
- Haie in Costa Rica - Corwin von Kuhwede
Viele Taucher kommen nach Costa Rica, um Haien zu begegnen. Verschiedenste Arten sind dort heimisch. Doch die schönen Jäger der Meere sind auch im Naturparadies Mittelamerika in großer Gefahr.
Haiarten in Costa Rica und Mittelamerika
In Costa Rica sind etwa 40 Haiarten heimisch, die meisten davon bevorzugen den Pazifik im Süden des Landes. Haie der Gattung Mustelus – Hundshaie – sind in relativer Nähe zum Ufer häufig anzutreffen. Ebenfalls häufig ist der Weißnasenhai. Beide Arten sind ausschließlich entlang der Zentralamerikanischen Pazifikküste verbreitet. Auch Scharfnasenhaie aus der Familie der Requiemhaie kreuzen in costaricanischen Gewässern.
Die auf Tauchgängen am häufigsten anzutreffenden Haie sind Weißspitzenriffhaie. Beim Tauchen in Costa Rica vor der Küste von Guanacaste im Südwesten und besonders vor der Isla de Caño nahe der Halbinsel Osa werden sie häufig gesichtet. Besonders bekannt ist Costa Rica für seine Bogenstirnhammerhaie, die im Nationalpark Isla de Coco manchmal zu Hunderten an den Felsformationen unter Wasser vorbeiziehen.
Ein weiterer Hai, der die Küstengewässer bevorzugt, ist der Bullenhai. Er schwimmt bisweilen den Fluss Sirena der Halbinsel Osa hinauf oder in den Fluss San Juan, der zwischen Costa Rica und Nicaragua verläuft. Unter den pelagischen Arten Costa Ricas sind der Seidenhai, der Drescherhai und verschiedene weitere Arten von Hammerhaien. Von Zeit zu Zeit ziehen auch die großen Walhaie durch den Pazifik an dem kleinen Land vorbei.
Haiangriffe in Costa Rica
Lediglich zehn Unfälle mit Haien sind bis heute im Global Shark Attack File registriert. Die meisten davon liegen Jahrzehnte zurück, kein einziger war tödlich. Verletzungen reichen von Schürfwunden an der Haut bis zu Bissen in die Extremitäten. Zu den meisten Begegnungen kam es in der Pazifikregion, ein einzelner Fall von 1956 beschreibt einen Unfall mit einem Bullenhai im Río San Juan.
Ohnehin sind die Bullenhaie die einzige Art, der in Costa Rica spezifisch Angriffe zugeschrieben werden.
Die jüngsten registrierten Haiunfälle stammen aus dem Jahren 2002 und 2003, wo es jeweils einen Fall mit einem Surfer ohne größere Verletzungen gab. Beim letzten Eintrag von 2007 ertrank eine Person und wurde später mit Bisswunden geborgen.
Jagd und Gefährdung der Haie in costaricanischen Gewässern
Haie gehören zu den am stärksten gefährdeten Meerestieren. Sie enden als Beifang an 50 Kilometer messenden Langleinen, landen als Schillerlocke auch auf deutschen Tellern und müssen ihre Kiefer an Touristen in tropischen Ländern verscherbeln lassen. Zig Millionen Haie müssen außerdem Jahr für Jahr nur für eines sterben: Ihre Flossen. In Asien gelten sie als teure Delikatesse, die in geschmacksfreien Suppen verarbeitet werden.
Fischer aus China und Taiwan jagen zusätzlich zu den einheimischen Booten schon seit vielen Jahren auch in costaricanischen Gewässern. Da der Bestand der Haie weltweit bereits um 90 Prozent reduziert ist, müssen weite Wege zurückgelegt werden, um noch welche zu finden.
Costa Rica als Feind der Haie – Der Film „Sharkwater“
2007 erschien der Film „Sharkwater“ des kanadischen Regisseurs Rob Stewart. Während dieser Film einen wichtigen Beitrag dazu leistete, das brutale und von der Öffentlichkeit fast unbeachtete Schicksal der Haie weltweit publik zu machen, wurde dadurch auch in Costa Rica selbst einiges bewegt.
Die Dokumentation deckte Machenschaften einer von Puntarenas aus operierenden Hai-Mafia auf. Die Aufnahmen zeigen, wie - ermöglicht durch Korruption und Ignoranz - unzählige Haie selbst in den geschützten Gewässern vor der Isla de Coco gefangen werden. Diese Insel 500 Kilometer vor dem costaricanischen Festland gehört zum UNESCO Weltnaturerbe und ist für große Schulen von Hammerhaien bekannt, die dort mit der Strömung ziehen. Bei der Jagd wurde meist die besonders grausame Methode des Finning angewendet, bei der den lebendigen Haien die Flossen vom Laib geschnitten und der Körper als Abfall zurück ins Meer geworfen wird, um qualvoll zu verenden.
Maßnahmen zum Schutz der Haie in Costa Rica
„Sharkwater“ wirft ein sehr schlechtes Licht auf die Behörden von Costa Rica. Ein Land, das vom Ökotourismus abhängig ist, klagt einen Filmemacher und dessen Gefährten nach einer Auseinandersetzung auf See des angeblichen versuchten Mordes an mehreren Fischern an, während diese, die illegalen Haifang betrieben haben, völlig unbeachtet bleiben. Nicht nur in Costa Rica selbst, wo Stewarts Aufnahmen empörte Proteste der Öffentlichkeit gegen die Haijagd auslösten, wurde durch diese Dokumentation ein starker Druck auf die Regierung ausgeübt.
In den vergangen Jahren sind deshalb verschiedene Maßnahmen erarbeitet worden, an denen eine Reihe von Behörden und Nichtregierungsorganisationen, die sich um Umwelt, Ressourcen und Fischfang in Costa Rica kümmern, beteiligt sind. Im April 2007 verpflichtete sich Präsident Oscar Arias im Rahmen des Programms „Paz con la Naturaleza“ (Frieden mit der Natur) zur Erarbeitung von Arbeitsplänen zum Schutz der Haie und deren Umsetzung.
An Flotten, die sich ausschließlich auf Haifang spezialisieren, werden in Costa Rica eine Fanglizenzen erteilt, Flossen ohne Körper dürfen nach Rechtslage nicht an Land gebracht werden. Im Rahmen der neuen Programme wird die Entladung von Fangbooten stärker überwacht. Illegale Jagd auf Haie im Nationalpark Isla de Coco soll mit besserer Ausrüstung überwacht werden.
Ob die Maßnahmen Wirkung zeigen und eingehalten werden, ist bisher kaum dokumentiert. Für das Überleben der Haie ist es von entscheidender Bedeutung, dass alle Beschlüsse nicht nur auf dem Papier existieren. Der Bestand der Seidenhaie, der in Costa Rica am häufigsten gefischten Art, ist schon heute um 98 Prozent reduziert.
Lesen Sie hier auch über Hannes Jaenicke, der sich in einer aufrüttelnden Dokumentation im ZDF für die Haie einsetzt und dabei auch Costa Rica besuchte.
Quellen:
- Film „Sharkwater“, Kanada 2007, Regisseur und Produzent Rob Stewart
- Haischutzorganisation "Misión Tiburón" in Costa Rica
- Ministerio de ambiente, energía y telecomunicaciones Costa Rica
