
- Heilende Hände - Dörthe Huth
Das Handauflegen hat eine lange Tradition. Die Überzeugung, über die Hände Heilkräfte aktivieren oder übertragen zu können, gibt es in nahezu allen Kulturen. Es ist wohl eine der ältesten, uns bekannten Heilweisen. Die Hochkulturen unserer Erde berichten in vielen Überlieferungen davon. So erzählen beispielsweise die Schriften und Bildern der Ägypter von der Heilkraft der Hände. Höhlenmalereien aus den Pyrenäen zeigen, dass die Menschen bereits vor 15000 Jahren das Handauflegen kannten. Wunderheilungen durch Handauflegen werden auch in der Bibel beschrieben. Die alte Tradition des Handauflegens wurde immer weiter verfeinert und findet sich heute in verschiedenen Methoden wieder. Bei der Massage, der Osteopathie oder der Akkupressur kommen die heilenden Hände zum Einsatz. Aber auch Reiki, Jin Shin Jyitsu sowie Therapeutic Touch vertrauen auf die Heilkraft der Hände. Grundsätzlich hat jeder Mensch die Fähigkeit, die Heilkraft seiner Hände einzusetzen.
Die Heilkraft der Hände
Das Handauflegen ist eine Fähigkeit, die grundsätzlich jedem Menschen zur Verfügung steht. Hände können beruhigen, ermutigen, kühlen, wärmen und vor allem Nähe vermitteln. Deshalb braucht das Handauflegen im Grunde auch keine Anleitung, Theorie oder Erlaubnis. Jede Mutter legt ihrem Kind einmal zur Linderung die Hand auf eine Wunde. Instinktiv berühren wir eine schmerzende Stelle des eigenen Körpers mit unseren Händen und verschaffen uns dadurch kurzzeitig Erleichterung. Das Handauflegen an sich fällt daher auch nicht unter die Heilkunde. Das National Cancer Institute, ein US-amerikanisches Krebsforschungszentrum, hat nachgewiesen, dass heilende Berührungen durch Verwandte und Freunde, das Leiden von Krebspatienten lindern kann. Vorrangig sind dabei nicht Techniken, sondern die körperliche Nähe und die Fürsorge, die damit einhergeht und die von jedem Menschen an einen anderen weitergegeben werden kann. Stress und Angstzustände nahmen dadurch nachweislich ab, Schmerzen konnten deutlich gelindert werden, Müdigkeit und Erschöpfung verringerten sich.
Handauflegen als geistige Heilweise
Für die gezielte Heilarbeit wurden immer wieder unterschiedliche Techniken des Handauflegens entwickelt, sodass in den unterschiedlichen Kulturen vielfältige Heilungstechniken über die Hände entstanden sind. Der Begriff Heilung leitet sich ab von "heilig" und ist verwandt mit „heil sein“, was so viel bedeutet wie „gesund, ganz und wohl“. Heilung ist damit ein Prozess zur Ganzwerdung, zum Einssein mit sich und der Welt. Heute gilt das Handauflegen als eine Behandlungsform geistigen Heilens. Auch in dem Begriff „Be-hand-lung“ steckt das Wort Hand. Man berührt einen anderen Menschen, um ihm zu helfen und sein Leiden zu lindern. Heilen durch Handauflegen kann bei jeder Krankheit unterstützend eingesetzt werden. Es ersetzt jedoch niemals die ärztliche Behandlung. Helfen kann das Handauflegen beispielsweise:
- bei Stresserleben, Erschöpfungszuständen oder innerer Unruhe
- zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte und zur Unterstützung des Immunsystems
- bei inneren Blockaden, Antriebsschwäche oder Niedergeschlagenheit
- zur Unterstützung bei der Behandlung körperlicher oder seelischer Beschwerden
- beim Loslassen und Verzeihen
Eine praktische Kurzanleitung zum Handauflegen
Beginnen Sie bei sich selbst. Dazu brauchen Sie etwas Zeit und einen Raum, in dem Sie eine Weile ungestört sein können. Schaffen Sie sich eine Wohlfühlatmosphäre. Wenn Sie mögen, zünden Sie sich etwas Räucherwerk an. Setzen oder legen Sie sich bequem hin und zentrieren sich einen Augenblick lang, indem Sie die Augen schließen und sich auf sich selbst konzentrieren. Spüren Sie einmal Ihrem Atem nach, wie er Ihren ganzen Körper durchströmt und stellen Sie sich vor, die die frische Luft den ganzen Körper reinigt und ihm frische Energie zufließen lässt. Wie ein wohltuender Luftstrom, der klärt und neue Energien bringt. Lassen Sie sich Zeit und spüren Sie eine Weile hin. Dann richten Sie die Aufmerksamkeit auf die Stelle des Körpers oder einen blockierenden Gedanken und legen die Hände genau dort hin. Lenken Sie die heilenden Energien an genau die Stelle des Körpers oder des Gedankens, wo Hilfe benötigt wird. Schenken Sie Ihren Wahrnehmungen Raum und nehmen Sie sie an, so dass sie sich verändern können. Lassen Sie die Energien solange fließen, wie Sie diese spüren und sie Ihnen gut tun. Dann kommen sie langsam zurück aus dem Zustand von Achtsamkeit, Entspannung und innerem Ganzsein. Lassen Sie die guten Gefühle noch eine Weile nachwirken. Bei vielen Anwendern des Handauflegens führt dies zu mehr Ausgeglichenheit, Lebensfreude, Kreativität und Tatkraft.
Die Energieströme wieder ins Fließen bringen
Menschen, die das Handauflegen praktizieren, gehen meist davon aus, dass die Energieströme wieder ins Fließen geraten, sofern einen die Energie im Innersten berührt. So können sich Blockaden lösen und das innere Gleichgewicht stellt sich wieder ein. Das Fließen der Energie zeigt sich sowohl auf der psychischen als auch auf der physischen Ebene. Dabei können akute Beschwerden schneller auf das Handauflegen ansprechen, als Krankheiten, die bereits chronisch geworden sind. Ein wichtiger Faktor für die Wirkung des Handauflegens ist die Entspannung. Sie zeigt sich durch eine tiefere und langsamere Atmung, dem Loslassen von Muskelspannung und teilweise durch die Erwärmung von Händen und Füßen. Um die Kraft der Hände zu aktivieren, ist die liebevolle Zuwendung zu sich selbst und zu anderen Menschen eine Voraussetzung. Man sollte den tiefen inneren Wunsch verspüren, erst einmal sich selbst etwas Gutes zu tun, bevor man die Heilkraft der Hände auf andere Menschen überträgt. Denn nach der Theorie ist es nicht nur möglich, die heilenden Energien zu übertragen, sondern auch negative Energien. Um dem vorzubeugen, kann man sich vor jedem Handauflegen eine Art innere Reinigung vorstellen.
Literaturhinweise:
Bradford, Michael: Spirituelles Handauflegen: Leitfaden zur Entwicklung und Anwendung spiritueller Heilkraft. Ennsthaler 2003.
Höfler, Anne: Open Hands: Grundlagen und Praxis des Handauflegens. Knaur 2011.
