Habichtskauz – kleiner Sensationserfolg im Habichtskauzprojekt

Habichtskauz-Küken - Marc Graf
Habichtskauz-Küken - Marc Graf
Der seit Jahrzehnten in Österreich ausgestorbene Eulenvogel nistet sich, dank der verschiedenen internationalen Artenschutzprojekte, erfolgreich wieder ein.

Nirgendwo sonst erweist sich die Tierhaltung und Nachwuchsarbeit der Zoos und Tiergärten als so ausnehmend positiv, als in Artenschutzprojekten. Sogar Zoogegner müssen dann ihre Argumente zur Schließung der Zoos einpacken, wenn es wieder einmal gelingt dem drohenden Artensterben ein Schnippchen zu schlagen. Ein aktueller positiver Fall ist die Wiederansiedelung von Habichtskäuzen in Mitteleuropa.

Ein Habichtskauz-Küken in freier Natur wieder geschlüpft

Wildbiologe Dr. Richard Zink, der Projektleiter vom Habichtskauzprojekt in Österreich kann mit einer Sensationsmeldung im Frühsommer 2011 aufwarten: "Zum ersten Mal ist in der Krone einer mächtigen Rotbuche ein kleines Habichtskauz-Küken im Freiland wieder geschlüpft. Seine Eltern haben im letzten Herbst zusammen gefunden, den kalten Winter gemeinsam überstanden und im Frühling einen Nistplatz ausgewählt. Das Weibchen wurde im Jahr 2009 geboren und im Alter von vier Monaten freigelassen. Das Männchen ist ein Jahr jünger; es kam aus der Eulen- und Greifvogelstation Haringsee in den Wienerwald. Wie bei Habichtskäuzen üblich, werden sich die Elternvögel lebenslang treu bleiben", so lautet die vergnügliche Pressemeldung des FIWI (Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie). Damit wird eine Zwischenbilanz im Habichtskauzprojekt fällig.

Das Habichtskauzprojekt in Österreich

Vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, gemeinsam mit dem Land NÖ (Niederösterreich) und den Österreichischen Bundesforsten läuft, wie 2006 gefordert, ein Projekt zur Wiederansiedelung des Habichtskauzes im Großraum Wien/Niederösterreich. Unterstützt von Zoos aus Österreich, etwa Schönbrunn oder dem Innsbrucker Alpenzoo und anderen Tiergärten, die im Rahmen der Österreichischen Zoo Organisation (OZO) für Artenschutz und Nachzuchten zusammen arbeiten, wurden im Lauf der letzten Jahre immer wieder Habichtskauz-Jungtiere gezüchtet. Auch international sorgten etwa der Tierpark Nürnberg, der Zoo Magdeburg oder auch die Zuchtstation Montowl in Monticello in Italien für weiteren Nachwuchs.

In betreuten Zwischenstationen wurden die Jungvögel auf ihr freies Leben vorbereitet. Einige dieser Tiere wurden im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet um den Dürrenstein ausgewildert. Einer dieser Jungvögel, "Hans" aus der Greifvogelstation Haringsee, konnte etwa 2009 mit Hilfe eines winzigen Mikrochips in der Nähe seines ursprünglichen Freilassungsplatzes beobachtet werden. Er hat sich hier sein eigenes Revier gesucht und gespannt wartet man, ob er nun auch noch das zur Familienplanung erforderliche passende Weibchen finden wird. Vielleicht wird Hans dann 2012 der nächste erfolgreiche kauzige Papa?

Niederösterreich und Wienerwald als Drehscheibe für Mitteleuropa

Im mitteleuropäischen Verbreitungsgebiet könnten die beiden geschützten Bereiche künftig als „populationsbiologische Drehscheibe“ fungieren. Ziel der Populationskeimzellen durch regelmäßige Freilassung ist ihre Anbindung an die nächstgelegenen Vorkommen in den Nachbarländern Tschechien, Slowenien, der Slowakei und dem wiederangesiedelten Vorkommen im Bayerischen Wald. Bis etwa 1925 war der Kauz im Bayrischen Wald noch Brutvogel. Im Bayrischen Wald geschah die Wiederansiedelung bereits in den 1970er Jahren. Allerdings ließen sich erste Bruterfolge erst nach zehn Jahren nachweisen. Im Nationalpark Sumava im Böhmerwald werden seit 1995 erfolgreich Habichtskäuze ausgewildert. Bisher fehlte aber das so wichtige Bindeglied, das auch noch über die Alpen, nämlich als Brücke für die noch vorhandenen Brutgebiete in Italien, dient. Der Beginn sieht jedenfalls einmal nicht schlecht aus

Nistkästen für das Habichtskauzprojekt

Ein richtiges Nistkasten-Netzwerk wird den freigelassenen Vögeln bereitet, damit mit der Nachwuchsplanung auch wirklich alles gut geht. In den naturnahen Waldbeständen der beiden ausgesuchten Gebiete wurden über 50 Nistkästen montiert. Hergestellt wurden die Nichtkästen von den hilfsbereiten Mitarbeitern der Magistratsabteilungen, der MA 48 (Abfallwirtschaft...) und MA 49 (Forstamt...), der Stadt Wien. Sponsoren haben dies dankenswerterweise ermöglicht. Dass sich größtenteils allerdings Waldkäuze, die derzeit nicht gefährdet sind, dankbar für die Wohnungshilfe zeigten und sich eingenistet haben, tut der Sache keinen Abbruch. Allerdings ist auch das ein Signal dafür, dass Wohnraum für Vögel, also alte Bäume, sogenanntes Totholz, rar ist.

Steckbrief: Habichtskauz (Strix uralensis)

Den Namen erhielt der Kauz, weil sein Flugbild durch die breit gebänderten Schwanzfedern dem des Habichts ähnelt. Der biologische Name "Strix uralensis" erzählt dagegen bereits von seinem Ansiedlungsgebiet, nämlich der Verbreitung von Mitteleuropa bis in den Ural, er wird auch gelegentlich als „Uralkauz“ bezeichnet.

Das Gefieder des Habichtskauzes ist dem vom Waldkauz ähnlich, allerdings kontrastreicher. Nach dem Uhu ist er der zweitgrößte Eulenvogel. Der Vogel wird etwa 54 bis 61 cm groß, das Männchen hat eine Flügelspannweite von 115 cm, das Weibchen eine von 125 cm. Das Männchen kann ein Gewicht von etwa 730 g erreichen, das Weibchen bis zu 1.200g.

Die Brutvögel sind zeitlebens sehr sesshaft und entfernen sich gewöhnlich nicht weiter als zwei - drei km von ihrem Brutplatz. Auch die Jungvögel entfernen sich im ersten Herbst nicht weiter als maximal etwa 100 km von ihrem Geburtsort entfernt.

Zum erfolgreichen Leben benötigt der Habichtskauz bevorzugt einen Rotbuchenbestand mit Altbäumen, aber ebenfalls Lichtungen und freie Bereiche, wo er im niedrigen Sichtflug auf die Jagd von Mäusen und Spitzmäusen gehen kann. In freier Wildbahn werden Habichtskäuze maximal 22 Jahre, in Betreuung bis zu 30 Jahre alt.

Fotonachweis: alle Bilder Habichtskauzprojekt; Küken Marc Graf

Quellen: der blaue Kreis 3/2010; www.habichtskauz.at;

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Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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