
- Steinfigur am Eingang - Simone Siegler
Vor den Toren Londons, am Ufer der Themse, liegt dieses beeindruckende Prunkschloss, das größte mittelalterliche Bauwerk der britischen Inseln und eine der wichtigsten Attraktionen von London. Man muss es nicht unbedingt an einem nebelverhangenen Tag besuchen, um die gespenstische Aura zu spüren, die die dunkelroten Backsteinmauern umweht. Nicht ohne Grund bezeichnet man Hampton Court Palace als meistbespuktes Schloss in ganz England.
Früher weitab von London, heute im Stadtgebiet
Das Schloss liegt im Südwesten von London, im Stadtrand-Bezirk Richmond upon Thames. Von der Innenstadt ist es ca. 50 km entfernt. Für Touristen ist der Besuch des Schlosses mit einer halbstündigen
Zugfahrt vom Bahnhof Waterloo verbunden. Dafür liegt die Endstation der Bahn, Hampton Court Station, unmittelbar neben dem Eingang zum Schloss-Areal. Hinter dem Schloss befinden sich 24 Hektar große, wunderschöne Gärten. Das Areal grenzt unmittelbar an den Bushy-Park, einem beliebten Naherholungsgebiet der Londoner. Außerdem besitzt Hampton Court Palace einen berühmten Hecken-Irrgarten, der 1689 für Wilhelm III. angelegt wurde. Der Irrgarten ist 1300 m² groß, und die Wege sind 800 Meter lang.
Bewegte und bewegende Geschichte
An dieser beschaulichen Stelle, mit Blick auf die noch junge Themse, unterhielt bereits im Mittelalter der Orden der Johanniter ein Landgut. 1514 übernahm der damalige britische Lordkanzler Thomas Wolsey das Anwesen und baute es nach und nach zu einem Palast aus. Seit der erfolgreichen US-Serie die Tudors ist vielen auch der Tudorstil ein Begriff, in dem der Kern des Schlosses noch heute erstrahlt. Damit sind wir beim bekanntesten und blutrünstigsten Besitzers von Hampton Court Palace, dem aus der Tudor-Dynastie stammenden König Heinrich VIII. Dieser enteignete seinen in Ungnade gefallenen Untertan Wolsey und nahm 1525 den Palast in seinen Besitz. Noch heute prangt die Astronomical clock an der Fassade, die 1540 eignes für den König konstruiert wurde.
Hampton Court Palace war die Lieblingsresidenz von Heinrich VIII. Mit seinen sechs Ehefrauen, beinahe sechzig Schlössern und 160 Kilogramm Lebendgewicht machte ihn sein Hang zur Unersättlichkeit zum berühmtesten König Englands. Während seiner Herrschaft legte er immer größeren Wert auf Prestige und das Zurschaustellen seiner Macht. Diese Lebensweise spiegelt sich auch heute noch im Schloss wieder. So wurde im gigantischen Küchentrakt beinahe rund um die Uhr gekocht, und das fast ausschließlich Fleischspeisen, die damals als purer Luxus galten. Allein 300 Kammern wurden ständig für überraschende Gäste bereitgehalten. Dabei entwickelte Heinrich beachtlich moderne Ansichten und ließ in jedem Gästezimmer ein eigenes Wasserklossett installieren, um seinen Gästen den höchstmöglichen Komfort zu bieten. Der Untergrund des ersten Innenhofs besteht aus einem Gewirr von Wasserleitungen aus den Gästetrakten ringsum. Für die damalige Zeit war ein solcher Komfort eine ganz außerordentliche Denkweise, die seinesgleichen sucht.
Der nächste Monarch, der Hampton Court Palace bewohnte, war Karl der I., König von England und Schottland. Während seiner Amtszeit wurde er des Hochverrats angeklagt und bis zu seiner Hinrichtung in diesem Schloss gefangen gehalten. Als Herrscher rückte Wilhelm von Oranien und seine Frau Maria II. nach, die ebenfalls Hampton Court Palace als Wohnsitz bestimmten. Sie ließen einen ganzen Flügel abreißen und im Barockstil wieder aufbauen. 1727 folgte ihnen König Georg II. mit seiner Frau Caroline. Sie sollten die letzten Herrscher sein, die das Schloss ständig bewohnten, von 1760 an lebten die britischen Monarchen generell in anderen Schlössern Londons. Königin Victoria öffnete den Palast im Jahr 1838 für die Öffentlichkeit.
Spukerscheinungen - in diesen Mauern geschieht nichts unbeobachtet
Wie die meisten englischen Schlösser kann auch Hampton Court Palace mit einer erklecklichen Liste an Schlossgeistern aufwarten. Die meistbeobachtete Erscheinung soll der Geist von Catherine Howard sein, der fünften Ehefrau Heinrichs VIII. Im Jahr 1542 wurde sie vom König des Ehebruchs angeklagt und hingerichtet. In der sogenannten Spukgalerie im Schloss soll immer wieder ihr Geist gesichtet werden, der wie einst nach Verkündung des Todesurteils in höchster Verzweiflung zur Kapelle eilt, um den König vergeblich um Gnade anzuflehen.
Eine andere Erscheinung soll Jane Seymour sein, die dritte Ehefrau Heinrichs, oder Sybill Penn, das Kindermädchen Eduards VI., dem einzigen Sohn Heinrichs. Am meisten Beachtung erhielt das Schloss jedoch in jüngster Zeit, als im Dezember 2003 eine Überwachungskamera eine seltsame Aufnahme machte. Darauf ist eine knochige Gestalt zu sehen, unverkennbar historisch gekleidet, die eine Brandschutztür an einer der Außenmauern öffnet. Das Sicherheitspersonal hatte angeblich nichts bemerkt, auch erfolgte die Aufnahme in einem Teil des Schlosses, der für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Generell berichten Besucher des Schlosses immer wieder von eisigen Berührungen oder Gefühlen des Beobachtetwerdens während ihres Aufenthaltes. Ob diese Wahrnehmungen durch die beklemmende Atmosphäre der vielen kalten, verlassenen Räume oder durch tatsächliche paranormale Phänomene entstehen, sei dahingestellt.
Die seit 2008 angebotenen abendlichen Ghost-Tours durch das Schloss erfreuen sich jedenfalls größter Beliebtheit. Die Termine sind stets über Wochen im Vorraus ausgebucht.
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