
- Kinderbriefe aufheben lohnt immer. - Ilse-Ruth Uebner
Wann haben Sie Ihren letzten Brief geschrieben? Nein, nicht die Kündigung Ihres Zeitungsabonnements ist gemeint, sondern ein wirklich persönlicher Brief, etwa an eine Schulfreundin, die schon seit Jahren in einer anderen Stadt lebt. Oder an den Sohn, der in Berlin studiert. Sie können sich nicht mehr erinnern? Ist das nicht Grund genug, für das nächste Jahr einen guten Vorsatz zu fassen, etwa: wieder öfter Briefe schreiben.
Was soll man im Brief schreiben?
Da es sich hier um ganz persönliche Briefe handelt, sollte auch der Inhalt ganz individuell an eine Person gerichtet sein. Ein Gespräch unter vier Augen sozusagen. Aber Achtung, was der Empfänger mit dem Brief macht, kann man nicht vorausahnen. Vielleicht ist dieser so interessant, spannend, lustig, informativ oder peinlich, dass er rumgereicht oder sogar laut vorgelesen wird. Sagen Sie sich einfach: Schön, wenn mein Brief auch ein breiteres Publikum beeindruckt, und fangen Sie an. Themen gibt es doch wahrlich genug.
Hat man sich lange nicht geschrieben, ist es sinnvoll, von der eigenen Entwicklung, von Familie, Beruf, Freizeiterlebnissen oder vom Hobby zu berichten. Vielleicht sind es auch gemeinsame Erlebnisse, an die man nach längerer Korrespondenzpause im ersten Brief erinnern kann. Bloß nicht zu viel hinein packen. Man will ja noch im nächsten Brief was zu erzählen haben.
Wie ist ein Brief zu gestalten?
Auch wenn es sich „nur“ um einen Privatbrief handelt, das Schriftstück für die Geschichtswissenschaft kein Dokument darstellt, sollte der Verfasser nicht vergessen, Ort und Tag anzugeben, an dem er seinen Brief verfasst. Wird sein Brief aufgehoben, ist es später immer interessant, wenn man das Schreiben zeitlich und örtlich einordnen kann. Auch die Anrede ist selbstverständlich. Doch schon hier kann man einen ganz individuellen Stil ausprobieren. Die übliche Anredeformel „Liebe/Lieber so und so …“ oder „Hallo …“ lässt sich leicht ersetzen, etwa durch folgenden Beginn: „Gerade schaue ich aus dem Fenster und sehe, dass die Heckenrose, die du, liebe Barbara, beim deinem letzen Besuch vor einem Jahr in unseren Garten gepflanzt hast, immer noch so toll blüht und mir fällt ein, dass wir lange nicht mehr miteinander geschwatzt haben…“. Nach diesem Anfang kann doch eigentlich alles folgen.
Damit Briefe auch wirklich gern gelesen werden, braucht man eigentlich nur Goethes Ratschlag zu befolgen, den er, wie könnte es anders sein, in einem Brief an seine Schwester Cornelia am 7. Dezember 1765 so formulierte: „Schreibe nur, wie du reden würdest, und du wirst einen guten Brief schreiben.“
Ende vom Brief, Anfang einer Korrespondenz
Ist nun der erste Brief geschafft, fehlt nur noch der ganz persönliche Gruß. Die bange Frage, ob der Angeschriebene auch wirklich antworten wird, kann man durch geschickte Fragen ein bisschen manipulieren. Und natürlich sollte man seinen Brief auch richtig frankieren. Zwei beschriebene Seiten und noch ein paar Fotos zur Erinnerung machen aus dem Standardbrief (20 Gramm) schnell einen kompakten (50 Gramm). Nichts ist tödlicher für eine junge Korrespondenz, als Nachzahlporto, das der Empfänger für den zu dick geratenen Brief bezahlen muss.
Wenn man richtig Glück hat, kann sich aus dem ersten Brief eine lebhafte und spannende Briefkorrespondenz entwickeln. Und wenn nur ein Anruf folgt, sollte man auch nicht enttäuscht sein. Im großen Bekanntenkreis findet sich bestimmt irgendwo noch so ein nostalgischer Briefliebhaber.
