
- Kleine Freiheit in Winterhude - R. Gebhart
Eigentlich liegt die Kleine Freiheit ja auf der falschen Seite der Hudtwalckerstraße. Vom Winterhuder Markt kommend nicht rechts, wo sich das Fußvolk von und zur U-Bahn-Station drängt - an Läden vorbei, die zum Reingucken förmlich einladen. Linkslage ist eher suboptimal. Sowohl für U1 als auch den Marktplatz muss man die stark befahrene Straße überqueren. Nicht ganz glücklich darüber ist auch Shop-Gründerin Svenja Seidel: "Außerhalb der Reeperbahn war es schwer, einen Vermieter zu finden. Und ich wollte halt in eine 'ganz normale' Gegend, wobei der Winterhuder Marktplatz mir ein Begriff war. Dass man dort so schlecht parken kann, war mir damals nicht bewusst - naja. Trotzdem habe ich es bis heute nicht bereut." Dennoch: Immer wieder zieht das Geschäft Blicke auch von der gegenüberliegenden Straßenseite magisch auf sich.
Kein gewöhnlicher Sexshop, aber eine ungewöhnliche Atmosphäre
Die Sexshops auf der Reeperbahn sind Besuchern aus aller Welt ein Begriff. Dass man sie eher in die Schmuddelecke stellt, verwundert niemanden, dort stößt sich aber auch kaum jemand daran. Hier in Winterhude wäre ein gewöhnlicher Sexshop ein Störfaktor. Die Kleine Freiheit ist es aber keineswegs. Bereits der erste Eindruck bestätigt das - die geschmackvoll gestaltete Ladenfront verspricht mehr und hält es. Spätestens beim Eintreten weiß man auch, warum das Erotikgeschäft für die Frau den Namen Kleine Freiheit trägt. Aber jeder noch so winzige Winkel, jede Nische, jedes Regal ist eine eigene Entdeckungsreise wert: Sex-Toys, neckische Dessous, Massageöle, lustvolle Geschenkartikel, Erotikspiele, Literatur - und dazu mit Kathy Mussäus eine Shop-Leiterin, bei der man sich nicht scheuen braucht, auch mal um Rat zu fragen. Keineswegs nur Frauen sind es, die den Weg in die Kleine Freiheit finden. Zunehmend trauen sich auch Männer rein, ohne rote Ohren zu bekommen.
Das ist Hamburg: Wo es die Große Freiheit gibt, muss auch eine Kleine sein
Kleine Freiheit wurde von der ursprünglich im Dessous-Außendienst tätigen Svenja Seidel deshalb als Name für den Shop gewählt, weil es in Hamburg ja die berühmte Große Freiheit gibt. Bekannt wurde die Nebenstraße der Reeperbahn auf St. Pauli nicht nur durch Filmlegende Hans Albers (Große Freiheit Nr. 7), sondern wegen seiner berüchtigten Nachtclubs und nicht zuletzt, weil dort auch die Beatles ihre ersten Auftritte hatten. Die Idee für die Eröffnung eines Erotikgeschäftes für Frauen reifte bei der Hamburgerin Seidel ausgerechnet im benachbarten Bremen, wo sie auf einer ihrer Touren durch Norddeutschland die Inhaberin eines ähnlichen Ladens kennengelernt hatte. 2004 erfolgte die Eröffnung. "Liebe auf den ersten Blick" war das Verhältnis zwischen Inhaberin und Shopleiterin Kathy Mussäus. Die beiden liefen sich doch glatt auf einem Mittelamerika-Trip in Guatemala über den Weg.
Beratung und Service wird in der Kleinen Freiheit groß geschrieben
Mittlerweile hat sich der in dieser Lage einzigartige Shop etabliert. Nicht zuletzt auch, weil er mehr tut, als bloß Artikel an die Frau zu bringen. Seidel: "Wir arbeiten auch viel mit Hebammen, Sexualtherapeuten, Frauenärzten zusammen und erhalten wirklich sehr viel positives Feedback." Ein bisschen mehr darf es auch sein, was die Kundenbindung betrifft. Im regelmäßig stattfindenden Erotik-Salon gab es schon Tantra-Abende, Buchvorstellungen, Erotische Lesungen und sogar ein Fotoshooting. Ganz genau nehmen es Svenja Seidel und Kathy Mussäus, wenn es um das Anfertigen von Korsetts und Korsagen geht: bei Anprobe, Farbwahl und Anfertigung wird mit sehr viel Fingerspitzengefühl gearbeitet - was am Ende als Objekt der Begierde rauskommt, sitzt jedesmal perfekt.
Der Film, mit dem sich die Kleine Freiheit im Internet vorstellt, ist nicht zufällig mit der Erkennungsmelodie von "Sex and the City" untermalt. Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha wären begeistert von diesem Erotikshop. Eine Hamburger Perle, die entdeckt werden will.
