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Auch in diesem Teil der Vereinigten Staaten liebt man Fast Food und Fernsehen, trotzdem bildet die Stadt ein eigenes Universum, das sich vom Rest des Landes deutlich abhebt: In diesem überdimensionalen Schmelztiegel vermischen sich unterschiedlichste Kulturen und Interessen zu einem Nährboden für Toleranz und multikulturelles Miteinander.
New Yorker versus Amerikaner
Hier bilden Homosexuelle, Schwarze oder Ausländer keine zweifelhaften Minderheiten mehr. Hier strömen Kulturinteressierte in zahllose Theater, Museen, Vernissagen und Filmfestivals. Hier lebt man sportbegeistert und gesundheitsbewusst. Bis spät in die Nacht werden in Fitnessstudios Figur und Muskeln geformt, auch nach dem gesunden Snackin einem der vielen kleinen Deli-Shops oder einer fettarmen Mahlzeit in einem der zahlreichen asiatischen Restaurants noch. Hier besitzt man kein Auto, sondern fährt Taxi oder geht zu Fuß. New York ist Amerika, doch New York ist anders. “New Yorker misstrauen Amerikanern, Amerikaner misstrauen New Yorkern“, meint auch Moby – erfolgreicher Sänger, DJ und Musikproduzent.
Moby im alten New York
Richard Melville Hall, wie Moby mit bürgerlichem Namen heißt, kam bereits 1989 hierher und wohnt mittlerweile seit über 15 Jahren in seinem Apartment in Littly Italy, Manhattan. Die damals ziemlich heruntergekommene Umgebung hat sich inzwischen zu einer angesagten, schicken und teuren Wohngegend transformiert. Nur wenige Ecken wie die Mars Bar in Manhattans East Village erinnern noch an das hässliche und schmuddelige New York vergangener Zeiten, denen Moby fast etwas hinterher trauert.
New York im Wandel
Je schicker und wohlhabender die Stadt, desto größer klafft in Mobys Augen jedoch auch der Gegensatz zwischen Reich und Arm, zwischen den glamourösen und den filzigen Teilen der Stadt. Das Gute, das Moby dieser Entwicklung abgewinnen kann: New York ist heute ein viel sicherer Ort zum Leben. Parks, die früher noch Tummelplatz für Drogenjunkies und Gangster waren, laden heute als gepflegte Grünoase zum Verweilen im Freien ein. Viele Künstler, die keine Millionenumsätze machen, können sich jedoch ein Leben in Stadtteilen wie Manhattan nicht mehr leisten. Sie wandern ab nach Queens, Brooklyn oder gar New Jersey.
Moby kommt ohne Glamour aus
Moby, der mit Alben wie "Play", "18" und "Hotel" Millionen umsetzte, kann finanziell problemlos mit dem wachsenden Wohlstand der Stadt mithalten. Dennoch lebt er eher wie eine Mischung aus kleinem, unbekanntem Künstler und politisch interessiertem Öko-Freund: Als Veganer ernährt er sich gesund, aber schlicht. Er liebt die wenigen verbliebenen verranzten Bars und Clubs, während er die großen funkelnden Clubs den Touristen überlässt. Dicke Autos interessieren ihn nicht, denn er hat sowieso keinen Führerschein. Hier kann er all dies sein und trägt nach eigener Aussage doch etwas von dem typisch durchgeknallten New Yorker in sich, dem etwas schrulligen aber kultivierten Großstädter à la Woody Allen.
Jonathan Franzen in New York
Auch Erfolgsautoren wie Paul Auster und Jonathan Franzen sind hier zuhause. Letzterer ist für Werke wie „Die 27ste Stadt“ oder „Die Korrekturen“ bekannt, in denen er kritisch die amerikanische Gesellschaft beobachtet. Fragt man ihn nach dem heutigen Befinden der New Yorker, vergleicht er die Stadt mit einem Comichelden, der über die Klippe geschubst wurde und nur noch nicht aufgeprallt ist. Eine Stadt mitten im Fall, im Absturz also. Während der Andrang in den Armenküchen von Tag zu Tag zunimmt, erscheinen ihm die New Yorker sowie die Amerikaner im Allgemeinen wie erwachsene Kinder, die sich lieber unterhalten lassen, statt sich bestehenden Problemen zu stellen. Und er selbst? Er geht morgens in sein Büro und blendet dort die Krise mit heruntergelassenen Jalousien aus. Vielleicht ein indirektes Bekenntnis zur Realitätsbewältigung seiner Landsleute. Doch er weiß immerhin, dass etwas schief läuft in der Gesellschaft, und setzt sein Zeichen, indem er darüber schreibt.
New York im Jahr 2009
Wie geht es also New York City im Jahr 2009? Mit jedem Tag besser, weil sich die Stadt nach dem 11. September 2001 aufgerappelt und zu neuer Stärke gefunden hat? Glänzend, weil sich der Wohlstand, der mit den Reichen unter die 8 Millionen Einwohnern kam, an allen Ecken widerspiegelt und die Stadt zu einem besseren Lebensort macht? Oder ist es doch alles nur funkelnder Schein, hinter dem der gesellschaftliche Verfall langsam aber sicher seinen Verlauf nimmt? In diesem brodelnden, bunten Schmelzkellel steckt wohl von allem ein bisschen. Und der Broadway erstrahl weiter in seinem Glanz, denn so oder so - "the show must go on".
