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Hamburger Hafengeburtstag, maritimes Volksfest

Seefahrt ist lustig, doch auch dabei zusehen stimmt Hanseaten ein

Der Hafengeburtstag und seine stattlichen Gäste - Michael Zapf
Der Hafengeburtstag und seine stattlichen Gäste - Michael Zapf
Jedes Jahr Anfang Mai zieht es Hamburger, Gäste und andere Leichtmatrosen ans »Tor zur Welt«, um den Hafen und seine Bedeutung für die hanseatische Weltstadt zu feiern.

Mal ist im Hamburger Hafen mehr los, mal weniger. Schließlich verfügt er als fast echter Seehafen über Tide – für Landratten: Ebbe und Flut. Als Erklärung für Bergvölker von noch weiter südlich – grüßt euch – Wasser, das sich gelegentlich taktvoll verzieht, um sich wenig später wieder, gemischt mit weit gereister Feuchtigkeit der Nordsee, zum Dienst unter den Kielen der Schiffe zurück zu melden). Also Wasser mit Charakter eben. Das Elbwasser muss rund 110 Kilometer zur Nordsee-Mündung zurücklegen, ebenso wie die riesigen Pötte, die den florierenden Containerumschlag des Hafens mit Waren versorgen, jeden Tag. Damit das so bleibt, muss das Flussbett regelmäßig ausgebaggert werden, ganz abgesehen von den regelmäßig diskutierten zusätzlichen Elbvertiefungen, von denen es seit 1910 bereits dreizehn gab, zuletzt im Jahr 2010. Doch mit solchen Schietpopeleien geben sich nur wenige Hamburger ab. Die breite Masse feiert derweil das Wochenende des Hafengeburtstags als wetterhaltiges Volksfest.

Über 800 Jahre hanseatischer Hafen: In Hamburg wird nicht gearbeitet...

Denn Hamburger lassen lieber arbeiten – alter Kaufmanns-Trick. Das war auch schon früher so, als sich die Hanseaten vom Lübecker Graf Adolf III. von Schauenburg den Freibrief bei Kaiser Friedrich Barbarossa erwirken ließen, der den Hamburgern und ihren Schiffen Zollfreiheit von der Stadt bis zur Elbmündung an der Nordsee zusicherte. Das war am 7. Mai 1189 und begründete den Aufstieg der Duckdalben zu Füßen des Baumwalls und der neugegründeten Neustadt am Nikolaifleet zur internationalen Seehandels-Drehscheibe mit mittlerweile über 140 Millionen Tonnen Warenumschlag pro Jahr. Das war den ansonsten weitestgehend zurückhaltenden Hamburgern schon 1989 eine angemessen dimensionierte Feier wert, als der 800. Hafengeburtstag an den Landungsbrücken zelebriert wurde.

Richtig Rummel an den Landungsbrücken: Der Hafengeburtstag in der Hansestadt

Fischbrötchen an Flaschenbier kann man immer mal machen, doch wenn die drei Tage des Hafengeburtstag Anfang Mai anstehen, gönnt man sich in der Hansestadt schon mal ein zweites oder drittes Kaltgetränk aus der kurzen Braunen. Sonst wäre man wohl kaum auf die Idee gekommen, anstatt der Puppen (die auf der benachbarten Reeperbahn verfügbar wären) die PS-starken Schleppkähne tanzen zu lassen. So gehört das alljährliche Schlepperballett zu einem der Höhepunkte der Festivitäten, das vor den Augen der meist über einer Million Besuchern des Hafengeburtstags zu Musik und Wasserspielen dargeboten wird. Und da es sich mittlerweile um das größte Hafenfest der Welt handelt, dürfen auch die traditionelle Windjammer-Parade, das Drachenbootrennen und weitere Nebendarsteller wie Livemusik-Bühnen und allgemeine Hamburger Volksfest-Bespaßung nicht fehlen. Und zum Abschluss lassen es die Pfeffersäcke wie gewohnt richtig krachen, mit einem stattlichen Feuerwerk, das sich je nach Witterung in der Elbe spiegelt – oder eben nicht.

Internationales Flaggezeigen auf Museumsschiff, Ozeandampfer und Großsegler

Eröffnet wird der Hafengeburtstag traditionsreich auf den gereiften, angemessen geschrubbten Planken des Museumsschiffs »Rickmer Rickmers« von Bürgermeister und Staatsgästen, während ihr ständiger Nachbar mit Stammplatz im Hamburger Hafen, der noch seetüchtige Frachter »Cap San Diego«, an der internationalen Einlaufparade teilnimmt. Flussabwärts bereichern zum Hafengeburtstag jede Menge Großsegler entfernter Baujahre und Heimathäfen die Gewässer vor der Hafenmeile zwischen Speicherstadt und Fischmarkt. Das lässt die guten alten Zeiten der Stückgutfrachter und Ozeandampfer wieder aufleben, die traditionell die große weite Welt nach Hamburg brachten. Die Großsegler »Mir«, »Kruzenshtern« und »Star Flyer« sowie zum ersten Mal die Dreimastbark »Alexander von Humboldt II.« dürfen da ebenso wenig fehlen wie eben das Museumsschiff »Cap San Diego«, das zur Feier der Tage erneut mit zahlenden Passagieren an Bord ablegen wird.

Moderne Kreuzfahrt und traditionelle Segelschulschiffe

Ebenso die Fregatten der Bundesmarine sowie schwimmende Luxuskreuzer sind immer öfter mit von der Partie, wie die 292 Meter messende »Brillance of the Seas«, die im Vorjahr aus dem Blohm & Voss-Dock entlassen worden ist. Als erstes wird übrigens der Hochsee-Urlaubertanker »AIDAcara« im Hafen aufkreuzen. Wie immer sehen sich echte Geldsäcke, nicht nur aus Hamburg, das Ganze vom Deck einer der Segler an, die gegen einen nicht unbeträchtlichen Unkostenbeitrag für Schampus und Schalentiere zum Teil des Spektakels werden. Doch auch wenn das weltbekannte Segelschulschiff »Gorch Fock« auch mal in der Werft zur Überholung liegt und nicht in Hamburg mit der Nationalhymne begrüßt werden kann, so kann man doch als Besucher fest mit ein paar schönen Stunden an der guten, von Möwen und Bühnenboxen beschallten Hafenluft rechnen. Vielleicht sogar trocken.

Das aktuelle Programm des Hamburger Hafengeburtstags 2012

Diese einzelnen Programmpunkte zum 823. Hamburger Hafengeburtstag 2012 könnten hilfreich sein – beispielsweise zum alljährlichen Schlepperballett (Samstag, 12.05. 18°°) vor den Landungsbrücken, dem Besuch des drittgrößten Kreuzfahrtschiff der Welt, der Queen Mary 2, der Taufe eines der Neuzugänge der Aida-Flotte, einem Rundgang durch das größte Spionage-Unterseeboot U-434 – oder einfach, von welcher Strandbar man den besten Ausblick über das geburtstägliche Treiben hat.

FxReid Ständiger Autor Australien&Ozeanien-Reisen, © FxReid

Felix Reid - Ständiger Autor im Ressort Australien- & Ozeanien-Reisen; Freier Autor für unterhaltsame Golfsport-Beiträge; Ghostwriter ...

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