HALMA vernetzt die Literatur in Europa

Kooperation europäischer Literaturinstitutionen

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Das Netzwerk HALMA wird um fünf neue Häuser erweitert und vergibt ab 2009 auch Stipendien an Übersetzer.

Bei HALMA zuerst an das Brettspiel zu denken, ist gar nicht verkehrt. So wie dort die Spielsteine in neue Häuser gebracht werden, so arbeitet das Netzwerk HALMA daran, europäische Autoren außerhalb ihrer Heimatländer den Lesern nahe zu bringen.

Gegründet wurde das Netzwerk 2006 vom Literarischen Colloquium Berlin, der Robert Bosch Stiftung und der polnischen Stiftung Borderland. Mittlerweile besteht es aus 27 unterschiedlichen Institutionen, wie etwa Verlagen, Literaturhäusern, Übersetzerzentren. Wie der Präsident von HALMA im Interview mit euro|topics erklärte, sieht HALMA seine wichtigste Aufgabe darin, Lesungen zu veranstalten, und zwar an kleinen intimen Orten. Angestrebt wird ein möglichst direkter Austausch, wie ihn große Festivals nicht bieten können. Einen Überblick über die Lesungen findet man auf der Webseite unter Stipendien/Events.

Fünf neue Häuser für das Netzwerk

Zu Beginn der gemeinsamen Arbeit lag der Schwerpunkt auf den Ländern Mittel- und Osteuropas, dort wollte man den Austausch fördern. Inzwischen begreift sich HALMA als gesamteuropäisches Projekt und baut das Netzwerk auch im Westen Europas aus. Seit Dezember 2008 sind ebendort fünf neue literarische Zentren hinzukommen: die Alte Schmiede (Österreich), die Santa Maddalena Stiftung (Italien), die Stiftung Schloss Leuk (Schweiz), Ty Newydd (Wales) und das Tyrone Guthrie Centre (Irland). Die Alte Schmiede in Wiens Schönlaterngasse ist bekannt für ihre Lesungen, Diskussionen und Literaturfestivals. Die Santa Maddalena Stiftung nahe Florenz beherbergt schon seit Jahren Schriftsteller und fördert Autoren der Belletristik und Botanik. Ty Newydd ist ein walisisches Schriftstellerzentrum, in dem auf Englisch und Walisisch kreatives Schreiben unterrichtet wird und das ebenfalls Autoren eine Rückzugsmöglichkeit zum ungestörten Arbeiten bietet. Das irische Tyrone Guthrie Centre beherbergt bis zu elf Künstler um sie in ihrer kreativen Arbeit zu unterstützen, wie es dem letzten Willen von Sir William Tyrone Guthrie entsprach, der sein Anwesen dafür zur Verfügung stellte.

Stipendien für Schriftsteller und Übersetzer

Ein weiterer wichtiger Pfeiler der Netzwerk-Arbeit besteht in der Vergabe von Stipendien. Seit 2008 erhalten Schriftsteller die Möglichkeit zwei Monate lang von HALMA-Haus zu Haus zu reisen. Mindestens zwei Gastländer werden besucht, um Kontakte zu knüpfen die Literatur des Landes besser kennenzulernen und sein Heimatland zu (re-)präsentieren. Diese Reisen sollen dazu dienen, zu arbeiten, zu forschen, sich fortzubilden und Projekte zu realisieren. Abschließend verfasst der Stipendiat einen Essay, eine Übersetzung oder einen literarischen Text zu dieser Reise, der in der Online-Bibliothek auf der HALMA-Webseite veröffentlicht wird.

Das Stipendium beinhaltet 1.000 Euro im Monat zuzüglich eines Reisekostenbudgets von 750 Euro. Aber – Lebenslauf und Textproben können zurück in die Schublade – eine Eigenbewerbung ist nicht möglich. Ausgewählt werden die Autoren jeweils in ihrem Heimatland.

Ab 2009 kommt nun auch ein Stipendienprogramm für Übersetzer hinzu, das von der Robert Bosch Stiftung ermöglicht wird.

Siehe auch: Netzwerk HALMA gewinnt den Einheitspreis 2008

Pia Helfferich, Pia Helfferich

Pia Helfferich - Pia Helfferich ist Autorin und schreibt nebenher Rezensionen und Artikel für die Zeitschriften Federwelt, TextArt und Buchkultur. Sie ...

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