Hamburg Wasser-satt: Hafenfahrt - Südseite - Containerterminals

Portalkran (Hamburg) - Vera Kriebel, 12.12.2011
Portalkran (Hamburg) - Vera Kriebel, 12.12.2011
Hamburg-Hafenumschlag: "Hässlicher" Industriehafen mit Containerterminals, Docks, Hochseeschiffen? Was sind Portalkrane, Reach-Stacker, Van-Carrier?

Während das nördliche Elbufer vom "schönen" Hamburg gesäumt wird, gehört die Elbsüdseite dem "hässlichen" Industrie- und Handelshafen. Wirklich hässlich?

Hafen: gigantisch, faszinierend, behäbig, imponierend, verspielt, schön

Oder eher imponierend und faszinierend wegen der gigantischen Kolosse, die dort mit gigantischen Gütermengen be- und entladen werden? oder nicht vielleicht sogar verspielt - schaut man sich die durch das Terminal flitzenden Van-Carrier an - und am späten Abend mit dem Charme fast eines Vergnügungsviertels ...

Bericht von einer Hafenrundfahrt - zweiter Teil:

Mit etwas Glück: Voller Hafen

Etwas Glück muss der Hafenfahrer schon haben - nicht immer sind Docks oder die Mehrzahl der Terminals mit Schiffen belegt. Bei dieser Hamburg-Reise ist fast jedes Terminal und zudem auch noch die Trockendocks belegt, was eher selten ist: Im Trockendock von Blohm & Voss, gegenüber und etwas weiter westlich der Landungsbrücken, wird gerade an einem Kreuzfahrtschiff herumgeschweißt und gestrichen. Die Hamburger Traditionswerft Blohm & Voss repariert heute fast nur noch Schiffe, gebaut werden nur noch Jachten (so die von Abramovich).

Hamburger Hafen: 91.000 PS an einem Terminal

Die "Hong Kong Bridge" wird gerade entladen, 91.000 PS Leistung. International wird die Schiffsleistung meist in Kilowatt (kW) angegeben. Die Umrechnung erfolgt so: 1 kW = 1,359621617 PS, das heißt 1 PS entsprechen etwa 3/4 kW. Beim Vesseltracker werden diese Schiffsgiganten übrigens mit Schiffsfotos und aktueller Position in Realtime verfolgt.

Die größten Schiffe im Hamburger Hafen sind über 200 Meter lang und über 50 Meter breit. Darauf passen 15.000 Container - eine unvorstellbare Menge: Man bräuchte 7.500 LKWs, um sie weiterzutransportieren und die ergäben eine Schlange von 115 Kilometern. A propos: Der Hamburger Hafen ist auch einer der größten europäischen Verladeplätze für Gebrauchtautos Richtung Afrika.

Hafenterminal: Was ist Umschlag und was passiert da wo und wie?

Der Wirtschaftshafen Hamburg - das sind zunächst einmal unzählige Terminals.

Hauptaufgabe des Hafens ist der Umschlag, und zwar in den allermeisten Fällen von Containern und Stückgut (zum Beispiel die Autos für Afrika und ansonsten alles, was zu "unhandlich" oder zu groß für Container ist): Das heißt, die Güter oder Container werden vom Schiff aufs Hafengelände gehoben und von dort möglichst schnell auf den LKW oder den Güterwaggon transportiert - und umgekehrt natürlich. Dieser Vorgang nennt sich Umschlag, der Umschlagort ist das Temrinal.

Auf den Fotos unten finden sich eine Menge verschiedener Umschlagmittel: Portaldrehkrane und Portalkrane oder Verladebrücken sind örtlich relativ unflexibel und können sich nur auf ihren kurzen Schienen bewegen. Dagegen flitzen Umschlaggeräte wie zum Beispiel Reach-Stacker und Van-Carrier (Portalhubwagen) überall durch den Hafen, und zwar hier im zentralen Hamburger Hafen noch bemannt (nur im Altenwerder Containerterminal läuft all dies fast vollautomatisch).

Was sind Reach-Stacker und Van-Carrier?

Im Gegensatz zu den bekannten Gabelstaplern verfügt der Reach-Stackern über einen Greifarm, mit dem er Container von oben hebt, sogar über andere Container hinweg. Der Van-Carrier ist eigentlich eine bewegliche Transportbrücke: Er besteht aus einem Rahmengestell, einem Hubgerüst, fährt über den Container und hebt ihn in das Gerüst. Der Spreader (so nennt sich das Greifgeschirr beim Containertransport) ist beim Reach-Stacker am Hebearm, beim Van-Carrier im Hubgerüst montiert.

Mit Bedacht: Im Hamburger Wirtschaftshafen geht es ein wenig gemächlich zu

Reach-Stacker und Van-Carrier sind die einzigen, die im Terminal emsig hin und her flitzen - nur fallen sie bei der Größe der Container und inmitten der Containerberge und in dem großen Areal kaum auf - oder zumindest nicht mehr als Ameisen oder Wall-E's (der scheint nämlich ihre Bewegungen abgeguckt zu haben) - ansonsten ist ein moderner Hafen eher beschaulich.

Denn so große Schiffe bewegen sich eher behäbig hinein und hinaus aus dem Hafen, und um einen Container von Schiff zu heben, da braucht's auch mit dem Portalkran ein paar Minuten. Container sind eben keine Streichholzschachteln - auch wenn sie in Mengen aufgestapelt subjektiv an Größe verlieren und wie Streichholzschachteln wirken - oder Kisten, die man mal eben hochwirft und schnell die Laderampe hochträgt, so wie in früheren Zeiten.

Auch festgekrallt mit den Spreadern schaukeln sie allein wegen ihrer Größe und ihres Gewichts unter der Verladebrücke. Zu schnelles Bewegen, Heben oder Senken würde zu starkem Schaukeln führen - eine knifflige Angelegenheit also. Dass der Container an den genauen Platz abgesetzt wird, ist Erfahrungssache und Übung der Kranführer - und selbst so muss fast jeder zweite Container noch einmal mit einem Ächzen in die exakt richtige Position geruckelt werden.

Im Vergleich zu Großbahnhöfen geht es in Häfen wie dem Hamburgs oder Rotterdams dem Anschein nach nicht nur verhältnismäßig ruhig, sondern auch ziemlich ineffizient zu: 80 Prozent der Portalkrane stehen still, viele Terminals sind gar nicht belegt ...

Mehr Infos und Tipps zum Hamburger Hafen:

Der vollautomatisierte Containerhafen, über den manchmal im Fernsehen berichtet wird, befindet sich übrigens am südlichen Ende des Hamburger Hafens, in Altenwerder, und wird leider nicht durch Hafenrundfahrt oder Fähren angefahren. Filme zum Altenwerder-Containerterminal. Film zu den Stationen eines Containers vom Schiff bis LKW/Bahn im Containerterminal Altenwerder.

Vera Kriebel, Vera Kriebel

Vera Kriebel - Themen: u.a. Wirtschaft, Technik, Literatur, Reisen, IuK, Politik, Kultur, Geistes- und Sozialwissenschaften Texte, Recherchen, ...

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