Guter Wolf – böser Wolf. Der Wildtierpark Bad Mergentheim

Wolf im Wildtierpark Bad Mergentheim - Judith Weibrecht
Wolf im Wildtierpark Bad Mergentheim - Judith Weibrecht
Der Wildtierpark Bad Mergentheim beherbergt auf 35 Hektar über 70 Tierarten in naturnah gestalteten Lebensräumen, darunter das größte Wolfsrudel Europas.

Im 1973 gegründeten Wildpark leben hauptsächlich europäische Tierarten. Zäune sieht man dabei als Besucher nicht. Die natürlichen Barrieren sind Wälle, Dämme und Gräben oder einfach Wasser. Sollte ein Zaun nötig sein, so ist er so versteckt, dass man ihn kaum wahrnimmt. Am besten geht man bei einer der zweimal täglich stattfindenden Fütterungsrunden mit. Geier segeln dann in einer riesigen Voliere über die Besucher hinweg und stürzen auf ihre Beute herab. In Gebirgslandschaften fühlen sich Steinböcke und Gämsen wohl. Der Luchs springt behände von einem Baumstamm. Im Wasser tummeln sich Fischotter und Sumpfschildkröten. Die Waschbären nebenan sind putzig anzuschauen. In einer Art Höhle kann man die Flughunde besuchen. „Nur für starke Nerven“, verrät ein Schild.

Die Hauptattraktion: Das größte Wolfsrudel Europas

Die Hauptattraktion: Mit 32 Wölfen lebt im Zoo das größte Wolfsrudel Europas. Davon ist normalerweise nicht viel zu sehen, doch während der Fütterung zeigen sich einige und kommen hinter den Hügeln hervor. Fast zart wirken sie, scheu und intelligent. Diesen Eindruck bestätigt auch Ober-Tierpflegemeisterin Sandra Hertweck, die erklärt, wie die Tiere sich durch Mimik und Gestik verständigen, da sie im Rudel leben und jagen. Dem Wolf sehe man relativ schnell an, „wie er drauf ist“. Einem Bären im Gegensatz dazu nicht, denn er brauche die Mimik nicht, um sich im Rudel zu verständigen. Die mannigfaltigen Kommunikationsmittel der Wölfe koordinieren das Verhalten und das Leben in der Gruppe. Unterwürfigkeit wird zum Beispiel durch die Haltung der Rute signalisiert. „Im Rudel selbst kommt es nie zu schweren Verletzungen“, sagt Sandra. Die Jagderfolge werden gemeinsam errungen - im Gegensatz zu Tieren, die einzeln jagen und sich schon mal darum streiten. Die Fragen der Kinder prasseln auf sie ein. „Was jagen denn die Wölfe?“ „Rehwild und Wildschweine zum Beispiel, und das schaffen sie nur im Zusammenspiel“, erklärt Sandra. „Wie weit kann ein Wolf laufen?“ „Pro Woche kann er 200 bis 300 Kilometer zurücklegen.“

Der Wolf - heute wieder ein Thema auch in Deutschland

Überhaupt der Wolf. Heute ist er wieder ein Thema, seit man in Südbayern einen gesichtet hat. Bleibt es dabei? „Jedes Bundesland ist Wolfserwartungsland“, sagt Frank Hofmann, Diplom-Forstingenieur und Mitarbeiter des Wildparks. Und darauf möchte jeder Einfluss nehmen, Jäger, Landwirte. Manche denken gar, sie müssten ihre Kinder schützen und bedienen Mythen und Märchen.

Ist er gefährlich, der Wolf? Was sind eigentlich die herausragenden Eigenschaften der Wölfe für ihn? Der 44-jährige gelernte Förster überlegt: „Das ist diese Rudelgeschichte, der Familienverband. Sie leben ja nicht wie die anderen Raubtiere, die Einzelgänger sind, also wird 90 Prozent durch Mimik, Gestik, Körpersprache und Unterwürfigkeit abgeklärt.“ Den Interessenkonflikt, ob man den Wolf sich ansiedeln lasse oder nicht, den werde es aber immer geben. „Es wird Verluste an Haustieren geben“, ist sich Hofmann sicher, „in Rumänien holen sie auch Hunde, Schafe, Ziegen, Hühner, eventuell sogar Rinder von Höfen weg.“

Managementpläne zum Umgang mit dem Wolf

Schafe, darum geht es auch in Südbayern. Im Grunde ist da altes Wissen wieder gefordert und verloren Gegangenes muss wieder aufbereitet werden. „Früher wurden Schafe durch Herdenschutzhunde geschützt, die ganzjährig bei den Schafen lebten“, so Hofmann. Da habe der Wolf dann abgewägt, lohnt es sich, lohnt es sich nicht? Dieses Wissen ist in den Alpen erhalten geblieben und sollte reaktiviert werden. Da der Wolf keinen natürlichen Feind mehr hat, seien ein Regelwerk und so genannte Managementpläne nötig - entgegen aller Raubtierromantik. Vom Jäger wiederum wird der Wolf als Konkurrent gesehen. Die Rechtfertigung für die Jagd (das Wild hat keine natürlichen Feinde mehr, wir müssen es jagen) bekommt nun einen natürlichen Feind, den man nicht will. Da hilft nur Information von beiden Seiten. Zwischenfälle werden nicht ausbleiben. Der Wolf kommt. Ein gesellschaftliches Problem, das diskutiert werden muss. Frank Hofmann vom Wildtierpark Bad Mergentheim: "Menschen wird er aber in der Wildnis nicht angreifen."

Judith Weibrecht, Judith Weibrecht

Judith Weibrecht - Judith Weibrecht wurde in Fürth/Franken geboren. Schon früh sagte man ihr übertriebene Reiselust nach (angeblich von der ...

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