
- So was von da - Kiepenheuer und Witsch Verlag
Oskar, der Ich-Erzähler aus Tino Hanekamps Roman mit dem unscheinbaren Titel "So was von da", ist ein junger Clubbesitzer in Hamburg. Leider haben er und sein Partner sich verkalkuliert und der eigentlich recht beliebte Kiez-Laden muss schließen. Sie planen eine letzte große Abschiedsparty. Doch bevor die steigen kann, bekommt Oskar noch Besuch von "Kiezkalle", einem berüchtigten Zuhälter, dem er 10.000 Euro schuldet. Kiezkalle möchte bis zum Abend der Party sein Geld zurück haben und er versteht es, Druck zu machen. Doch erstaunlicher Weise kann Oskar sich nur bedingt darum sorgen, denn seit er vor drei Jahren von seiner großen Liebe Mathilda verlassen wurde, kann er kaum an etwas anderes als seinen Kummer denken. Außerdem hat er viele gute Freunde, die sich auf ihn verlassen, auf ihn und die große Party am Samstag Abend.
Hamburger Perlen
Zu diesen gehört zum Beispiel Nina, eine Künstlerin, die alle paar Monate etwas neues ausprobiert, sich auf nichts festlegen kann, außer darauf, dass sie sich unbedingt selbst finden und verwirklichen möchte. Genauso wichtig ist für Oskar sein Freund Rockky. Er ist Rockstar, Sohn eines verkannten Musikers und einer Politikerin. Seine Mutter ist konservativ und im Hamburger Senat als Innensenatorin erfolgreich. Für Oskar, Rocky und seine Freunde ist sie der Innenbegriff dessen, was sie ablehnen. Leo hingegen ist ein gutmütiger Osteuropäer, der selten kommunikativ ist, sich aber ob seiner Statur bestens als furchteinflößender Türsteher eignet. In seinem Herzen ist Leo familiär und weist Oskar wiederholt darauf hin, dass er seine Mathilda schnellstmöglich heiraten und mit ihr fünf Kinder bekommen soll. Dass sie ihn vor Jahren verlassen hat, ist für ihn nur ein marginales Detail, das mit geringem Aufwand behoben werden kann. Oskar selbst ist eigentlich ein nahezu philosophischer Mensch, der ein Büchlein von Marc Aurel mit sich herum schleppt und sich fragt, wie er seine jugendlichen Ideale in das Erwachsenenleben transponieren kann.
Ein Roman wie ein Rausch, der viel zu früh endet
Hanekamps Roman schlägt seine Leser von ersten Satz an in den Bann. Er beginnt mit einem langen Zitat von Aristoteles über das hitzige Gemüt junger Männer und lässt seinen Protagonisten mit einen fett gedruckten "Ach, Schnauze." darauf antworten. Dieser selbstironische und -hinterfragende Tonfall durchzieht die gesamte Geschichte. Ohne allzu viel Lokalkolorit hinein zu mischen, schafft Hanekamp es doch in "Sowas von da" ein facettenreiches Porträt der Stadt Hamburg und ihrer einzigartigen Kiezkultur zu kreieren. Gleichzeitig zeigt er völlig ungeschönt eine Generation von jungen Erwachsenen, die zwischen Genialität und Nichtsnutzigkeit gefangen sind. Sie nehmen Drogen, sie sind laut und feiersüchtig aber sie halten an ihren Idealen fest und ihre Gefühle sind ehrlich. Hanekamp, der selbst früher einen Club auf dem Kiez besaß und heute einer der leitenden Verantwortlichen des "Uebel und Gefährlich" im Bunker in der Feldstraße ist, zeichnet die Charaktere so realitätsnah, dass der eine oder andere Hamburger vermeintlich seinen Freundeskreis hier wiedertrifft.
Literarisch steht Tino Hanekamp wohl am ehesten Sven Regener nah, der mit seinem "Herr Lehmann" einen ähnlichen Charakter schuf wie Oskar. Doch Hanekamps Schreibweise ist noch experimentierfreudiger und wirkt dadurch jünger. Er nutzt die Möglichkeiten der Textgestaltung auch optisch und spielt mit literarischen Genres, indem er aus philosophischen Texten ebenso zitiert wie aus lyrischen, sie geradezu in die Lebenswelt der Figuren hineinkatapultiert. Seinen ohnehin schon höchst abwechslungsreichen Roman krönt er mit einem fulminanten Abschluss, einer einzigen großen Party. Traurig nur, dass sie irgendwann vorbei sein muss. Wer "So was von da" einmal in die Hand genommen hat, wird nicht mehr aufhören können bis er auf der letzten Seite angelangt ist. Ein großartiges Romandebut, danke Tino Hanekamp!
Hanekamp, Tino: So was von da; Kiepenheuer und Witsch; 3-462-04288-7; kartonierte Ausgabe 14,95 Euro
