommen

Die zweite Variante ist, tatsächlich irgendwelche Horror-Gestalten in der Geschichte mitspielen zu lassen, wobei jedoch der Handlungsaufbau variiert werden kann.

Der Autor kann direkt in die Geschichte einsteigen, so dass sich der Protagonist bereits in einer gruseligen Situation befindet, wobei die Vorgeschichte dann eher in Rückblenden erläutert werden müsste. Die andere Variante wäre, erst eine scheinbare Idylle zu zeigen, bevor sich nach und nach etwas Unheimliches ins Leben des oder der Protagonisten einschleicht. Ein Beispiel hierfür ist der Roman „Friedhof der Kuscheltiere“ von Stephen King, bei dem zunächst das normale Leben der Familie Creed im Vordergrund steht, bevor nach und nach das Grauen erst schleichend, dann immer schneller Einzug hält..

Mögliche Schauplätze

Das Grauen muss nicht zwingend auf einem Friedhof, in einer alten Kapelle oder einem Spukschloss stattfinden, es eignen sich hierfür auch scheinbar alltägliche Orte, mit denen man normalerweise etwas Positives assoziiert wie etwa Freibäder, Sommerwiesen, Kirmessen und Ähnliches.

Horror-Komödie, Horror oder Splatter?

Allgemein gesehen spielen Gruselgeschichten eher mit subtilen Ängsten des Lesers und erzeugen vielmehr eine psychologische Spannung. Dem Leser stockt unter Umständen der Atem, wenn im Buch detailliert beschrieben wird, wie eine alte Dame sich auf einem Friedhof plötzlich einem Geist gegenüber sieht. Neben der Situationsbeschreibung ist es wichtig, auch die Gefühle des Protagonisten zu beschreiben, um das Ganze authentischer wirken zu lassen. Bei Horror-Geschichten stehen oft Situationen im Vordergrund, von denen sich jeder Leser vorstellen kann, wie er sich fühlen würde, wenn ihm etwas Vergleichbares im eigenen Leben passieren würde.

Viele Autoren entkräften die psychologische Spannung durch den Einbau von lustigen Situationen, bei denen der Leser schmunzeln oder gar laut lachen muss. Andere wiederum wählen den Weg einer Parodie auf bekannte Gruselgeschichten oder deren allseits bekannte Attribute. Ein Beispiel hierfür sind die „Scary Movie“-Filme.

Splatter-Filme und -Geschichten beziehen ihre Gruseligkeit nicht aus einer Spannung heraus und noch viel weniger aus Humor, hierbei wird der Schockeffekt eher über das detailgenaue Beschreiben von Tötungen erzielt, meist in Verbindung mit sehr viel Blut und Innereien.

Welche der drei Varianten gewählt wird oder ob sogar alle drei Subgenres miteinander kombiniert werden, bleibt dem persönlichen Geschmack des Autors überlassen.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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