Hamburger Körber Debates zum Konflikt im Nahen Osten

Körber-Stiftung Hamburg - Tom Koehler, Hamburg
Körber-Stiftung Hamburg - Tom Koehler, Hamburg
Der richtige Zeitpunkt, um die Dauerkrise im Nahen Osten zu beenden: Muss der Westen einer Lösung erzwingen?

Der Konflikt zwischen Israel und den arabischen Staaten ist so alt, dass ein ganzes Leben darüber vergehen kann. Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um diesen Dauerkrieg der Mächte zu stoppen, eine Lösung im Streit zu erzwingen? Dies vertrat am 11.11.2010 in der Hamburger Körber-Stiftung der ehemalige US-Botschafter in Israel und Ägypten, Daniel C. Kurtzer. Sein Gegenpart in der Debatte war Shimon Stein, ehemaliger Botschafter Israels in Berlin. Dessen Standpunkt: Die Zeit ist noch nicht reif für eine Lösung, verhandeln die Devise. Geleitet wurde die Debatte von Hans Werner Kilz, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung. Beide Kontrahenten hatten jeweils zehn Minuten Zeit, ihre Position darzustellen. Danach wurde das Publikum befragt. Die Abstimmung endete mit einem fast ausgewogenen Ergebnis. Leichte Stimmenmehrheit der Befürworter einer erzwungenen Lösung.

Einzige Stabilität: Abwesenheit von Frieden

Kurtzer: "Es ist keine Option, dass dieser Prozess fortdauert. Der Punkt ist erreicht, an dem strukturelle Probleme beseitigt werden müssen" und weiter "Drei Wochen Verhandlung stehen 49 Wochen Konflikt gegenüber, kein akzeptables Verhältniss!" Nach seiner Meinung darf die weitere Entwicklung nicht den politischen Launen überlassen werden. Die Ungeduld der Befürworter einer schnellen Lösung rührt aus der permanenten Instabilität der Region. Ganze Generationen kennen nur ein Leben im Krieg und die einzige Stabilität ist die Abwesenheit von Frieden. Er war sich mit den Besuchern des Abends einig, die die Bilder von Zerstörung, unendlichem Leid auf beiden Seiten immer wieder sehen und sich wünschen, dass ein Ende der Auseinandersetzung naht.

Europa muss historisch denken

"Ich habe Verständnis für die Emotionalität und Ungeduld - aber ich bin nicht damit einverstanden!" Shimon Stein verwahrte sich gegen eine erzwungene Lösung, nennt sie eine Vergewaltigung Israels. Den Diskurs des Zeitgeistes verwies er in historische Bahnen. In Europa gab es auch langandauerndes Blutvergießen. Wer aus der Geschichte nicht lernt, muss sie wiederholen. "Wenn die Folgen eintreten, die die Befürworter wünschen, sind sie weit weg von diesem Folgen. Mich und meine Familie betrifft das direkt." Die politischen Mehrheiten in Israel sind nun einmal anders, als sich westliche Politiker das wünschen. Vor einiger Zeit war sein Kollege und Vorgänger Avi Primor in Hamburg. Der vertrat eine gegensätzliche Meinung, da eine neue Generation herangewachsen sei, die ein Ende des Konfliktes befürworte. Derzeit bleibt aus Stein´s Sicht nur die Verhandlung. Und das Warten auf eine bedeutende politische Figur. Ihm schwebt eine Lösung durch eine integrative, charismatische Person aus der Region vor.

Zwang oder Denken

Ein Einsatz ohne Gewalt und den Stier bei den Hörnern packen - die bildliche amerikanische Variante konnte nur zu Teilen eine Antwort auf die Fragen geben. Wie es real zu machen ist? "Eine Teilung des Landes ist die einzige Lösung." so Kurtzer. Es soll keine militärische Lösung geben, aber Druck auf beide Seiten muss ausgeübt werden. Stein sieht in der kurzfristigen Lösung einen langfristigen Schaden. Aus seiner Sicht könne ein Paradigmenwechsel nur durch eine militärische, ökonomische oder politische Katastrophe herbeigeführt werden. Israel zu vergewaltigen, ist möglich, besser aus seiner Sicht ist es, beide Gesellschaften zu etwas anderem zu zwingen: Intensiv in die Zukunft zu denken.

Mehr Fragen als Antworten

Selbst der Titel der Veranstaltung bot Stoff zur Diskussion. Kann der Westen ("... was auch immer das ist..." Stein) überhaupt etwas erzwingen, hat er die Macht dazu? Ist der Nahe Osten Betätigungsfeld deutscher oder europäischer Politiker? Ist Zwang die Lösung, oder ist Geduld und stete Verhandlung der bessere Weg. Ist eine langfristig wirkende Lösung der schnell erreichbaren, aber nur kurz wirkenden, vorzuziehen? Diese Fragen konnten auch die ausgewiesenen Experten der Materie nicht erschöpfend beantworten. Und das auch die Sicht der Besucher auf die Dinge nicht einseitig war, bewies das zweite Votum. Gleichbleibendes Kräfteverhältnis bei Pro und Contra trotz vieler vorgetragener Argumente.

Tom Köhler, Hamburg, Tom Köhler, Hamburg

Tom Köhler - Tom Köhler, Journalist, Fotograf, Netzwerker, Inhaber der Agentur Abenfarben in Hamburg. www.abendfarben.de

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