
- Streifzüge auf dem Kiez - Edition Nautilus
Hamburg ist nicht nur St. Pauli. Einige Stadtbewohner schämen sich sogar des Stadtteils, der so viele Gegensätze verkörpert wie kein anderer Stadtteil in ganz Deutschland. Widersinnigerweise ist St. Paulier wie viele Besucher nicht wissen, zwar das touristische Aushängeschild Hamburgs ,gleichzeitig aber auch der ärmste Stadtteil der Hansestadt. Um auf diese Differenzen und den daraus erfolgenden Missstand aufmerksam zu machen und eine finanzielle Abhilfe zu forcieren, hat eine Vereinigung von Schriftstellern und Schriftstellerinnen St. Pauli kurzerhand zum Kurort ausgerufen und sich selber zur „Kurverwaltung St. Pauli“ ernannt.
Sonntagmorgen zwischen sieben und acht Uhr
Kurdirektoren sind unter anderen Harry Rowohlt, Tina Uebel und Gunter Gerlach. Durch Zahlung einer „Kurtaxt“ kann jeder der will, in den Genuss eines „Kurschattens“ kommen, der einen unkonventionellen Rundgang über die wohl ungewöhnlichste Kurpromenade der Welt anbietet. Wer das tatsächliche Leben scheut oder nicht an sich herankommen lassen möchte, kann sich durch das Buch: St.Pauli – Streifzüge auf dem Kiez, herausgegeben von Gudrun Hammer inspirieren lassen. Der Lesende wird durch das Buch an all die bekannten, aber auch an versteckte Orte, trendige Szeneschuppen und triste Eckkneipen, St.Pauli-Fan-Lokale und Strip-Bars, die Davidwache und die Gedenktafel des Star-Clubs, die Herbertstraße und ein traditionelles Bordell, geführt. Die im Buch abgebildeten Reeperbahnfotografien wurden von der Fotografin Silke Goes am Sonntagmorgen zwischen sieben und acht Uhr sowie während des Schlagermove aufgenommen.
Und Stiefel werden bei Hundertmark gekauft
Der Stadtteilführer "Streifzüge auf dem Kiez", ist für all diejenigen lesenswert, die einen Hamburgurlaub planen und sich vorab schon einmal ein wenig darauf einstimmen wollen, aber auch für Menschen, die mit den Orten, Menschen und der Reeperbahn ein Wiedersehen per Buch feiern wollen, denn hier menschelt es, kommt man den fremden und eigenen Gefühlen sehr nah. Der Streifzug beginnt mit einer Ortsbeschreibung von St.Pauli. Zitat von Harry Rowohlt: „Auf der Reeperbahn tags um halb eins: Ich kauf mir Stiefel bei Hundertmark. Auf meine Frage, ob man hier irgendwo austreten könne, sagt die Verkäuferin: „Das machen sie mal draußen gegen die Container. Da müssen sich die Stiefel sowieso dran gewöhnen.“
Vordergründige lässige Ruhe im „Kurort“
Es folgt ein Bericht eines „Kurschattens“, der von den Gewohnheiten der meist kleinbürgerlichen Besucher berichtet. Es wird ein ganz normaler Tag eines Jugendlichen in St. Pauli beschrieben, und vom Alltag der Leute die dort wohnen, wo andere sich amüsieren wollen. Jeder sollte es, wenigstens einmal im Leben miterlebt haben, das besondere Gefühl der Stadtteilbewohner untereinander, die lässige Ruhe auch noch dann, wenn etwas extrem Ungewohntes passiert. Um sich vor Ort und zu Hause orientieren zu können, ist am Ende des Buches eine Straßenskizze erstellt und dazu die Orte angekreuzt, die zu einem Standartbesuch auf St. Pauli, nach Meinung der vielen Tausend Besucher die jährlich das Vergnügungsviertel aufsuchen, gehören.
Von der Wiege bis zur Bahre, alles wird im Buch erwähnt
Vom „Abendmahl“, übers „Albers Eck“, dem „Cafe Keese“, der „Davidwache“, der „Heilsarmee“, dem „Panoptikum“ und den vielen anderen Örtlichkeiten ist fast keine Sehenswürdigkeit in St. Pauli ausgelassen. Kneipen, Polizei, Bars, Vergnügungslokale, Kirche, Theater, Polizei, Bordelle, Panoptikum, von der „Wiege bis zur Bahre“ ist alles dabei. Die Geschichten berühren, zeigen das Leben hinter der schillernden Abendfassade, bestätigen Vermutungen, regen erotisch an, zeigen eine Welt, die von vielen Bürgern ignoriert, heimlich aber gerne aufgesucht wird.
Die Autoren: Justine Baltrusch, Robert Brack, Robert Cohn, Gunter Gerlach, Silke Goes, Frank Göhre, Gudrun E. Hammer, Jutta Heinrich, Birgit H. Hölscher, Tania Kibermanis, Maria Lamparter, Renate Langemach, Larissa Rode, Harry Rowohlt, Frank Schulz, Birgit Stobbe, Tina Uebel, Sieghard Wilm.
