Nach der Gründung einer Piratenpartei am 1. Januar 2006 in Schweden erfolgte im September 2006 die Gründung der deutschen Partei „Die Piraten“. Inzwischen befinden sich 45 nationale Piratenparteien in der weltweit operierenden Dachorganisation der Piraten mit Sitz in Brüssel. Die ersten Mandate erhielten Vertreter der Piraten bei den Kommunalwahlen 2009 in Nordrhein-Westfalen. Die Mitgliederzahl bei den deutschen Piraten stieg von anfänglich 1.000 über 10.000 im Oktober 2009 bis augenblicklich rund 30.000.

Der Siegeszug in die Parlamente

Erstmals schafften die Piraten ihren Einzug in einen Landtag bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September 2011 mit 8,9 Prozent der Stimmen und erhielten 15 der 149 Sitze. Das nächste Parlament wurde erreicht bei der Landtagswahl im Saarland am 25. März 2012, als sie 7,4 Prozent der Stimmen und damit 4 Sitze im Landtag erhielten. Am 6. Mai 2012 gelang den Piraten auch der Einzug in den Schleswig-Holsteinischen Landtag mit 8,2 Prozent der Stimmen. Das entsprach 6 der insgesamt 69 Landtagssitze. Schon eine Woche später erreichten die Piraten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 7 Prozent der Stimmen und somit 20 der 237 Abgeordnetensitze.

Nach dem Marsch in die Landtage auch in den Bundestag? Bedenken beim Experten

Die Piraten ziehen in schöner Regelmäßigkeit in die deutschen Parlamente ein, erreichen für politische Neulinge eine beachtliche Prozentzahl an Stimmen und befinden sich auf dem Marsch in den Deutschen Bundestag.

Aber der ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn sieht für die Piraten keine allzu große Zukunft. Er ist der Überzeugung, dass es in Deutschland eine Gruppe von „Nomadenwählern“ gibt. Diese Nomadenwähler hätten 2009 der FDP ihre Stimme gegeben und nun sind sie eben bei den Piraten gelandet. „Was spricht dafür, dass die Nomaden nicht weiterziehen werden", so seine Schlussfolgerung.

Andererseits können die Piraten nach dem jüngsten ZDF-Politbarometer vom 15. Juni 2012 mit sieben Prozent der Stimmen rechnen und auch in den Deutschen Bundestag einziehen.

Erst meutern. Dann regieren?

Was macht das Phänomen Piraten aus? Dieser Frage geht ein Autorenteam von NDR und SWR nach. Was haben die Piraten zu bieten. Reicht das Urheberrecht zum Entern des Establishments? Oder bleibt es beim Copy & Paste wie in Schleswig-Holstein? Wie kommen die Piraten mit Rechtsradikalen in ihrem Umfeld klar? Die Autorin Anika Giese vom NDR war in Schweden auf Piratensuche und ist den Spuren von Torge Schmidt und Angelika Beer im Wahlkampf in Schleswig-Holstein gefolgt

Thomas Schneider vom SWR beobachtete den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen. Übernehmen Computer und Internet die überkommene Rolle von Kohle und Stahl?

Ralf Hoogestraat vom NDR sah sich bei den „etablierten" Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus um und besuchte in Bayern die AG 60plus, die zeigt, dass Piraten auch Senioren-Politik gestalten wollen.

Gespaltene Meinung bei den „Altpolitikern“

Heinz Riesenhuber von der CDU ist Alterspräsident des Deutschen Bundestages. Er hat in seinem politischen Leben hat schon einige politische Strömungen und Personen kommen und gehen sehen. Riesenhuber ist von den Piraten fasziniert: „Ich muss sagen, es ist schon eine sehr bewegende, beeindruckende und interessante Geschichte, zu sehen, wie so eine neue Gemeinschaft sich formt."

Erhard Eppler, der SPD-Politiker im Ruhestand im Schwabenland, sieht die Piraten, deren Thesen und deren Wirken sehr distanziert und fragt: „Möchten Sie jemanden wählen, der bei jeder Entscheidung, die er zu treffen und zu verantworten hat, sagt, jetzt muss ich erst einmal über das Internet die Basis befragen?"

Die Zukunft aus der Sicht der Piraten

Nur beispielsweise sollen hier zwei Personen zitiert werden. Torge Schmidt, Listenerster bei der Landtagswahl und Pirat aus Schleswig-Holstein, ist das Bestehen oder die Dauer der politischen parlamentarischen Arbeit egal; ihm geht es um die Ideale: „Es geht darum, dass diese Ideale, die Art und Weise, Demokratie zu leben, weiter geführt werden, und ob es die Piratenpartei gibt oder nicht, ist nebensächlich."

Realistischer ist da die Einschätzung des in Neumünster neu gewählten Bundesvorsitzenden der Piratenpartei, Bernd Schlömer. Schlömer will die Partei ehrenamtlich geführte Partei weiterentwickeln und braucht dafür Geld. Er formuliert sein Ziel so: „Ich würde mir wünschen, dass wir eines Tages auch in der Lage sind, diejenigen Kräfte zu bezahlen, die die Grundarbeit machen. Das gehört zur Professionalisierung einer Partei dazu."

Quelle: Das Erste-Pressemeldung, Das Erste Programmhinweis, Homepage Piraten