Sind gynäkologische Operationen immer sinnvoll?

Wenig Aufklärung über Gebärmutter-Entfernungen & Genital-Korrekturen

Vor Operationen fehlen oft Informationen über Heilungsverlauf und Komplikationen. Präventive Gebärmutter-Entfernung und ästhetische Genital-Korrektur sind risikoreich.

Gynäkologische Eingriffe jeder Art gehören zur täglichen Routine der Frauenheilkunde. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mich nicht so einfach operieren lassen“, diesen Satz hat Dr. Barbara Ehret in ihrer langjährigen Berufspraxis als Gynäkologin und Chefärztin im Median-Klinikum in Bad Salzuflen oft gehört.

„Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wird, erhalten in den Kliniken in der Regel erst am Vortag der bereits festgesetzten Operation ein Informationsblatt in die Hand gedrückt. Zu spät, um sich mit den möglichen Komplikationen auseinanderzusetzen. Die normalen körperlichen und seelischen Folgen, mit denen die Patientinnen danach zu rechnen haben, werden dort gar nicht beschrieben. Eine umfassende mündliche und schriftliche Information als Grundlage, sich für oder gegen die Operation zu entscheiden, müsste eigentlich schon in den Arztpraxen erfolgen. Dies ist aber nicht der Fall.“

Risiken einer Gebärmutter-Entfernung

Die Gebärmutter wird heute vorwiegend minimal invasiv entfernt. Bei dieser so genannten „Schlüsselloch-Chirurgie“ wird über einen Einstich im Bereich des Bauchnabels die Kamera mit Lichtquelle eingeführt, so dass der Operateur am Bildschirm arbeiten kann. Über zwei bis drei weitere Einstiche werden die Behandlungsinstrumente geführt. Die Operation erfordert viel Erfahrung und Geschick. Wenn dies nicht gewährleistet ist, gibt es zahlreiche Komplikationen während der Operation und danach. Nicht selten muss dann doch der Bauch geöffnet werden.

Die Frauen wissen meist weder bei der Gebärmutter-Entfernung per Bauchschnitt noch per Schlüsselloch-Chirurgie, wie die Heilung verläuft und mit welchen Beschwerden sie verbunden sein kann. „Viele Patientinnen klagen über Rückenschmerzen, da durch die Operation die Flexibilität der Bauchmuskulatur und damit die natürliche Stütze des gesamten Bewegungsapparates beeinträchtigt sind. Zudem sind Schmerzen im Damm und im Scheidenbereich realistisch. Auch Blutungen, Entzündungen, längerfristige Beschwerden an Blase und Darm können auftreten. Da die Operation die Eierstöcke in ihrer Funktion einschränkt, sind in zahlreichen Fällen Hormonschwankungen mit einem früheren Eintritt der Wechseljahre und depressive Verstimmungen die Folge“, erklärt die Frauenärztin. Viele Frauen klagen über ein manchmal vorübergehendes, manchmal aber auch anhaltendes Nachlassen ihres Lustempfindens, besonders wenn auch der Gebärmuterhals entfernt wurde.

Dr. Barbara Ehret – „Mutige Löwin“ im Kampf gegen überflüssige Operationen

„Viele Mediziner meinen noch immer, dass nach abgeschlossener Familienplanung und zur Vermeidung der lästigen Regel die Gebärmutter bei über 40-Jährigen keine Bedeutung mehr hat und raten auch zur Vermeidung von Krebs zur Unterleibsoperation. Die Operation wird so zu einer Art Lifestyle-Maßnahme", kritisiert Dr. Ehret.

Ende der 1990er Jahre wurden jährlich etwa 70.000 Gebärmutter-Entfernungen durchgeführt, heute ist die Zahl auf rund 125.000 Operationen im Jahr angestiegen. Für viele Beschwerden wie unregelmäßige Blutungen und Schmerzen gibt es schonende Behandlungen. „Es muss nicht immer gleich eine Operation sein“, weiß die Gynäkologin. Seit vielen Jahren engagiert sie sich gegen überflüssige Eingriffe. Im Jahr 2005 erhielt sie hierfür vom Deutschen Ärztinnenbund die Auszeichnung „Mutige Löwin“.

„Frauen sollen ihr Recht auf umfassende Information einfordern sowie sich genau überlegen, was eine Operation für sie bedeutet und welche Folgen sie hat.“ Dr. Ehret ermutigt Frauen, Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen und auch eine zweite ärztliche Meinung einzuholen, um die Notwendigkeit eines gynäkologischen Eingriffs zu prüfen.

Steigende Zahl ästhetisch bedingter Korrekturen an den Genitalien

Wie die Zahlen der Gebärmutter-Entfernungen steigen auch die ästhetisch bedingten Korrekturen an den weiblichen Genitalien. „Verkürzungen und Aufpolsterungen der Schamlippen – die so genannten Labien-Plastiken, Straffungen des Klitoris-Mantels, G-Punkt-Aufspritzungen und Rekonstruktionen des Jungfernhäutchens nehmen rasant zu. Gründe sind zum einen sicher die bei jungen Frauen beliebten Intimrasuren. Sie machen die anatomischen Unterschiede des weiblichen Körpers sichtbar. Auch der Wunsch nach gesteigerter sexueller Empfindung liegt den Operationen zugrunde“, so Dr. Ehret.

Genital-Operationen ohne wissenschaftliche Studien und Qualitätskriterien

In den USA hat die Zahl der ästhetischen Genital-Operationen in den letzten zehn Jahren um etwa das 600-fache zugenommen, in Großbritannien um zirka das 300-fache. „Die Frauen sollten sich hier einmal klar machen, dass für diese Eingriffe bis heute keine Qualitätskriterien formuliert wurden und keinerlei wissenschaftliche Studien vorliegen. Die Klitoriswurzel liegt in den kleinen Schamlippen, die weiblichen Lustzentren verbreiten sich unterirdisch über das ganze Genitale. Eine derartige Schönheitsoperation des äußere Genitale kommt einer Verstümmelung des weiblichen Sexualorgans gleich“, informiert Dr. Ehret. „Dass der einzelne Chirurg sein Handwerk versteht, davon sollte die Patienten nicht einfach blind ausgehen. Objektive Fakten über sachkundige und erfahrene Mediziner sind aber schwer zu bekommen.“

Umfassende Informationen zum weiblichen Körper, zu medizinischen Eingriffen und möglichen Folgen sowie zu anderen in der Medizin kontrovers diskutierten Themen wie Umgang mit Hormonen, Selbstzahlerleistungen (IgeL) Impfungen gegen den Gebärmutterhalskrebs (HPV-Impfung) und Mammografie-Screening erhalten Interessierte in dem Buch „Frauen – Körper – Gesundheit – Leben“, das Dr. Barbara Ehret zusammen mit Dr. Mirjam Roepke-Buncsak geschrieben hat. Auf 384 Seiten gibt es unter anderem Kapitel zu weiblicher Pubertät, Mammografie, Schwangerschaft, Wechseljahre, Myome oder Endometriose. Praxisnah, anschaulich geschrieben und gut lesbar werden auch medizinisch komplexe Zusammenhänge mit Hilfe zahlreicher Illustrationen und Fotos erläutert.

Dr. med. Barbara Ehret, Dr. med. Mirjam Roepke-Buncsak: Frauen – Körper – Gesundheit Leben. Das große Brigitte-Buch der Frauenheilkunde ist im Diana Verlag erschienen, EUR 21,95. ISBN 978-3-453-28513-2

Gabriele Brähler - Text,Konzept,Moderation; Berlin, Gabriele Brähler

Gabriele Brähler - Als umtriebige Rheinländerin bin ich mit einem kleinen Umweg über Portugal in Berlin heimisch geworden. Leidenschaftlich widme ich mich ...

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