
- In Hamburg an der Elbe - Thomas Peter
Wer noch nicht da war, glaubt es kaum: Hamburg ist die reinste Wasserstadt! Alster und Bille münden hier in die Elbe, und obwohl die Nordsee noch gute 100 Kilometer entfernt ist, macht sich der Meereseinfluss allenthalben bemerkbar. Wer etwa in Blankenese oder Wittenbergen zur 500 Meter breiten Elbe hinunterspaziert, wähnt sich bereits am Meer, denn hier gibt es nicht nur ausgedehnte Sandstrände, sondern auch Ebbe und Flut. Der Tidenhub im Hafen etwa beträgt zwischen drei und vier Metern. Kommt jetzt auch noch ein Dampfer den Fluss heruntergeschippert, dann sorgt der »Schwell« dafür, dass schon mal eine meterhohe Welle an den Strand läuft.
Unterhalb von Altona teilt sich die Elbe in die Norder- und die Süderelbe, sodass auf diese Weise der ganze Stadtteil Wilhelmsburg zur Insel wird. Im Norden hat man die Alster zur Binnen- und Außenalster angestaut und so mitten in der Stadt eine Seenlandschaft geschaffen.
Fleete durchziehen das ganze Hamburger Hafengebiet
Von der Anlegestelle »Jungfernstieg« aus kann man mit der »Weißen Flotte« zu einer Kreuzfahrt, vorbei an den Parks und Villen zu einem der See-Cafés aufbrechen. Höhepunkt einer Reise in die zweitgrößte deutsche Stadt ist jedoch eine Fleetfahrt. »Fleete« heißt soviel wie fließen oder Fluss und bezeichnet die verschlungenen Wasserwege, welche das ganze Hafengebiet durchziehen und Binnenalster und Hafenelbe miteinander verbinden. Startpunkt sind die St. Pauli Landungsbrücken, die von Kaiser Wilhelm II. als repräsentativer Schiffsbahnhof ganz im Sinne eines »Tors zur Welt« erbaut wurden und mit einer Länge von 688 Meter Europas größter schwimmender Bahnhof sind. Durch die Schaartorschleuse geht es von der Hafenelbe in die engen Wassersträßchen, und plötzlich tauchen sie links und rechts der Fleete auf: Die fünfstöckigen Lagerhäuser der Speicherstadt, die sich im Stil der neugotischen Backsteinarchitektur auf eine Länge von 1,5 Kilometer dahinziehen.
Höhepunkt einer Hamburger Fleetfahrt ist die Speicherstadt
Nachdem sich Hamburg im 19. Jahrhundert dem Deutschen Zollverein angeschlossen hatte, wurden hier auf 16 Quadratkilometern 3,5 Millionen zwölf Meter lange Eichenpfähle aus dem Böhmer Wald in den Untersumpf gerammt und darauf die Speicherhäuser errichtet. In diesem früheren Freihafengebiet wurden vor allem Teppiche, Gewürze, Kaffee, Kakao und Tabak gelagert, sodass der Überseehandel zollfrei abgewickelt werden konnte. Noch heute ist hier der weltweit größte Teppichumschlagplatz - im übrigen aber verschmilzt die Speicherstadt immer mehr mit der »HafenCity.« Hier entsteht ein neuer Hamburger Stadtteil, in dem auf einer Fläche von 155 Hektar Wohn- und Bürogebäude stehen. Die Fleetfahrt endet am Rathausmarkt in der kleinen Alster, welche die Fleete mit der Binnenalster verbindet und von wo es zurück zu den Landungsbrücken geht. Auf dem benachbarten Feuerschiff, das einst ein schwimmender Leuchtturm an der Elbmündung in die Nordsee war, kann man in dem jetzigen Bar-Restaurant eine kleine Pause einlegen.
Der alte Elbtunnel ist Hamburgs unterirdisches Wahrzeichen
Ein Stück elbaufwärts geht es, mit oder ohne Auto, per Aufzug 24 Meter in die Tiefe zum 450 Meter langen alten Elbtunnel, der unterflüssisch die Stadtteile St. Pauli und Steinwerder miteinander verbindet. Von hier aus kann man eine Elbradtour oder Strandwanderung flussaufwärts unternehmen. Von St. Pauli gelangt man zunächst nach Altona, das erst seit 1937 zu Hamburg gehört, zur ehemaligen Fischauktionshalle, die 1896 auf dem Altonaer Fischmarkt gebaut wurde, denn seit 1880 war Altona Deutschlands größter Fischversandplatz. Jetzt ist das mächtige Backsteinhaus mit den bunten Butzenscheiben Industriearchitektur und es finden Veranstaltungen wie das sonntägliche Frühstücksbüfett an der Waterkant statt. Weiter geht's durch den Fischereihafen die Große Elbstraße entlang. Seepferdchen, Der Blaue Hummer, New Lobster House oder Sushi Factory heißen die Läden, die sich hier beidseitig Geschäft an Geschäft reihen.
Nun führt der Weg direkt an den Elbstrand und man gelangt zur »Teufelsbrück«. Von hier aus sind ständig Fähren zum flughafengroßen Airbus-Gelände gegenüber unterwegs, welches Großflughafen und Flugzeugbauwerft in einem ist und das vom Straßenrand aus von einem nachdenklichen steinernen Teufel kritisch beäugt wird. Von dort aus geht es nach Blankenese, wo man im Strandcafé, mitten im Elbsand bei einem Drink sitzend, Mittelmeerträume hegen kann.
