2012 Junglandwirte ohne berufliche Zukunft?

Alternativen durch den Bio-Anbau und Hilfe durch die Bio-Offensive

Kuh im Stall - Monika Hermeling
Kuh im Stall - Monika Hermeling
Biologisch angebaute Lebensmittel werden von Verbrauchern verstärkt gekauft. Bauernverbände weisen auf die entstehenden Marktchancen für Junglandwirte hin.

Nach biologisch angebauten Nahrungsmitteln, wie Weizen, Roggen und Gerste, Äpfel und Kohl sowie tierische Produkten sehnen sich momentan viele Menschen nicht nur in Deutschland. Obwohl Bio-Obst und Gemüse im Verkauf oft etwas teurer ist als konventionell angebaute Lebensmittel, finden sie mühelos ihre Käufer. Diese sind oft in der LOHAS-Bewegung, die das Genießen in den Vordergrund ihrer Bedürfnisse stellt, zu finden. Trotzdem zeigt sich, dass das finanzielle Überleben der Höfe und eine früher selbstverständliche Weitergabe des Betriebes an die Nachkommen nicht mehr gesichert ist. Milchquotenregelung, BSE und Schweinegrippe machen den jungen Landwirten das Leben schwer. Sie sind seit geraumer Zeit besorgt und zweifeln anhand der Entwicklung im ländlichen Raum an einer gesicherten Zukunft für die Junglandwirte.

Die Bauernverbände fordern strengere Lebensmittelkontrollen in der EU

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Biberach-Sigmaringen, Gerhard Glaser, mahnt, dass baden-württembergische Agrarbetriebe nur dann auf dem Markt bestehen können, wenn neue Wege in Richtung Qualitätsgarantie und Herkunftssicherheit beschritten werden. Er fordert dringend einen „Lebensmittel-TÜV“ um dem Verbraucher für den gesamten EU-Raum einen hohen Qualitätsstandard zu garantieren. „Kein Auto aus dem Ausland dürfe auf deutschen Straßen fahren wenn es nicht den deutschen Vorschriften genüge“, erklärte der Kreisobmann. Das sei bei Lebensmitteln bisher nicht so.

In vielen Zusammenkünften, in denen Landwirte und Politiker zusammentreffen, wird die derzeit nicht einfache Situation in den landwirtschaftlichen Betrieben angesprochen und nach Wegen für eine gesicherte Zukunft gesucht. Gerhard Glaser stellt in Gesprächen immer wieder heraus, dass ein Umdenken der Landwirte im Umgang mit den Verbrauchern Not tut. Auch in der Landwirtschaft sei "der Kunde König“. Die Verbraucher begutachten kritisch, qualitätsbewusst und herkunftsinteressiert Ware sowie Grund und Boden. Vertrauen und Sicherheit beim Einkauf seien das, worauf es ankomme. Dieses Umdenken unterstütze auch die Bundesernährungsministerin Renate Künast.

„Über die Ziele sind wir uns weitgehend einig, über die Wege müssen wir reden“, so Kreisobmann Glaser. Die Landwirte seien bereit, sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Das könnten sie aber nur, wenn mit den neuen Produktionsrichtungen und -methoden die Existenz ihrer Familien gesichert sei.

In diesem Zusammenhang wird zukünftig der LOHAS-Trend eine wichtige Rolle in der Marktwirtschaft spielen. Auch die Frage, ob Bio-Ost und Gemüse gesünder ist.

Die politischen Richtlinien müssen sich verbessern

Glaser machte deutlich, dass die Politik gefordert sei. Es gäbe gute Gründe, zum Beispiel an dem Verbot für die Fütterung von Tiermehl festzuhalten. Was nütze es aber dem Verbraucher, wenn Deutschland daran festhalte, ein großer Teil der anderen EU-Staaten aber nicht mitziehe. Das in diesen Ländern erzeugte Fleisch gelange dann ohne besondere Kennzeichnung über Drittländer in die Fleischtheke unserer Supermärkte. Die EU-Richtlinien könne solche Praktiken, auf Grund der Rechtslage, nicht verhindern. Der Verbraucher sei nicht in der Lage die Herkunft einwandfrei nachzuvollziehen. Hier müsse sich die deutsche Politik für EU-weite einheitliche Gesetze und Produktionsrichtlinien, zum Schutz der Verbraucher, einsetzten. Die Rahmenbedingungen, um hochwertige Lebensmittel zu erzeugen, seien in der EU nicht standardisiert. Das gelte auch für den Einsatz von Pflanzenbehandlungsmitteln und Haltungsbedingungen der Tiere. Die deutsche Politik müsse sich für eine Standardisierung der Lebensmittel aller Herkunftsländer, der den hohen Ansprüchen deutscher Verbraucher gerecht wird, stark machen, betonte Glaser. Er dürfe nicht von Billigangeboten minderwertiger Qualität getäuscht werden.

Zu geringes Wachstum der Bio--Anbaufläche

Die Stiftung Ökologie und Landbau, SÖL, will mehr heimische Erzeuger und Junglandwirte für den Öko-Landbau gewinnen. Sie macht darauf aufmerksam, dass in Deutschland eine große Nachfrage nach Bioprodukten besteht, die Bio-Anbauflächen aber, mit einem Wachstum von etwa sechs Prozent jährlich, nicht ausreichen würden. Aus diesem Grund müssten Bio-Lebensmittel aus dem Ausland eingeführt werden.

Die Bio-offensive soll es richten

Um mehr Landwirte zum Umstellen auf Bio-Landbau zu gewinnen, hat die SÖL, zusammen mit dem Verband der Landwirtschaftskammern (VLK), die Stiftung Bio-Offensive ins Leben gerufen. Bei ihr können Landwirte, die einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb haben, erfahren, wo ihre Chancen im Bio-Markt liegen. Gleichzeitig werden sie mit Abnehmern von Bio-Produkten zusammengeführt.

Jan Plagge, Geschäftsführer der Bioland Beratung, ist Projektleiter der Bio-Offensive und kann, gemeinsam mit Handels- und Verarbeitungsbetrieben, folgende Leistungen anbieten:

  • Etablierte Berater die einen „Betriebs-Check“ durchführen
  • Diese analysieren, gemeinsam mit dem Betriebsleiter, ob die Voraussetzungen für eine Umstellung gegeben sind und sich rechnen werden
  • Die potenziellen Kunden werden „mitgebracht“

Jan Plagge stellt heraus, dass den Reiz der Initiative das Zusammenführen von Lieferanten und Abnehmern und ihre handfesten Marktchancen ausmache. Die beteiligten Unternehmen profitieren zweifach: Erstens durch die neuen Kontakte zu möglichen Lieferanten, zweitens von sehr fundierten Daten über die Potenziale dieser Betriebe.

Dr. Uli Zerger, geschäftsführender Vorstand der SÖL: „Die Menschen, die Bio kaufen, wollen am liebsten heimische Produkte. Also brauchen wir deutlich mehr heimische Erzeuger. Die Bio-Offensive gibt uns die Möglichkeit, neue zuverlässige Lieferanten für die Bio-Branche zu gewinnen.“

Die Bio-Offensive startet mit Unterstützung des Deutschen Bauernverbandes (DBV) und der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) begleitet das Projekt beratend.

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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