Hamburgs Wahrzeichen: der Michel

Michel, 2010 - Thies Völker
Michel, 2010 - Thies Völker
Die hafennah gelegene evangelisch-lutherische Hamburger St. Michaelis-Kirche ist eine der international bekanntesten Gebäude Norddeutschlands.

Eine Besonderheit der evangelisch-lutherischen Kirchenorganisation Hamburgs ist die Institution der fünf Hauptkirchen. Sie geht auf die ursprüngliche mittelalterliche Einteilung der damals lediglich den Innenstadtbereich der heutigen Millionen-Metropole umfassenden Stadtfläche in vier "Kirchspiele" genannte Kirchengemeindebezirke mit je einer Kirche zurück. St. Petri (Altstadt), St. Nikolai (Neustadt, nach Zerstörung der Kirche im Zweiten Weltkrieg heute in Harvestehude ), St. Katharinen (Cremon und Grimm) und St. Jacobi (Steinstraße). Die Pastoren dieser Kirchen, die Hauptpastoren, hatten auch nach der Expansion Hamburgs über das ursprüngliche Stadtgebiet hinaus in der gesamthamburger Kirchenleitung und auch in der politischen Verwaltung der Hansestadt bis ins 19. Jahrhundert eine herausragende Stellung. Noch heute genießen die Hauptpastoren der Hauptkirchen ein besonderes Renommee.

Die erste Hauptkirche St. Michaelis

Nach der Erweiterung des Stadtgebiets im 17. Jahrhundert wurde 1647 als fünftes, von der Neustadt im westlichen Hamburg abgespaltenes, Kirchspiel St. Michaelis gegründet. An dem hier hoch gelegenen Elbufer wurde 1669 nach über zwanzigjähriger Bauzeit die erste dem Erzengel Michael gewidmete St. Michaelis-Kirche errichtet. 1750 wurde die Kirche vom Blitz getroffen. Turm und Kirchenschiff brannten völlig nieder.

Barockschönheit seit 1786

Der Neubau der kurz „Michel“ genannten Kirche, an deren Planung der berühmte Architekt Ernst Georg Sonnin wesentlich beteiligt war, bescherte der Stadt eine der schönsten Barock-Kirchen Norddeutschlands mit einem zum Teil aus Holz gebauten Turm. Der bereits weit elbabwärts von einlaufenden Schiffen aus zu erkennende Michel wurde bald zum Zeichen für die heimkehrenden Hamburger Seeleute, wieder in der Heimat zu sein, und avancierte schnell auch bei nichthamburger Seeleuten zum Symbol für Hafen und Stadt.

1906: Wieder Feuerkatastrophe

Wegen Unachtsamkeiten bei Bauarbeiten im Turm fing dessen Holzkonstruktion am 3. Juli Feuer, das auf das gesamte übrige Gebäude übersprang und den Michel einäscherte. Nach langen Diskussionen entschloss man sich schließlich. den vor allem in der Öffentlichkeit energisch vertretenen Wunsch nach Rekonstruktion der populären Kirche in ihrer alten Form Rechnung zu tragen. Der neue, aus Stahl, Backstein und Beton gebaute, 1912 eröffnete Michel ist eine originalgetreue Replik des Sonnin-Baus von 1786. Der Michel wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Die letzten Kriegsschäden sind 1952 beseitigt worden.

Größte Hamburger Kirche mit 132 Meter hohem Turm

Der an der Westseite des Backsteinbaus hochragende Turm mit der charakteristischen runden Haube und der bundesweit größten Kirchturmuhr dieser Art ist 132 Meter hoch. Wer will, kann die 453 anstrengenden Stufen bis zur Turmplattform hochsteigen, um aus 106 Meter Höhe eines der atemberaubendsten Panoramen zu genießen, die Hamburg zu bieten hat. Man kann aber auch den Fahrstuhl nutzen. Dort oben von der Plattform trompetet regelmäßig auch der Michel-Türmer im Auftrag der St. Michaelis-Gemeinde.

Das 52 Meter lange Kirchenschiff ist 44 Meter breit und 27 Meter hoch. Die damit größte Hamburger Kirche fasst bis zu 2.500 Besucher.

Literatur:

Reinhold Pabel, Der kleine und der große Michel; Hamburg 1985

Joachim Frank u.a., Der Michel brennt! Die Geschichte des Hamburger Wahrzeichens; Bremen 2006

Thies Völker, Thies Völker

Thies Völker - Studium Jura, Geschichte, Volkskunde und Ethnologie, Text- und Archivberater, Schwerpunkte: Biographierecherche, Familienchroniken, ...

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